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Bundestag gedenkt der Holocaust-Opfer

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Bundestag gedenkt der Holocaust-Opfer

27.01.2006, 12:09 Uhr

61 Jahre nach der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz hat der Bundestag am Freitag mit einer Gedenkstunde an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Bundestagspräsident Norbert Lammert rief vor den Abgeordneten und zahlreichen Gästen im Plenarsaal in Berlin zu einer weiteren Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte in der NS-Zeit auf. "Wir müssen, wir wollen und wir werden weiterhin bereit sein, Lehren aus unserer Geschichte zu ziehen." Der Journalist und ehemalige KZ-Häftling Ernst Cramer nannte die Verbrechen in der Nazi-Zeit "die unbegreiflichste Tragödie in der deutschen Geschichte". "So tief war Deutschland vorher nie gesunken."

Bestürzung über Parolen aus dem Iran
An der Gedenkstunde am Jahrestag der Auschwitz-Befreiung nahmen auch Bundespräsident Horst Köhler und Bundeskanzlerin Angela Merkel teil. Lammert kritisierte mit Nachdruck die jüngsten Äußerungen des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad zur Judenverfolgung durch die Nazis. "Wie sehr nicht nur wir Deutsche dieses Gedenktages bedürfen, haben uns die letzten Wochen gezeigt", betonte der Bundestagspräsident. So sei in Deutschland "mit Bestürzung" zur Kenntnis genommen worden, dass heute sogar Staatsoberhäupter den Holocaust als "Märchen" bezeichneten.

Erstmals "Internationaler Tag des Gedenkens"
Lammert betonte, der seit 1996 im Bundestag begangene Gedenktag werde in diesem Jahr "uns einmal mehr in Erinnerung bleiben, weil der 27. Januar 2006 von den Vereinten Nationen erstmals als 'Internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust' begangen wird". Die Vereinten Nationen hätten bei ihren Überlegungen, den Gedenktag zu schaffen, die Gedenkpraxis des Bundestags vor Augen gehabt. "Es ist gut, dass es nicht umgekehrt gewesen ist", sagte der CDU-Politiker.

Gedenken für alle Unterdrückten und Ermordeten
Der aus einer jüdischen Kaufmannsfamilie stammende Cramer erinnerte in seiner Gedenkrede daran, dass die Juden in der Zeit der NS-Gewaltherrschaft "nicht die alleinigen Leidtragenden" gewesen seien. "Aber sie waren die Hauptbetroffenen." Unter den Nazis seien auch Sinti und Roma, Homosexuelle, Behinderte, politische und angeblich arbeitsscheue Häftlinge, Zwangsarbeiter und Widerstandskämpfer verfolgt worden. Das Gedenken gelte daher allen, die "drangsaliert, unterdrückt, verdammt, vertrieben und schließlich ermordet wurden", betonte der in Augsburg geborene Cramer einen Tag vor seinem 93. Geburtstag.

"Jeder hat wissen können, was zuhause geschah"
Cramer war 1938 inhaftiert und in das KZ Buchenwald verschleppt worden. Seine Familie wurde von den Nazis ermordet. 1939 emigrierte Cramer in die USA, kehrte aber nach Kriegsende als amerikanischer Staatsbürger und Soldat nach Deutschland zurück. Seit 1958 arbeitete er als Journalist im Springer-Verlag. 1981 übernahm er den Vorstandsvorsitz der Axel-Springer-Stiftung. In seiner Gedenkrede äußerte sich Cramer kritisch zum Verhalten einer großen Mehrheit der Deutschen während der Nazi-Zeit. Zwar habe nur eine Minderheit wissen können, was in den Konzentrationslagern tatsächlich geschah. Aber jeder habe wissen können, "was zuhause geschah", fügte der Journalist mit Blick auf die damaligen Schändungen jüdischer Gotteshäuser und Misshandlungen von Homosexuellen sowie Sinti und Roma hinzu.

"Neonazis sind in diesem Land wieder aktiv"
Zugleich mahnte Cramer zur Wachsamkeit angesichts eines neu aufgeflammten Antisemitismus in der Bundesrepublik. "Neonazis sind in diesem Land wieder aktiv." An die Teilnehmer der Gedenkstunde gewandt fügte er hinzu: "Es besteht kein Grund zur Sorge, wenn Sie, wir alle wachsam bleiben."



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Quelle: AFP

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