Startseite Jetzt online bestellen und 10% Rabatt sichern

Sie sind hier: Home > Nachrichten > Deutschland > Gesellschaft >

BND vernichtete Personalakten früherer SS-Leute

...

BND vernichtete Personalakten früherer SS-Leute

29.11.2011, 19:19 Uhr | Von Klaus Wiegrefe

Reinhard Gehlen, Gründer und erster Chef des BND, im Jahr 1977: Unter ihm arbeiteten viele ehemalige SS- und Gestapo-Leute (Quelle: imago)

Reinhard Gehlen, Gründer und erster Chef des BND, im Jahr 1977: Unter ihm arbeiteten viele ehemalige SS- und Gestapo-Leute (Quelle: imago)

Dem Bundesnachrichtendienst steht ein Skandal ins Haus. Historiker haben entdeckt, dass der Dienst 2007 Personalakten von Mitarbeitern vernichtet hat, die einst SS und Gestapo angehörten. Nun drängt sich ein Verdacht auf: Torpedieren BND-Leute die Politik ihres Chefs?

Für den Ausstand von BND-Präsident Ernst Uhrlau (SPD) am Mittwoch kommender Woche ist alles vorbereitet. Das Kanzleramt hat in das feine Humboldt Carée in der Berliner Behrenstraße eingeladen, sogar Kanzlerin Angela Merkel wird erwartet. Hanseat Uhrlau feiert an diesem 7. Dezember seinen 65. Geburtstag und soll in den Ruhestand verabschiedet werden; Nachfolger Gerhard Schindler (FDP) übernimmt dann die Amtsgeschäfte.

Bei solchen Anlässen wird gerne auf die Erfolge des angehenden Pensionärs zurückgeblickt. Im Falle Uhrlaus steht ganz oben auf der Liste, dass er die überfällige Aufarbeitung der Gründungsgeschichte des BND angestoßen hat; schließlich ist seit langem bekannt, dass ungefähr jeder zehnte Mitarbeiter des BND und seiner Vorläuferorganisation einst im Reich von SS-Chef Heinrich Himmler gedient hatte. Uhrlau setzte daher 2011 eine unabhängige Historikerkommission ein, um die braunen Wurzeln des Dienstes aufzuklären.

Eine Woche vor Uhrlaus Verabschiedung hat nun ausgerechnet diese Kommission einen Geschichtsskandal aufgedeckt. Denn die Wissenschaftler Jost Dülffer (Köln), Klaus-Dietmar Henke (Dresden), Wolfgang Krieger (Marburg) und Rolf-Dieter Müller (Potsdam) haben herausgefunden, dass der BND 2007 die Personalakten von etwa 250 hauptamtlichen Mitarbeitern vernichtet hat. Der Dienst bestätigt das.

Unter den entsorgten Unterlagen befinden sich nach Angaben der Kommission auch die Papiere von Personen, die während der NS-Zeit "in signifikanten geheimdienstlichen Positionen, in der SS, dem SD oder der Gestapo tätig gewesen sind"; gegen einige sei sogar nach 1945 wegen NS-Verbrechen ermittelt worden. Er sei über den Vorgang "einigermaßen fassungslos", erklärte Kommissionssprecher Henke gegenüber SPIEGEL ONLINE.

Gezielte Behinderung bei der Aufklärung?

In der Tat steht damit der Verdacht im Raum, dass BND-Mitarbeiter gezielt den Aufklärungskurs der Spitze des Geheimdienstes behindern. Zum Zeitpunkt der Aktenvernichtung war zwar die Historikerkommission noch nicht bestellt, wohl aber hatte Uhrlau bekanntgemacht, dass er die Aufarbeitung der braunen Wurzeln des Dienstes plane. Und es ist kein Geheimnis, dass Uhrlaus Geschichtsprojekt von manchen BND-Mitarbeitern ungern gesehen wird. Einige wehren sich grundsätzlich dagegen, dass der Geheimdienst Einblick in seine Vergangenheit gewährt. Andere fürchten um den Ruf der eigenen Familie - der BND hat viele Jahre neue Mitarbeiter aus dem Kreis der Verwandten schon vorhandener BND-Kräfte rekrutiert.

Für die Kooperation mit der Historikerkommission ist im BND die sogenannte "Forschungs- und Arbeitsgruppe Geschichte" unter Bodo Hechelhammer zuständig. Sie versucht derzeit, die Umstände der Aktenvernichtung aufzuhellen. Hechelhammer zählt zu den Aufklärern im Dienst. Gegenüber SPIEGEL ONLINE erklärte er, er bedauere den Verlust der Unterlagen.

