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Bundeswehr in Afghanistan: Cem Özdemir fordert Strategiewechsel

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Özdemir: "Können nicht ewig bleiben"

21.10.2008, 10:17 Uhr

Seit 2002 beteiligt sich die Bundeswehr an der internationalen Schutztruppe für Afghanistan ISAF (Quelle: Reuters) Seit 2002 beteiligt sich die Bundeswehr an der internationalen Schutztruppe für Afghanistan ISAF (Quelle: Reuters)Erst am vergangenen Donnerstag wurde das Mandat für den Bundeswehreinsatz in Afghanistan um 14 Monate verlängert. Doch nach dem jüngsten tödlichen Anschlag auf deutsche Soldaten in der Nähe von Kundus ist die Debatte über das Engagement am Hindukusch wieder voll entbrannt. Während Politiker von Union und Grünen einen Abzug als "völlig falsche Schlussfolgerung" bezeichneten, forderte der designierte Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir die Bundesregierung zu einem Strategiewechsel auf.

"Es muss klar sein, dass wir in Afghanistan nicht auf ewig bleiben können", sagte Özdemir dem "Hamburger Abendblatt".

Anschlag der TalibanZwei Bundeswehr-Soldaten getötet
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Am Scheideweg

Kanzlerin Angela Merkel müsse der Bevölkerung "endlich erläutern, warum unsere Soldaten überhaupt am Hindukusch sind und wie lange sie noch bleiben müssen". Bisher sei die Kanzlerin beim Thema Afghanistan "merkwürdig leise" gewesen, so Özdemir. Der Europa-Abgeordnete betonte: "Afghanistan steht am Scheideweg. Mit einem bloßen 'Weiter so' werden wir Afghanistannicht zum Erfolgsmodell machen."

ChronologieAngriffe auf Deutsche in Afghanistan
HintergrundDie Bundeswehr in Afghanistan

Kritik an Vorgehensweise der USA

Özdemir forderte einen Strategiewechsel. Die Vorgehensweise der Vereinigten Staaten, "den Fokus nur auf die Bekämpfung der Gegner zu legen", führe nicht weiter. Die internationale Gemeinschaft müsse jetzt alle Anstrengungen darauf verwenden, die afghanische Armee und Polizei in die Lage zu versetzen, "ihre Aufgaben selbstständig und kompetent zu erfüllen".

Taliban immer brutaler

Der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Eckart von Klaeden, wertete den Anschlag als Beleg für die "Brutalität und Hinterhältigkeit" der Taliban. Weil diese nicht einmal auf einheimische Muslime Rücksicht nähmen, werde "die Anwesenheit der Bundeswehr von den Afghanen selbst mit großer Mehrheit gewünscht", so von Klaeden gegenüber dem "Abendblatt". Ein sofortiger Rückzug würde das Land seiner Ansicht nach "in die Terrorherrschaft der Taliban zurückwerfen".

Abzug wäre "völlig falsche Schlussfolgerung"

Auch der Verteidigungs-Experte der Grünen, Winfried Nachtwei, hatte einen Abzug in der ARD als "völlig falsche Schlussfolgerung" bezeichnet. Die FDP-Verteidigungspolitikerin Birgit Homburger sagte, der "hinterhältige und menschenverachtende Anschlag" mache erneut das hohe Risiko der deutschen Soldaten deutlich. Der Abgeordnete der Linkspartei, Wolfgang Gehrcke, betonte dagegen, seine Fraktion habe bei der Ablehnung über die Verlängerung des Mandats an die Opfer dieses Krieges gedacht.

Mandat um 14 Monate verlängert

Der Bundestag hatte das Mandat für den Bundeswehr-Einsatz in der NATO-geführten ISAF erst am vergangenen Donnerstag für 14 Monate verlängert. Die Obergrenze wurde um 1000 auf 4500 Soldaten erhöht. Im Rahmen der ISAF sind nach Angaben der Bundeswehr derzeit 3300 deutsche Soldaten in Afghanistan im Einsatz.

Fahrradfahrer zündet Sprengsatz

Bei dem Selbstmordanschlag vom Montag waren zwei deutsche Soldaten und fünf afghanische Kinder getötet worden. Zwei weitere Soldaten und ein weiteres Kind wurden verletzt. Der Bundeswehr-Konvoi war auf einem Großeinsatz, um versteckte Waffenlager aufzuheben. Neben ihrem gepanzerten Lastwagen vom Typ "Mungo" zündete um 13.05 Uhr (Ortszeit) ein Fahrradfahrer einen Sprengsatz. Deutsche Soldaten werden mehr und mehr zur Zielscheibe der Taliban: Die Grafik von t-online.de zeigt neben Kundus und der Hauptstadt Kabul die beiden anderen deutschen Standorte Faisabad und Masar-i-Sharif Deutsche Soldaten werden mehr und mehr zur Zielscheibe der Taliban: Die Grafik von t-online.de zeigt neben Kundus und der Hauptstadt Kabul die beiden anderen deutschen Standorte Faisabad und Masar-i-SharifDas Fahrzeug geriet dabei in Brand, die Munition explodierte.

Taliban bekennen sich

Kurze Zeit nach dem Anschlag bekannten sich die radikalislamischen Taliban zu der Tat. Ihr Sprecher Sabiullah Mudschahid teilte auf der Homepage der Aufständischen mit, ein Selbstmordattentäter habe sich in die Luft gesprengt. Zu dem Anschlag sei es gekommen, als die "Invasionstruppen" Häuser im Dorf Hadschi Amanullah nahe Kundus durchsucht hätten.

"Abscheulicher Anschlag"

Verteidigungsminister Franz Josef Jung äußerte "große Betroffenheit". Auch der EU-Außenbeauftragte Javier Solana verurteilte in Brüssel den "abscheulichen" Anschlag. Außenminister Frank-Walter Steinmeier reagierte ebenfalls bestürzt: "Die Bundesregierung verurteilt diesen mörderischen Anschlag auf das Schärfste. Gemeinsam mit den afghanischen Behörden werden wir alles daran setzen, die Hintergründe aufzudecken und die Hintermänner zur Verantwortung zu ziehen."



Quelle: dpa , AFP

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