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Glühwein bei 30 Grad
23.12.2008, 11:48 Uhr | Von Kristina Dunz, dpa
"Alles Gute und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel": Verteidigungsminister Jung in Dschibuti (Foto: ddp)
Ohne Weihnachtsbaum läuft nichts. Auch keine Piratenjagd am Horn von Afrika. Die Soldaten der Fregatten "Karlsruhe" und "Mecklenburg-Vorpommern" knüpfen sich inzwischen nach alter Marine-Tradition einen Baum aus Schiffstauen - denn Tannenbäume aus Deutschland kamen in den heißen Einsatzgebieten immer ohne Nadeln an, berichtet Oberstabsärztin Stephanie Klinger.
So wird sie mit ihren Kameraden am Heiligabend tausende Kilometer von zu Hause entfernt an Deck um den "Tauen-Baum" stehen und Weihnachtslieder singen. Danach gibt es Glühwein und Christstollen - bei 30 Grad.
Jung verabschiedet Fregatte
Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) hat den Männern und Frauen noch schnell das Weihnachtsgebäck und Wein nach Dschibuti gebracht, bevor er die Besatzung der Fregatte "Karlsruhe" am Dienstag in die EU-Mission "Atalanta" zur Bekämpfung der Piraterie vor der somalischen Küste und im Golf von Aden verabschiedet.
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Weihnachtsgebäck und Glühwein
Die "Mecklenburg-Vorpommern" kann Nothilfe leisten, ist aber hauptsächlich für den Antiterrorkampf im Einsatz. Jung will Flagge zeigen, wenn die Soldaten so kurz vor Weihnachten in einen Einsatz geschickt werden. Er hatte Zweifel, ob Glühwein und Stollen das richtige Geschenk sei. Doch die Soldaten hätten sich das ausdrücklich gewünscht, sagt er.
Für Weihnachtsstimmung zu warm
Ein Teil der Fregatten-Besatzungen hat schon viele Male Weihnachten auf See verbracht. Korvettenkapitän Hannes Leister gibt unumwunden zu: "Für alle wäre es doch schöner zu Hause." Weihnachtsstimmung kommt bei den Soldaten in Dschibuti kaum auf. Erstens ist es hier zu warm und zweitens sind sie zu sehr beschäftigt mit dem Auftrag, den sie vom Bundestag bekommen haben.
Den Piraten militärisch überlegen
Um das eigene Schiff und sich selbst machen sich die Männer und Frauen weniger Sorgen. Mit der Fregatte seien sie den Piraten und ihren vergleichsweise kleinen Booten militärisch einfach überlegen, sagt ein Bootsmann. Die Piraten könnten bei Wellengang kaum gezielt schießen. Von der 6000 Tonnen schweren Fregatte sei das leichter. Leister lenkt den Blick auf ein anderes Problem. Man könne mitunter schwer unterscheiden zwischen Terroristen, Piraten und Fischern. Auf die Frage, was für ihn das Schlimmste bei dem Einsatz wäre, sagt er: "Wenn wir Waffen einsetzen müssten."
Waffeneinsatz wird erwartet
Genau dies wird von der Politik und Jung persönlich im Notfall von den Soldaten erwartet. Die Bundeswehr habe wohl kaum je ein "robusteres" Mandat gehabt, sagt Jung. Das bedeutet, dass die Marine mit Waffengewalt auch gekaperte Schiffe befreien und die Hauptschiffe der Piraten gezielt versenken darf.
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Mehr Sicherheit durch Militärpräsenz
Die Bundeswehr soll in erster Linien helfen, Schiffe des Welternährungsprogramms zu schützen, damit die Waren für die notleidende Bevölkerung in Somalia auch ankommen. Und die gesamte Seehandelsroute - die wichtigste zwischen Europa und Asien - soll durch die internationale Militärpräsenz sicherer werden.
Hilfe auch für Kreuzfahrturlauber und Fischer
Die Kriegsschiffe werden in der Not allerdings wohl erst einmal jedem helfen. Dazu könnten auch Kreuzfahrturlauber gehören, die die Bundesregierung ausdrücklich vor Reisen in dieses Seegebiet gewarnt hat. Auch Fischfangflotten - etwa aus EU-Staaten - könnten Schutz genießen. Das seien aber jene Flotten, die für die Not in Somalia mitverantwortlich seien, weil sie die Fischgründe am Horn von Afrika "geplündert" und somalischen Fischern damit die Existenzgrundlage geraubt hätten, beklagen Abgeordnete des Bundestags. So fänden sich unter den Piraten eben auch verarmte einstige Fischer.
Schluck Glühwein für die Piraten
Ungeachtet solcher Bedenken verabschiedete Jung die Soldaten am Dienstag in den Einsatz und wünschte ihnen "alles Gute und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel". Und was ist, wenn nun ausgerechnet an Heiligabend ein Piraten-Angriff gemeldet wird, genau dann, wenn alle an Deck um den selbst gebastelten Weihnachtsbaum stehen? Ein Oberstabsbootsmann sagt: "Am besten ist, wir laden die Piraten dann auf einen Schluck Glühwein ein."
Von Kristina Dunz, dpa