Bush schafft größtes Meeresschutzgebiet im Pazifik
...
Drucken
Bush schafft größtes Meeresschutzgebiet im Pazifik
07.01.2009, 13:20 Uhr
Die Fischernation Amerikanisch-Samoa liegt im neuen Meeresschutzgebiet, das US-Präsident Bush ernannt hat (Foto: Reuters)
US-Präsident George W. Bush will kurz vor dem Ende seiner Amtszeit am 20. Januar im Pazifik das größte Meeresschutzgebiet der Welt schaffen. In den drei neuen Reservate mit einer Gesamtfläche von rund 500.000 Quadratkilometern werden gewerbliche Fischerei und Meeresbergbau künftig stark eingeschränkt. Das Gebiet erstreckt sich über mehrere US-Außengebiete im Pazifik.
Die Reservate schließen den Marianengraben und Gewässer um entfernte Inseln und Atolle im Pazifik und die amerikanischen Samoa-Inseln ein. Damit hat Bush so viele Meeresschutzgebiete geschaffen wie kein anderer Politiker zuvor.
In der neuen Schutzzone soll das Fischen in einem Umkreis von bis zu 50 Seemeilen verboten werden. Auch 21 Vulkane und Hydrothermalquellen in der Tiefsee sollen besonders geschützt werden. Fangerlaubnisse für Einheimische, zu touristischen oder Forschungszwecken sollen von Fall zu Fall erteilt werden. Geschützt werden damit Korallenriffe, in denen sich Haie und bedrohte Schildkrötenarten tummeln. Auch Millionen Seevögel leben hier.
Bush sonst nicht so grün
Schon 2006 hatte Bush ein rund 350.000 Quadratkilometer großes Gebiet nordwestlich von Hawaii zum Schutzgebiet erklärt. Der umweltpolitische Kurs des scheidenden Präsidenten war während seiner Amtszeit eher widersprüchlich. Er widersetzte sich stets bindenden Obergrenzen beim Ausstoß von Treibhausgasen und öffnete Meeresgebiete vor den US-Küsten für die Ölförderung. Sein besonders großer Einsatz für die Meere ist daher für viele Umweltschützer eher überraschend.
Hobbyfischer schlagen Alarm
Vizepräsident Dick Cheney hatte zuvor mehrfach Einwände gegen die Reservate vorgebracht. Er hatte Bush, der selbst in seiner Freizeit fischen geht, zu bedenken gegeben, dass Hobbyfischer in den Schutzgebieten dann eine Sondergenehmigung für ihre Aktivitäten benötigten. Auch Anglerverbände kritisierten die Entscheidung massiv. Michael Nussman von der American Sportfishing Association sagte, eine solche Entscheidung würde implizieren, "dass Fischen eine schlechte Tätigkeit ist".
Forscher fordern mehr Einsatz
Wissenschaftler begrüßten die Entscheidung. Die Schutzzonen seien für Forscher ein wichtiges "natürliches Labor" zum Verständnis der Ökosysteme der Meere, sagte Roger McManus von der Umweltorganisation Conservation International. Allerdings gelten nach seinen Angaben in vielen der entlegenen Inseln bereits jetzt gesonderte Naturschutzauflagen, Fischen sei vielerorts ohnehin schon untersagt. "Jetzt kommt es darauf an, welche Schutzmaßnahmen darüber hinaus ergriffen werden", sagte McManus.
Schutzgebiet in US-Außengebieten
Die Außengebiete der USA unterliegen der Hoheitsgewalt der Vereinigten Staaten, sind aber keine vollwertigen Teile des Landes. Zu ihnen gehören neben Amerikanisch-Samoa und den Nördlichen Marianen auch Puerto Rico, die Amerikanischen Jungferninseln, Guam und andere Inselgruppen im Pazifik und der Karibik. Die Bewohner dieser Inseln haben zum Beispiel kein Wahlrecht auf US-Bundesebene, dürfen aber teilweise an Vorwahlen für den Präsidenten teilnehmen.
Fischfang wichtigster Wirtschaftsfaktor
Die Wirtschaft von Amerikanisch-Samoa ist stark von den USA abhängig, die ihr wichtigster Handelspartner sind. Der größte Wirtschaftsfaktor des Landes ist der Tunfischfang. Der Südseestaat bekommt neben Entwicklungshilfezahlungen auch hohe Subventionen von der US-Regierung. Der wichtigste Wirtschaftszweig auf den Nördlichen Marianen ist der Tourismus, der maßgeblich von Hobbyfischern getragen wird.