02.08.2010, 22:12 Uhr
Der Angeklagte Sebastian L. schilderte vor Gericht seine Suchtkarriere (Foto: dpa)
Im Prozess um den Mord an dem Manager Dominik Brunner hat der Angeklagte Sebastian L. vor dem Landgericht München seine schwierige Jugend und sehr frühe Suchtlaufbahn geschildert. Dem zweiten Angeklagten, Markus S., bescheinigte ein Psychologe eine mangelnde Reife.
Mit zehn Jahren habe er zu rauchen begonnen, mit elf habe er Bier getrunken und Marihuana geraucht, berichtete Sebastian L. vor Gericht. Die Mengen hätten sich gesteigert. Im Alter von 13 oder 14 Jahren habe er erstmals Kokain probiert. Mit 16 Jahren habe er Kokain regelmäßig konsumiert. Da es wegen des Konsums Streit mit seiner damaligen Freundin gab, habe er aufgehört, sei aber nach einem halben Jahr wieder rückfällig geworden.
Nachdem seine Mutter zum Pflegefall geworden und sein Vater gestorben war, habe er seine Jugend in verschiedenen Heimen verbracht, berichtete der Angeklagte. Vom Richter zu seinen Zukunftsplänen gefragt, sagte Sebastian L., er wolle während der Haftzeit eine Ausbildung zum Maler machen. Er habe sich bereits dazu angemeldet, seinen Hauptschulabschluss nachzumachen. "Es tut mir auf jeden Fall wahnsinnig leid. Wenn ich könnte, würde ich es rückgängig machen", wiederholte er sein zu Prozessbeginn geäußertes Bedauern über die Tat.
Eine eingeschränkte Steuerungsfähigkeit sieht der psychologische Gutachter Günther Lauber bei Sebastian L. nicht. "Die Verantwortungsreife ist sicherlich gegeben." Der Angeklagte erlebe sich oft als unterlegen, könne sich schlecht an Normen halten. Der Psychologe stellte eine depressive Stimmung fest, jedoch keine depressive Störung. "Er neigt zu unbeherrschten Reaktionen, vor allem wenn es zu Konflikten kommt", zitierte Lauber die Selbsteinschätzung des 18-Jährigen, der "ein kräftiges Aggressionspotenzial" habe. Da er bei der Tat erst 17 Jahre alt war, wird für ihn Jugendrecht angewendet.
Der zweite Angeklagte, der 19-jährige Markus S., habe hingegen eine dissoziale Persönlichkeit, sagte Lauber. "Trotz günstiger Sozialisationsbedingungen hat sich diese Fehlentwicklung ergeben", sagte der Gutachter mit Blick auf die geordneten Familienverhältnisse des Angeklagten.
Der 19-Jährige kam über den älteren Bruder zu Drogen und in eine entsprechende kriminelle Szene. Er will nun ebenfalls eine Ausbildung im Gefängnis machen. Bei Markus S., der zur Tatzeit 18 Jahre alt war, kann das Gericht je nach persönlicher Reife entscheiden, ob es Jugend- oder Erwachsenenstrafrecht anwendet.
Sebastian L. und Markus S. müssen sich wegen Mordes an Brunner verantworten. Der 50-Jährige war am 12. September vergangenen Jahres nach Schlägen und Tritten auf einem Münchener S- Bahnhof gestorben. Brunner hatte vier Schüler vor den Angeklagten schützen wollen.
Quelle: dpa , ddp
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