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Bundeswehr-Streichliste: Entsetzen bei Kommunen, Proteststurm bleibt aus

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Bundeswehr-Streichliste: Entsetzen bei Kommunen, Proteststurm bleibt aus

27.10.2011, 09:21 Uhr

Bundeswehrreform: 31 Standorte in ganz Deutschland werden geschlossen. (Foto: dapd) 31 Bundeswehrstandorte werden geschlossen

Schleswig-Holstein ist am stärksten betroffen. Die Bundeswehr steht damit vor dem größten Umbau ihrer Geschichte.

Das Flottenkommando im schleswig-holsteinischen Glücksburg wird aufgelöst, der Fliegerhorst im bayerischen Fürstenfeldbruck geschlossen. Das sind nur zwei spektakuläre Entscheidungen im neuen Standortkonzept der Bundeswehr. Die Kommunen reagieren entsetzt. Doch der große Aufschrei über die Bundeswehr-Standortschließungen bleibt aus. Minister Thomas de Maizière scheint auch die letzte Hürde beim Umbau der Bundeswehr problemlos zu nehmen. Und es gibt auch Gewinner bei der Bundeswehr-Streichliste.

"Das ist ein absoluter Super-GAU. Ein Schlag für die ganze Region." John Witt ist angefasst, er muss sich erstmal "emotional einkriegen". Dass das Flottenkommando der Marine in Glücksburg an der Ostsee nicht nur Teilbereiche verliert, sondern komplett aufgelöst wird, damit hat der Glücksburger Stadtrat nicht gerechnet, nicht in dieser Form. Mehrere Millionen Euro Kaufkraft könnten jährlich verloren gehen, fürchtet Witt.

Ende einer 53-jährigen Geschichte

Diese Bundeswehrstandorte sollen geschlossen werden (Karte: Stepmap) Diese Bundeswehrstandorte sollen geschlossen werden (Karte: Stepmap)Das Flottenkommando in Glücksburg führt bislang vom nördlichen Schleswig-Holstein aus die weltweiten Einsätze der See- und Seeluftstreitkräfte. Ihm unterliegen die beiden Einsatzflottillen, die Marineflieger und das Schifffahrtsmedizinische Institut. Nun endet hier nach 53 Jahren die Geschichte des Flottenkommandos. Der Standort mit 920 Posten wird aufgelöst, das Flottenkommando nach Rostock verlegt.

Noch schlimmer sind die Zahlen für Fürstenfeldbruck in Bayern, ein ebenso traditionsreicher Standort. "Fursty" nennen sie hier ihren Fliegerhorst fast liebevoll. Generationen von Offizieren wurden ausgebildet, die Offiziersschule gilt als Kaderschmiede der Luftwaffe. Und nun das Aus für den gesamten Standort mit seinen 1240 Dienstposten. Die Kreisstadt rund 20 Kilometer westlich von München verliert voraussichtlich eine jährliche Kaufkraft von 35 Millionen Euro. Und sie verliert "ihre" Soldaten. "Fürstenfeldbruck und der Fliegerhorst gehören zusammen", sagt Oberbürgermeister Sepp Kellerer am Mittwoch resigniert.

Kellerer glaubt zu wissen, warum es ausgerechnet seinen Fliegerhorst erwischt hat. "Die Grundstücke in Ballungsräumen sind wohl besser zu vermarkten", mutmaßt der Rathauschef mit Blick aufs nahe München. Einen Plan B für die künftige Nutzung des 220 Hektar großen Areals hat er nicht. "Immerhin gewinnen wir die Planungshoheit zurück." Was er seinen Kollegen am Abend im Stadtrat sagen wird, weiß er schon: "Es hilft nichts. Wir müssen nach vorne schauen."

Bürger befürchten leerstehende Wohnungen

Wie die Kommunalpolitiker sind auch Bürger und Geschäftsleute geschockt, als die Nachricht vom Abzug der Bundeswehr die Runde macht. In Glücksburg reagiert Heike Ehlend bestürzt. "Ist das wirklich wahr?" Die Inhaberin der "Parfümerie am Schloss" mag nicht recht glauben, was dem Ostseeort widerfahren soll. Ihr Mann war selbst bei der Marine, auch ihr Sohn ist bei der Bundeswehr. "Früher lagen ganze Zerstörer hier", dann seien bereits Stellen abgebaut worden. Ehlend befürchtet Schlimmes: "Die Familien der Bundeswehrangehörigen werden wegziehen, die Wohnungen werden leerstehen. Über uns können sie die Käseglocke stülpen."

