12.08.2010, 12:11 Uhr
Kampf gegen die Waldbrände in Russland (Foto: dpa)
Angesichts der verheerenden Waldbrände in Russland befürchten die Behörden, dass in Gebieten, die bei der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor knapp 25 Jahren verstrahlt wurden, radioaktive Stoffe freigesetzt werden könnten. "Wir kontrollieren sorgfältig die Situation in der Region Brjansk, besonders im Süden im Distrikt Nowosybkow, der infolge der Tschernobyl-Katastrophe schwer verunreinigt wurde", sagte Katastrophenschutzminister Sergej Schoigu.
"Wenn dort ein Feuer ausbricht, könnten mit dem Rauch radioaktive Partikel emporsteigen", sagte Schoigu. Die Region Brjansk, die im Westen Russlands an die Ukraine und Weißrussland grenzt, wurde im April 1986 durch die radioaktive Wolke aus dem Atommeiler Tschernobyl erheblich verseucht. Die Explosion des Reaktors ist bis heute die größte Reaktorkatastrophe der Geschichte. Dabei wurden große Teile Europas, vor allem aber die damaligen Sowjetrepubliken Ukraine, Weißrussland und Russland verstrahlt.
Die Zahl der Toten durch die Feuersbrunst ist mittlerweile um zwei auf 50 gestiegen. Russische Hilfsorganisationen gehen jedoch davon aus, dass es weit mehr Opfer gibt. Hunderte wurden verletzt, Tausende sind obdachlos. Verzweifelt kämpfen Hunderttausende Rettungskräfte gegen die gewaltige Feuersbrunst an - zugleich wächst die Kritik an der politischen Führung. Eine Entspannung der Lage ist derzeit nicht in Sicht. Es gibt weiter keinen Regen in der größten Gluthitze seit mehr als 130 Jahren. Die Temperaturen sollen am Freitag vielerorts auf über 40 Grad steigen.
"Das Ausmaß dieser Katastrophe zeigt den Zusammenbruch der Regierung", sagte Kommunisten-Chef Gennadi Sjuganow der Agentur Interfax. Er kritisierte vor allem das Waldgesetz, das der damalige Präsident und heutige Regierungschef Wladimir Putin 2007 erlassen hatte. Demnach sind Pächter oder örtliche Verwaltungen für die Brandvorsorge verantwortlich und nicht wie früher die Forstverwaltung.
Nach Augenzeugenberichten breiten sich die Flammen im ganzen Land wegen starken Windes oft mit rasanter Geschwindigkeit aus. Am Donnerstag waren etwa 850 Wald- und Torfbrände registriert, teilte das Zivilschutzministerium mit. Landesweit wurden Dörfer evakuiert. In der Umgebung des atomaren Forschungszentrums in Sarow rund 400 Kilometer östlich der russischen Hauptstadt verhinderten zahlreiche Helfer ein Vordringen der Flammen.
Wegen der schweren Dürre und der verheerenden landesweiten Brände, die schon einen erheblichen Teil der Ernte zerstört haben, stoppt Russland vom 15. August an seinen Getreideexport. Die Regelung gelte bis 31. Dezember, sagte Regierungssprecher Dmitri Peskow. Zuvor hatte Regierungschef Wladimir Putin ein zeitweiliges Exportverbot befürwortet - auch für Produkte aus Getreide. Russland wollte in diesem Jahr 15 Millionen Tonnen exportieren.
Quelle: dpa , AFP
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Die Regierung warnt, dass die Feuer radioaktive Verstrahlungen freisetzten können. zum Video