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Bundesamt prüft: Ist der Halsbandsittich eine Gefahr?

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Ist der Halsbandsittich eine Gefahr?

22.02.2012, 08:37 Uhr | Von Andrea Löbbecke, dpa

Nimmt der Halsbandsittich anderen Vögel die Brutplätze weg? (Quelle: dpa)

Trügt der süße Schein? Nimmt der Halsbandsittich anderen Vögel die Brutplätze weg? (Quelle: dpa)

Papagei versus Specht, Dohlen, Spatz & Co.: Können die freilebenden Halsbandsittiche den Bestand einheimischer Tierarten gefährden? Der Frage geht das Bundesamt für Naturschutz nun genauer nach. Unter Ornithologen entfacht dies eine teils emotional geführte Debatte.

In Wiesbaden, rund um Köln, in Düsseldorf, Mannheim, Ludwigshafen und Heidelberg flattern freilebende Halsbandsittiche schon seit Jahrzehnten durch die Parks. Nun breiten sich die Papageien vor allem entlang des Rheins weiter aus. Viele Spaziergänger freuen sich über die possierlichen Schreihälse, Ornithologen erforschen begeistert die Lebensgewohnheiten der Exoten. Kritiker warnen jedoch, dass die Sittiche womöglich natürlich vorkommenden Vögeln wie Spechten und Kleibern die Bruthöhlen streitig machen und Fledermäuse vertreiben.

Sind die freigesetzten Papageien eine Bedrohung für natürlich vorkommende Tiere? Das Bundesamt für Naturschutz in Bonn will nun gezielt eine Antwort darauf finden. Unter Fachleuten gehen die Meinungen weit auseinander: Manche begrüßen neue Arten als Zugewinn an biologischer Vielfalt, andere plädieren für eine konsequente Beseitigung.

Foto-Serie: Freilebende Sittiche - süß oder gefährlich?
6 Bilder von 7

Seit den 60er Jahren

Die ersten wildlebenden Halsbandsittiche in Deutschland wurden Mitte der 1960er Jahre in Köln beobachtet - vermutlich waren sie entflogen oder ausgesetzt worden. Nach aktuellen Schätzungen leben inzwischen 8500 Halsbandsittiche hierzulande wild, meist in Parks mit vielen alten Bäumen. Ob sie dort andere Tiere vertreiben, lasse sich anhand der bekannten wissenschaftlichen Daten nicht sicher beurteilen, heißt es vom Bundesamt. Daher gelte der Halsbandsittich als potenziell invasiv und sollte weiter beobachtet werden. Das bedeutet, er kommt voraussichtlich auf die sogenannte "graue Liste".

Mit dem Bewertungssystem der weißen, grauen und schwarzen Listen teilt das Bundesamt freigesetzte oder eingeschleppte Tiere und Pflanzen danach ein, ob sie einheimische Arten möglicherweise gefährden. Bislang sind nur die Fische fertig: Von 25 beurteilten Arten kamen sechs auf die "schwarze Liste". Sie gelten als invasiv, eine Gefährdung einheimischer Arten gilt als belegt. Ob und mit welchen Mitteln solche Populationen kontrolliert werden, soll im Einzelfall entschieden werden.

Höhlenbrüter bedroht?

Für Kandidaten auf der "grauen Liste" gilt: Eine Gefährdung ist wahrscheinlich, die Art muss weiter genauer beobachtet werden. Auf der weißen Liste landen alle Arten, von denen bislang keine Gefahr ausgeht. Die Einordnung für landlebende Wirbeltiere und einen großen Teil der Pflanzen soll bis Herbst fertig sein. Beim Halsbandsittich sei es etwa denkbar, dass er sich in Auenwäldern ausbreitet und dort Höhlenbrüter bedroht, schreiben die Experten des Bundesamtes in einer Mitteilung: "Als mögliche Maßnahmen käme hier vor allem Vergrämen in Betracht. Ei-Entnahme, Vergiftung oder Abschuss wären wahrscheinlich nicht praktikabel."

Allein im Rhein-Neckar-Raum leben nach Zählungen des Biologen Michael Braun inzwischen rund 3000 Halsbandsittiche. "Diese Zahlen sind seit Jahren stabil", sagt er. Erst in jüngerer Zeit seien dagegen die Papageien in Zweibrücken und einzelne auch in Frankfurt beobachtet worden. Braun ist zwar grundsätzlich damit einverstanden, bei zugewanderten Arten zu prüfen, ob sie der heimische Fauna schaden. Aber: "Wie man den Halsbandsittich auf die graue Liste setzen kann, das ist mir ein Rätsel."

Es mangelt an Daten

Auch der Wiesbadener Papageien-Experte Detlev Franz ist sich sicher: "Ich denke, beim Halsbandsittich wird keine Gefährdung rauskommen." Parkanlagen seien ohnehin kein natürlicher Lebensraum. Eine Konkurrenz um Höhlen etwa mit Hohltauben, Dohlen und Fledermäusen kann Franz nicht erkennen. Die Ansprüche seien viel zu unterschiedlich. Franz hat unter anderem untersucht, in wieweit Halsbandsittiche und Buntspechte in Konkurrenz stehen. Für den Experten ist es wegen mangelnder Daten noch völlig offen, ob die Papageien den Spechten die Höhlen streitig machen und deren Population schädigen. Gegen eine Konkurrenz spreche jedoch, dass beide Arten zeitversetzt brüten.


Quelle: dpa

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Kommentare (22)

zum Forum

Thema: "Bundesamt prüft: Ist der Halsbandsittich eine Gefahr?"

Voltaire vom Volk der 7,02 Mrd schrieb: am 22. Februar 2012 um 18:21:10
(26) (4) Wer will sich denn zum Richter aufschwingen?
Nicht nur erst seit Anbeginn menschlicher Kultur versteht sich die Menschheit darauf, andere
Lebensformen an einen neuen Ort zu bringen. Viele Arten gingen elendig zu Grunde. Und die, die es geschafft haben, zu überleben und nicht mehr unter dem Joch des Menschen stehen, bringt der Mensch gut und gerne wieder um. Ist es der Jagdsportinstinkt? Denn nur so, lässt sich menschliches Verhalten erklären. Menschen, die ebenfalls gerne Menschen jagen. 7,02 Mrd. Der nächste bitte!
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NABUist schrieb: am 22. Februar 2012 um 16:45:35
(25) (21) Lösungsvorschlag
8500 Brutpaare, für jedes 10,-€ Fangprämie ausgesetzt, das Problem wäre schnell gelöst und zu diesem Zeitpunkt auch
noch günstig. In einigen Jahren kostet es das doppelte!!!
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Birke schrieb: am 22. Februar 2012 um 16:26:23
(22) (24) Bundesamt f.Naturschutz
Hat das Amt nichts anderes zu tun als unschuldige Tiere auszurotten ? Da müßte doch als erstes der überhebliche
MENSCH (auch nur ein Lebewesen wie der Vogel, nur angeblich mit Verstandl) ausgerottet werden . Also LIEBE Ämter und Menschen , lasst den Mist und kümmert euch um wichtigere Sachen .
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