15.11.2010, 12:39 Uhr
Sofia von oben: Die Stadt rechnet damit, durch die Helikopter-Fotos der Behörden fünf Millionen Euro mehr Steuern einzutreiben (Foto: imago)
Im armen Bulgarien stellt eine Schicht Neureicher gerne ihre Luxuslimousinen auf den Straßen zur Schau - Steuern zahlen sie aber viel zu wenig. Nun nehmen Fahnder deren illegal gebaute Paläste aus der Luft ins Visier.
Das Knattern von Hubschrauber-Rotorblättern macht Bulgariens Neureiche nervös. Denn Steuerfahnder fotografieren neuerdings besonders große und teure Anwesen aus der Luft, weil die Besitzer den Beamten jegliche Kontrollen verweigern. Schon bei der ersten Aktion konnten im Oktober ganze Siedlungen mit illegal gebauten Luxusvillen dokumentiert werden. Besonders pikant: Unter den Besitzern sind auffallend viele Zöllner.
Bilder von hunderten Palästen mit Schwimmbecken, Tennis- und Golfplätzen empören die Öffentlichkeit im ärmsten EU-Land. Die Aufnahmen liefen auf allen Fernsehkanälen und waren in den Zeitungen zu bestaunen. Das größte Anwesen soll eine Wohnfläche von rund 4000 Quadratmetern haben.
"Wir sind bereits über wesentliche Teile des Landes geflogen", berichtet der Chef der Steuerbehörde, Krassimir Stefanow. Dabei seien allein im Raum der Hauptstadt Sofia bis zu 6000 illegal gebaute Häuser entdeckt worden. Von der "Aktion Helikopter" verspricht sich allein die Stadtgemeinde Sofia rund fünf Millionen Euro Mehreinnahmen aus der Immobiliensteuer und anderen Abgaben.
Manche Besitzer haben sich neben den Villen kleine Zoos mit Rehen und Schwänen eingerichtet. Zwei Brüder ließen in ihrem Garten sogar eine christlich-orthodoxe Kapelle errichten. Die oft kitschigen "Paläste im Muskelmänner-Barock", so der Spott des Volkes, finden sich unter anderem am Fuß des Witoscha-Gebirges südlich von Sofia oder an der Schwarzmeerküste. Beliebt sind auch die Ufer malerischer Stauseen.
Angesichts der knappen Staatskasse wollen die Steuerfahnder auch mehr über die Herkunft des Reichtums wissen und ermitteln, ob dafür auch Steuern gezahlt wurden. Denn oft werden die Luxusvillen als Firmensitze ausgegeben, für die die Unternehmer Steuerkredite erhielten. Doch in Wirklichkeit wohnen sie dort mit ihren Familien nur ganz privat.
Die "Aktion Helikopter" enthüllte zudem, dass viele der illegal gebauten Villen auf staatlichen Grundstücken stehen. Einige liegen gar in Wasserschutzgebieten, wie am Iskar-Stausee, aus dem Bulgariens Hauptstadt Trinkwasser bezieht. Korruption sowie das Chaos mit den Baugenehmigungen machten diesen Wildwuchs möglich, erläutern Experten. "Ich war echt verblüfft von den Bildern", kommentierte Regierungschef Bojko Borissow. Er gibt sich kompromisslos: "Alles, was gesetzeswidrig gebaut ist, muss abgerissen werden." Andere fordern, dass die Paläste konfisziert und etwa als Heime für Waisenkinder genutzt werden.
Quelle: dpa
Hertel schrieb:
am 15. November 2010 um 21:40:46
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illegale Bauten
Auf keinen Fall abreißen. Umfunktionieren ist die Parole und zwar auf Kosten derer die sie errichtet haben. Es gibt genug
Bedarf an Seniorenheimen, Kindergärten, Erholungsheimen etc..
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k-v-dd schrieb:
am 15. November 2010 um 18:07:19
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Altes Sprichwort:
"Die Schlauen leben von den Dummen und die Dummen von der Arbeit." Aber dank Schwarz-Gelb gilt das hier nicht mehr - von
Arbeit kann man in Schland kaum noch leben! Der Kapitalismus ist eben ein asoziales korruptes Dreckssystem, das kein einziges Problem der Menschheit lösen (und auch nicht will).
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Politikus schrieb:
am 15. November 2010 um 14:59:40
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Bulgarien
Man sollte jetzt nicht so tun, als ob das Ausmaß an Korruption in Bulgarien - aber auch in Rumänien - vor deren EU-Beitritt nicht
bekannt gewesen wäre. Wer hat denn dem Beitritt zugestimmt?
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