07.09.2010, 09:26 Uhr
Die beiden Verurteilten Sebastian L. und Markus S. (Foto: dpa) (Quelle: dpa)
Mit gesenkten Köpfen nehmen sie ihr Urteil entgegen. Neun Jahre und zehn Monate wegen Mordes für Markus S., sieben Jahre wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge für Sebastian L. - harte Strafen für die jungen Männer, die sich seit Juli vor dem Landgericht München I für den gewaltsamen Tod des Managers Dominik Brunner verantworten mussten.
Die beiden hätten aus Rache brutal zugeschlagen, weil Brunner ihren Pöbeleien und Drohungen entgegengetreten war, begründet der Vorsitzende Richter Reinhold Baier das Urteil der Jugendkammer. Die Täter hätten in der S-Bahn nach München-Solln "beschlossen, Brunner richtig abzustrafen".
"Beiden Angeklagten war bei ihrem überaus rücksichtslosen und erbarmungslosen Vorgehen klar, dass dies schwere Verletzungen hervorrufen und bei einem ungünstigen Verlauf auch tödliche Folgen haben könnte." Die Verteidigung will dennoch Revision einlegen.
Im Gerichtssaal sitzen die beiden jungen Burschen fast wie Musterschüler - artig gekämmt, ein langes dunkles Hemd verbirgt bei Markus S. die Tätowierungen. Minutenlang lassen sie das Blitzlichtgewitter der Fotografen über sich ergehen. Sebastian L. beißt sich kurz auf die Lippen, Markus S. bleibt dabei stehen, die Hände flach an den Körper gelegt. Fast auf den Tag genau vor einem Jahr, am 12. September 2009, war Brunner am S-Bahnhof Solln nach einer Schlägerei mit den beiden gestorben.
Für die Staatsanwaltschaft war der Fall klar: Brunner wurde Opfer zügelloser Gewalt, weil er sich einmischte und helfen wollte. Sein Handeln wurde zum Beispiel für Zivilcourage und Mut, er bekam posthum das Bundesverdienstkreuz. Die beiden Schläger: Jugendliche ohne Ausbildung, die mit Alkohol und Drogen in den Tag lebten. Auch der 12. September 2009 begann mit Wodka-Orange, Bier und dem Versuch, ein paar Euro für Drogen aufzutreiben.
"Er hörte nicht weg", charakterisierte Baier das Verhalten Brunners. Das sei für die Angeklagten ungewohnt gewesen. Es habe sie hochgradig geärgert, dass sie "von einem Wildfremden in ihre Schranken gewiesen wurden". Brunner habe zwar als erster zugeschlagen - das sei jedoch aus Notwehr geschehen, als die Angeklagten "mit breiten Schultern" und "geballten Fäusten" auf ihn zugekommen seien, betonte Baier.
Danach seien die jungen Männer massiv auf Brunner losgegangen. Markus S. steckte sich einen Schlüssel zwischen die Finger der Faust, um mit den Spitzen zuzuschlagen. Der 50-Jährige habe längst reglos am Boden gelegen, da "trat Markus S. kraftvoll und stampfend auf die rechte Stirnseite des Opfers ein" - so fest, dass die "Turnschuhsohle Abdrücke im Gesicht des Opfers hinterließ", sagte Baier. "Du Dreckschwein! Du Bastard!" schrien die Täter.
Brunner hatte bereits aus der S-Bahn heraus die Polizei alarmiert - er sei dabei stufenweise vorgegangen, sagte Baier. Trotz seiner Ermahnungen hätten sie weiter gedroht, die Schüler auszurauben, und Brunner dabei unter anderem als "Spasti" beleidigt. "Sie verhielten sich rüpelhaft und machten keine Anstalten, sich von ihrem Vorhaben abbringen zu lassen."
Zeugen hatten die Situation allerdings unterschiedlich gesehen. Während die einen in den Jugendlichen "Gangstertypen" mit "kaltem Blick" sahen, empfanden andere die Situation nicht als bedrohlich. Ein S-Bahn-Zugführer sah sogar in Brunner den Angreifer. Diese Aussage ließ Richter Baier nicht gelten.
Erst in der Hauptverhandlung war bekannt geworden, was die Obduktion Monate zuvor ergeben hatte: Brunner starb nicht an den 22 Verletzungen durch Schläge und Tritte. Zwar hätten laut Gutachter ein Tritt gegen den Kopf und ein weiterer gegen den Bauch lebensgefährlich sein können, die Folgen blieben aber glimpflich, keine einzige Verletzung wäre tödlich gewesen. Vielmehr erlitt Brunner infolge der Schlägerei einen Herzanfall - er war herzkrank, ohne es zu wissen.
Markus S. und Sebastian L. hatten stets beteuert, nie Brunners Tod Brunners gewollt zu haben. Es tue ihnen unendlich Leid, bekräftigen beide in ihrem Schlusswort. Markus S. allerdings benahm sich nicht danach. Während des Prozesses schrieb er Rap-Texte und malte - für Staatsanwaltschaft und Nebenklage ein Zeichen für sein Desinteresse.
"Ein von Reue und Schuldeingeständnis getragenes Geständnis konnte das Gericht nicht feststellen", sagte Richter Baier. "Sein Verhalten steht auf sittlich niedrigster Stufe. Wäre er erwachsen, hätte das Gericht eine lebenslange Freiheitsstrafe verhängen müssen."
Die Dominik-Brunner-Stiftung begrüßte das Prozess-Ende. "Wir sind froh, dass der Prozess beendet ist", erklärte Vorstand Peter Maier. Die vergangenen Monate seien für Familie und Freunde eine starke Belastung gewesen. Ob das Urteil angemessen sei, wollte die Stiftung nicht kommentieren - ihr Hauptaugenmerk liege nicht auf dem Strafmaß, sondern darauf, dass sich eine solche Tat nicht wiederhole.
Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) lobte Prozessführung und Urteil. "Es ist eine gerechte Strafe, wenn man davon ausgeht, dass das Jugendstrafrecht angewandt werden muss." Innenminister Joachim Herrmann (CSU) wertete das Urteil als klares Signal, dass Gewalt nicht geduldet werde. "Dominik Brunner hat in einer für die damaligen Opfer äußerst brisanten Lage unerschrocken geholfen und ist ein Vorbild für Zivilcourage." Der Richterspruch sei "hart und deshalb gut", sagte der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt.
Quelle: dapd , dpa
Rosalie schrieb:
am 6. September 2010 um 19:18:04
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Brunner
Jetzt wurden die zwei Haupttäter verurteilt, aber was ist mit denen, die einfach zugeschaut haben???Ich kenne den Bahnhof sehr gut
und da gibt es zig Mögllichkeiten, die Bahnsteige, ohne Gefahr, zu wechseln. Ich finde, diesen perversen Gaffern gehört auch der Prozess gemacht, sie sollten sich genau so schuldig fühlen wie die Mörder.
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Ingo schrieb:
am 6. September 2010 um 19:14:41
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Urteil
Für Steuerhinterziehung bekommt man vermutlich mehr! Echt ein Witz!
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Politbüro schrieb:
am 6. September 2010 um 19:14:36
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Brunner
In was für einem Land leben wir eigentlich,wo Schwerstverbrecher noch belohnt werden????????
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