Schon in der Vergangenheit ist es immer wieder zu dubiosen Vorfällen im BND-Archiv gekommen. Als der SPIEGEL kürzlich Einsicht in BND-Unterlagen über den ehemaligen SS-Hauptsturmführer Alois Brunner beantragte, einst engster Mitarbeiter des Holocaust-Organisators Adolf Eichmann, erklärte der Dienst, dass die 581 Seiten umfassenden Akten in den neunziger Jahren entsorgt worden seien. Auch diese Vernichtungsaktion scheint hinter dem Rücken der BND-Spitze erfolgt zu sein.

Die Historikerkommission verlangt nun vom BND, vor jeder weiteren Vernichtung von "historisch potentiell wertvollen Akten" gehört zu werden, und besteht darauf, dass die Kassation von 2007 vollständig aufgeklärt werde. Kommissionsprecher Henke sieht darin "einen Prüfstein dafür, wie ernst es der BND mit der Aufarbeitung seiner Vergangenheit wirklich meint".


Anzeige

Quelle: Spiegel Online

Inhalt versenden Versenden
Leserbrief An die Redaktion
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus.
Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Diese Mail an
mailing-ifrarr
Artikel versenden
Empfänger
Absender
Name
Name
E-Mail
E-Mail
Nachricht
 

"BND vernichtete Personalakten früherer SS-Leute" verlinken

Verlinken Sie uns, wenn Ihnen der Artikel "BND vernichtete Personalakten früherer SS-Leute" gefallen hat.

 
schließen

Kommentare (38)

zum Forum

Thema: "BND vernichtete Personalakten früherer SS-Leute"

Martello schrieb: am 29. November 2011 um 21:36:36
(346) (279) BND
Das war schon überfällig das der Mist mit der selbstzerstörung der Deutschen aufhört.Immer noch nach fast 70 Jahre dieses
Kaspertheater um Kriegsoffiziere.Während in jeden anderen Land die Orden nur so blitzen.Wo waren denn alle unsee POlitiker im Krieg?? Schäuble,Kohl,etc alles nur Hj Kinder einfach zum lachen.Verbrennt den Rest auch damit dieser Quatsch endlich aufhört nach unseren Schuldgefühlen aufzu rütteln.
mehr Kommentar melden

Justin schrieb: am 29. November 2011 um 21:34:31
(257) (34) Pack schlägt sich und verträgt sich
Wenn alles publick würde, was der BND schon entsorgt hat bzw. an Gefälligkeitsdiensten geleistet hat,
müssten einige wohlbesoldete Beamten um ihre Pensionen fürchten. Der BND ist eine Institution im Staat, der die vorgesetzten Behörden gerne im Ungewissen lässt: Was ich nicht weis. Die Rechenschaftsberichte sind meistens so abgefasst, nach der Devise sowohl als auch, frei interpretierbar - für den Leser, wie er es denn gerne hätte. Mit Speck fängt man Mäuse und darin ist man ja geübt
mehr Kommentar melden

Franz schrieb: am 29. November 2011 um 21:34:31
(157) (48) @Vurguzz
"Ein Skandal der außer für die Linken keiner ist." Das ist jetzt nicht Ihr Ernst, oder? Unfassbar!

Kommentar melden

alle Kommentare
Seite:

Kommentar schreiben

Name
Betreff
Kommentar: (Maximal 500 Zeichen)

Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Haken

Vielen Dank. Ihr Kommentar wurde versendet!

Kommentar schreiben



Zu diesem Artikel/Thema können keine weiteren Kommentare mehr abgegeben werden.

Kommentar melden

Sie sind der Meinung, dass dieser Kommentar anstößige Inhalte enthält.

 

Haken

Vielen Dank! Ihr Hinweis wurde von der Redaktion entgegengenommen.
mailing-ifrarr

Anzeige
Video
Politikerin posiert nackt auf Wahlplakat

Die Mexikanerin Natalia Juarez will mit dem Plakat aufrütteln. zum Video

Augenblicke
Fotos des Tages
 Bei den 65. Filmfestspielen im südfranzösischen Cannes stellt eine Schlangenfrau auf dem roten Teppich ihre Biegsamkeit zur Schau. (Quelle: AFP\Anne-Christine Poujoulat)

Eine Schlangenfrau verbiegt sich auf dem Roten Teppich. mehr

Aus dem All
Satellitenbild der Woche

Wie Außerirdische die Erde sehen würden. zur Foto-Serie

Shorts & Bermudas
Trend-Styles von Esprit

Welche Kurzge-schichte gefällt Ihnen besser? mehr

Ulla Popken-Mode
Die neue Kollektion ist da! - von Ulla Popken

Die neue Kollektion ist da. Jetzt bestellen!
von Ulla Popken


© Deutsche Telekom AG 2012

Anzeige