Prozess in BonnGeplanter Amoklauf wäre fast zur Katastrophe gewordenErschienen am 11. August 2009 | aktualisiert am 11. August 2009
Sie war mit zehn Molotow-Cocktails und einem Schwert bewaffnet und zum Töten entschlossen: Der geplante Amoklauf einer 16 Jahre alten Schülerin hätte an einem Gymnasium bei Bonn zu einer Katastrophe führen können. Drei Monate nach dem vorbereiteten Anschlag auf das Leben ihrer Mitschüler und Lehrer erhob die Bonner Staatsanwaltschaft jetzt Anklage gegen sie.Die Jugendliche hatte im Mai die Molotow-Cocktails in ihrem Rucksack mit zu ihrem Gymnasium in Sankt Augustin genommen. Ihre Pläne wurden im letzten Augenblick durchkreuzt, als eine 17-jährige Mitschülerin die zu der Tat entschlossene Jugendliche überraschte. Das Mädchen wurde von der 16-Jährigen mit einem Schwert verletzt.
Angeklagte legte Geständnis abIhr werden versuchter Mord, gefährliche Körperverletzung, Vorbereitung einer Sprengstoffexplosion und Verstoß gegen das Waffengesetz vorgeworfen, wie Staatsanwältin Monika Volkhausen in Bonn sagte. "Die Angeklagte hat ein umfassendes Geständnis abgelegt." Sie sei noch in der Jugendpsychiatrie untergebracht. Nachdem sie ihren Amokplan aufgegeben hatte, habe sie noch in der Schule einen Selbstmordversuch mit einer mitgeführten Schreckschusspistole unternommen.Einser-Schülerin mit persönlichen ProblemenAls Hauptmotiv sind persönliche Schwierigkeiten mit ihrem Umfeld wahrscheinlich. Anders als Täter in anderen Amok-Fällen war die Einser-Schülerin aber nicht besessen von Gewaltspielen am Computer. Sie habe offensichtlich massive Probleme mit Mitschülern, Lehrern und ihren Eltern gehabt, erläuterte Volkhausen.Vor der Tat verfasste sie offenbar TexteDie Ermittlungen hätten keine Anhaltspunkte dafür ergeben, dass die 16-Jährige extensiv Computerspiele gespielt habe oder solche Spiele maßgeblich für die Tatmotivation gewesen sein könnten. Es habe auch von ihr vor der Tat "verfasste Schriftstücke" gegeben. Nähere Angaben dazu - etwa ob es sich dabei um einen Abschiedsbrief handele - wolle sie aus Jugendschutzgründen nicht machen, sagte Volkhausen.Die Klassenzimmer sollten brennenNach Darstellung der Staatsanwaltschaft hatte die 16-Jährige ihre geplante Tat gut vorbereitet, als sie am 11. Mai etwa eine Stunde nach Schulbeginn am Albert-Einstein-Gymnasium auftauchte. "Ihr Tatplan sah vor, zunächst einen Lehrer mittels eines mitgeführten Kurzschwertes niederzustechen und ihm die Schlüssel für die Klassenräume zu entwenden. Danach wollte sie Klassenzimmer durch selbst gebaute Molotow-Cocktails in Brand setzen und die Türen von außen verschließen."Auf der Toilette wird sie von einer Mitschülerin überraschtDie 16-Jährige wurde jedoch bei der Vorbereitung von einer Mitschülerin überrascht, als sie sich gerade in der Toilette maskieren wollte. Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft versuchte die Angeklagte, ihre Mitschülerin mit einer Schwertattacke in den Bauch zu töten. Das Opfer konnte den Angriff jedoch abwehren und erlitt schwere Verletzungen an Händen und Armen.Warndurchsage bringt die 16-Jährige von ihren Plänen abZufällig kam ein Lehrer hinzu, wodurch die Angreiferin abgelenkt wurde. Er und die verletzte Schülerin konnten flüchten. Der Lehrer veranlasste sofort eine Warndurchsage über die Schullautsprecher. Alle Schüler sollten sich in die Klassenräume begeben und die Türen von innen verschließen. "Die Angeschuldigte sah dadurch ihren Tatplan vereitelt und ließ von der weiteren Ausführung ab", sagte Volkhausen.Flucht nach einem SelbstmordversuchNach dem Selbsttötungsversuch flüchtete die 16-Jährige. Am Abend stellte sie sich dann im Kölner Hauptbahnhof der Polizei. Die Schülerin sei jugendpsychiatrisch begutachtet worden, sagte Volkhausen. An der strafrechtlichen Verantwortlichkeit zum Tatzeitpunkt werde demnach nicht gezweifelt, heißt es. Der Prozess soll vor der Jugendkammer des Landgerichts Bonn stattfinden.
Quelle: dpa | Speichern Sie diesen Artikel bei:
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