21.07.2010, 17:29 Uhr
Offenbar wusste Prügelopfer Dominik Brunner nichts von seinem Herzfehler (Foto: dpa) (Quelle: dpa)
Die Zeugenaussage des S-Bahn-Zugführers könnte die Rolle des verstorbenen Dominik Brunner in ein anderes Licht rücken. Demnach hätten die mutmaßlichen Täter den 50-jährigen Geschäftsmann nicht von sich aus angegriffen: "Für mich war Brunner der Angreifer", sagte der Zeuge vor dem Münchner Landgericht. Dieser sei "zügig mit zwei Schritten auf die beiden zugegangen und habe einem mit der Faust ins Gesicht geschlagen", sagte er weiter.
"Die beiden Angeklagten waren äußerst überrascht - wie ich", sagte der 46-jährige Bahnbedienstete. "Jetzt gibt's hier hinten Ärger", habe Brunner gesagt. Die beiden Angeklagten seien zuvor "ganz normal ausgestiegen wie jeder andere auch".
Die beiden jungen Männer seien zwar hinter dem Verstorbenen und den Jugendlichen auf einen Treppenaufgang zugegangen, aber "nicht auf Herrn Brunner zu, eher daneben vorbei". Als die Jugendlichen in seiner Nähe gewesen seien, "ging Brunner rasch zwei Schritte auf sie zu und hat mit der Faust ausgeholt", sagte der Zeuge.
Für ihn sei Brunner der Angreifer gewesen - er habe nichts von der vorangegangenen Auseinandersetzung mitbekommen. "Er hätte einfach nur gehen müssen, der Herr Brunner. Es war aus meiner Sicht genug Zeit, um zu gehen." Anschließend habe der 50-jährige Brunner gesagt: "Das klären wir jetzt mit der Polizei." Er habe deshalb geglaubt, die Sache sei erledigt, berichtete der Zugführer - zumal der Mann, der zuerst zugeschlagen hatte, von sich aus von der Polizei gesprochen habe. Er habe daraufhin seinen Fahrdienstleiter verständigt und sei weitergefahren.
Weitere Zeugen schilderten, dass die Angeklagten Sebastian L. und Markus S. anschließend unter wüsten Beschimpfungen brutal auf den 50-jährigen Brunner einschlugen. Einer der beiden habe auf den am Boden liegenden Mann "eingestampft", sagte ein 17-jähriger Zeuge. Der andere Angeklagte habe die Schüler neben Brunner in Schach gehalten. Ein 59-jähriger Zeuge sagte, Markus S. sei "in Siegerpose" mit geballter Faust weggegangen. Sein Gesicht sei hasserfüllt gewesen. Der andere, Sebastian L., habe ihn mit sich gezogen.
Die Staatsanwaltschaft sieht die Tat weiter als Mord. Das Motiv sei Rache dafür gewesen, dass sich Brunner in den Streit der Jugendlichen mit den Schülern einmischte. "Die Tritte und Schläge waren ursächlich für den Tod", unterstrich die Oberstaatsanwältin Barbara Stockinger erneut. Der Herzstillstand sei direkte Folge der Attacke gewesen. Die Anwälte der beiden mutmaßlichen Täter Sebastian L. und Markus S. bewerten den Mordvorwurf jedoch als kaum haltbar. Die Zeugenaussage des S-Bahn-Zugführers könnte nun die Argumentation der Verteidigung stützen, dass die Beschuldigten keine Mordabsicht verfolgten.
In diesem Zusammenhang rückte bereits die Herzerkrankung Brunners in den Mittelpunkt. Am Samstag war bekannt geworden, dass der 50-Jährige nicht direkt an den zugefügten Verletzungen, sondern an Herzversagen starb. Jedoch habe der Verstorbene nichts von dem Herzfehler gewusst, bekräftigte die Oberstaatsanwältin Stockinger gegenüber der "Süddeutschen Zeitung". Brunner litt demnach an einem vergrößertem Herzmuskel, habe aber "keine Medikamente eingenommen und - wie sein Umfeld auch - angenommen, dass er gesund ist", sagte sie weiter.
Laut Verteidigung spricht der Verlauf der Notfallversorgung dafür, dass der Zusammenbruch Brunners bei der Schlägerei durch die Herzschwäche ausgelöst wurde. Die Staatsanwaltschaft jedoch sieht die Schuld am Tod des Managers weiterhin bei den Angeklagten. Zuvor hatten die Anwälte kritisiert, die Staatsanwaltschaft habe Informationen zu Brunners Gesundheitszustand verschwiegen. Die Oberstaatsanwältin wies diesen Vorwurf zurück.
Dominik Brunner war am 12. September 2009 an den Folgen der Schlägerei gestorben. Er hatte sich schützend vor vier Schüler gestellt, von denen die Angeklagten Geld erpressen wollten. Die beiden müssen sich seit vergangener Woche wegen Mordes vor der Jugendkammer des Münchner Landgerichts verantworten.
Quelle: dapd , dpa
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