Kaserne in Immendingen wird Teststrecke

Ganz anders im baden-württembergischen Örtchens Immendingen: Bürgermeister Markus Hugger dürfte beim Studium des 136-seitigen Konzepts ein Stein vom Herzen gefallen sein. "Immendingen - Standortaufgabe", steht dort auf Seite 44. Die 970 Soldaten und Zivilbeschäftigten eines Artilleriebataillons, einer Panzerpionierkompanie und eines Dienstleistungszentrums sollen komplett umziehen.

Genau dafür hatte Hugger wochenlang gekämpft. Er will, dass aus der stillgelegten Oberfeldwebel-Schreiber-Kaserne eine Daimler-Teststrecke wird. "Mit der Ansiedlung von Daimler hat unsere Gemeinde die einmalige Chance, sich vom Garnisonsstandort zum Wirtschaftsstandort zu entwickeln", sagt er. Unter den Bürgermeistern mit Bundeswehrstandorten ist Hugger allerdings ein Exot. Die meisten seiner Kollegen zitterten ähnlich wie Witt und Kellerer monatelang um den wichtigen Wirtschaftsfaktor Bundeswehr, für viele von ihnen verpufft nun das letzte Fünkchen Hoffnung.

Proteststurm bleibt aus

Der große Aufschrei von Landesfürsten und Bürgermeistern bleibt Verteidigungsminister Thomas de Maizière dennoch erspart. Selbst sein Parteifreund Peter Harry Carstensen (CDU), dem im kleinen Schleswig-Holstein gut 10.000 Soldaten verloren gehen, reagiert gelassen. Er habe schon erwartet, dass es sein Land mit den meisten Bundeswehrdienstposten pro Kopf besonders hart treffen werde. "Unsere Argumente sind in Berlin gehört und berücksichtigt worden", zeigt sich der Ministerpräsident verständnisvoll - und das, obwohl die nächste Landtagswahl im Mai 2012 in Schleswig-Holstein stattfindet.

"Der Sack ist zu"

In den nächsten Wochen und Monaten wird es darum gehen, wie der Strukturwandel in den betroffenen Regionen finanziell begleitet wird. Zu einer Änderung des Konzepts selbst wird es aber nicht mehr kommen, selbst wenn es doch noch Proteste geben sollte. "Der Sack ist zu", sagt de Maizière am Mittwoch.


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Quelle: dpa

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Kommentare (13)

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Thema: "Bundeswehr-Streichliste: Entsetzen bei Kommunen, Proteststurm bleibt aus"

hanserl schrieb: am 27. Oktober 2011 um 17:35:08
(1) (0) Fördermittel-Irrsinn
wenn es den gemeinden/kommunen schlecht geht gehen sie zuerst an die landesregierung.so z.b.RLP an den sonnenkönig
KURT BECK.der will seine wähler nicht verlieren,hat aber selbst kein geld weil es anderswo s.Nürburgring sinnlos verplempert wurde.als geht er an den Bund.der Bund hat ausser schulden und spesen auch kein geld,fördert aber trotzdem um seine wähler in der regierung auch nicht zu verlieren.der BUND geht an die steuerschraube,weil der bürger?....hat nichts mehr zu verlieren.so einfach
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Ralf schrieb: am 27. Oktober 2011 um 16:55:07
(5) (0) Bundeswehr
Kosten sparen um höhere Kosten zu erzeugen , unsere Politiker haben da ein gutes Hänchen.Schlechte Ausrüstung in Afghanistan
fehlt Munition ,aus zwei Fahrzeugen machten die Kameraden eins.Aber jetzt ist ja Viel Geld über und alles wird gut.Was passiert mit dem neuen Leo 2 A6 der in der Truppe ist über die hälfte ist über,gehen die in die Türkey oder werden sie Verschrottet?In ein Paar Jahren braucht man die schwere Truppe,es sind 3 Einheiten über ein schlechter Witz.
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Coldfarmer schrieb: am 27. Oktober 2011 um 14:18:51
(5) (14) BW-Aus
Die wirtschaftliche Bedeutung von BW-Standorten wird ohnehin überschätzt. Also lasst sie sterben, am besten die ganze BW mit dazu.

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