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Bundeswehr in Afghanistan: Generalinspekteur Harald Kujat im Gespräch

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Kujat: Die Deutschen kämpfen schon

10.02.2008, 07:58 Uhr

Ex-Generalinspekteur Kujat gab T-Online ein Interview (Quelle: dpa) Ex-Generalinspekteur Kujat gab T-Online ein Interview (Quelle: dpa)Der frühere Luftwaffengeneral und ehemalige Generalinspekteur der Bundeswehr Harald Kujat war von 2002 bis 2005 Vorsitzender des NATO-Militärausschusses. T-Online sprach mit dem Militär am Rande der Münchener Sicherheitskonferenz über Tatsachen, die deutsche Politiker lieber verschweigen.

T-Online: Herr Kujat, im Süden Afghanistans sterben sehr viele alliierte Soldaten und noch viel mehr Afghanen. Zeigt das nicht, dass dort etwas grundlegend falsch läuft?

Harald Kujat: Das zeigt, dass wir dort in heftige Kämpfe verwickelt sind. Es ist aber kein Indiz dafür, dass dort etwas falsch läuft. Das starke militärische Engagement der NATO hat ja auch Erfolge gezeigt. Die Taliban sind nicht mehr in der Lage, in größeren Formationen gegen uns anzutreten. Es hat eine negative Seite, nämlich dass immer mehr von ihnen ausweichen in den relativ friedlichen Norden und dass dort die Attacken von Selbstmordattentätern zunehmen. Aber man muss eben die Erfolge herausstellen.

Werden die Deutschen früher oder später auch im Norden kämpfen müssen? 

Sie tun es ja jetzt schon. Sie haben dort nach Angaben der norwegischen Verteidigungsministerin nicht nur an Kämpfen teilgenommen, sondern der Einsatz wurde auch von einem deutschen General geleitet. Er hat den Befehl gegeben, zu kämpfen. Wir decken das ganze Spektrum ab vom Wiederaufbau bis hin zu wirklichen Kampfeinsätzen. Das sagt übrigens auch der Verteidigungsminister und das muss man unserer Bevölkerung auch sagen.

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Die scheint noch nicht sehr überzeugt zu sein.

Weil wir es falsch gemacht haben. Wir haben die Dinge nicht offen ausgesprochen. Wir haben immer nur von Wiederaufbau, Kindergärten und Schulen geredet. Aber diese Statistiken machen gar keinen Eindruck. Man muss der Bevölkerung die Wahrheit sagen. Und die lautet, dass wir selbstverständlich auch unsere Soldaten hinschicken, um zu kämpfen, und dass das bedeuten kann, dass die Soldaten ihre Gesundheit und ihr Leben einbüßen.

Und wenn die Bevölkerung fragt: Wofür das Ganze?

Dann muss man ihr erklären, worum es geht. Dass es auch um unsere Sicherheit geht. Dass wir sozusagen das Übel an den Wurzeln bekämpfen, damit es nicht zu uns kommt. Das ist der entscheidende Punkt. Man kann das auch in schönere Worte verpacken. Ich sage es mal ganz einfach: Ich persönlich vertraue darauf, dass unsere Bevölkerung viel klüger ist, als die Politik meint.

Die Umfragen zeigen aber eine riesige Ablehnung.

Weil wir eben nicht die volle Wahrheit gesagt haben. Wir haben versucht es positiv darzustellen. Wenn man das wirklich so darstellt, wie es ist, dann wird auch mit der Zeit die Bevölkerung verstehen, worum es geht. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Zustimmung nach oben schnellt. Aber wir hatten auch lange Zeit die Frage, ob Deutschland überhaupt an Auslandseinsätzen teilnehmen soll. Auch daran hat sich die Bevölkerung gewöhnt, weil sie verstanden hat, worum es geht. Das wird hier auch der Fall sein.

Grafik Bundeswehr in Afghanistan
HintergrundDie gefährlichsten Regionen Afghanistans
HintergrundBundeswehreinsatz in Afghanistan
Animierte GrafikBundeswehreinsätze im Ausland

Sollten die Deutschen der Bitte der USA nachkommen und sich im Süden stärker engagieren?

Ich würde im Moment nicht dazu raten. Jedenfalls nicht mit Infanterie oder Fallschirmjägern. Was man machen könnte, wäre, eine Art Kompromisslösung zu finden. Beispielsweise Defizite die dort bestehen auszugleichen.

Zum Beispiel?

Zum Beispiel durch die Bereitstellung zusätzlicher Transporthubschrauber. Taktische Mobilität ist ein großes Problem im Süden. Oder auch durch die Bereitstellung einer zusätzlichen Aufklärungskapazität, die in Echtzeit Informationen liefert. Das würde eine Menge Druck aus der Diskussion herausnehmen.

Das Interview führte Christian Kreutzer


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