13.10.2010, 11:35 Uhr
Ein weiblicher Buckelwal hat 9800 Kilometer bei der Partnersuche zurückgelegt (Foto: dpa)
Ein weiblicher Buckelwal hat auf der Suche nach einem Partner mindestens 9800 Kilometer zurückgelegt und damit einen neuen Rekord aufgestellt. Dies berichten Forscher des College of the Atlantic in Bar Harbor (US-Bundesstaat Maine) in einem Beitrag, der von der Fachzeitschrift "Biology Letters" veröffentlicht wurde. Demnach lag der bisher bekannte Rekord für Walwanderungen bei etwa 9400 Kilometern.
Zwischen den beiden Nahrungsgründen liegt eine Strecke, die fast einem Viertel des Erdumfangs entspricht, schreiben die Wissenschaftler um Peter Stevick. Außerdem fast 90 Längengrade, ein Ozeanbecken und ein Kontinent.
Den Angaben zufolge wurde der Wal ein erstes Mal im August 1999 auf einer Aufzucht-Sandbank an der südöstlichen Küste Brasiliens fotografiert. Durch reinen Zufall sei das Tier zwei Jahre später wieder fotografiert worden, und zwar an der Ostküste von Madagaskar im Indischen Ozean, erläuterte der Leiter der Forschergruppe, Peter Stevick. Der Buckelwal sei anhand der besonderen Form seines Schwanzes und dem Fleckenmuster auf seinem Körper eindeutig identifiziert worden.
Durch die Entnahme einer kleinen Hautprobe und eine anschließende genetische Untersuchung wissen die Forscher zudem, dass der reiselustige Wal weiblich ist. Dies sei eine weitere Überraschung, denn normalerweise schwimmen männliche Tiere längere Strecken als weibliche, schreiben die Wissenschaftler.
Buckelwale wandern regelmäßig zwischen ihren Nahrungsgründen und den Fortpflanzungsgebieten hin und her. Üblicherweise legen sie dabei Strecken von etwa 5000 Kilometern zurück. Die Distanz zwischen den Sichtungsstellen vor Brasilien und Madagaskar beträgt hingegen mindestens 9800 Kilometer.
Eine eindeutige Erklärung für die Wanderlust des Walweibchens haben die Forscher nicht. Möglicherweise war es gezielt dabei, neue Lebensräume zu erkunden, vielleicht habe es sich aber auch einfach verirrt. Die Entdeckung zeige, wie flexibel die Wanderungen auch innerhalb einer Art sein können, die ihrem Brutort typischerweise treu ist.
Überraschend war für die Wissenschaftler vor allem auch die Route: Bisher gingen sie davon aus, dass Wale sich auf einer Nord-Süd-Achse bewegen. Im vorliegenden Fall schwamm das Säugetier aber auf einer Ost-West-Route, um einen Partner zu finden.
Buckelwale galten noch bis vor einigen Jahren als eine vom Aussterben bedrohte Art. Nach Einschränkungen des Walfangs erholten sich die Bestände jedoch. Heute gilt die Art nicht mehr als gefährdet.
Quelle: AFP , dpa
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