05.01.2008, 16:59 Uhr
Gefährlicher Drogenkonsum: In Leipzig haben sich viele Kiffer mit Blei vergiftet (Quelle: ddp)Erst ist es nur eine junge Leipzigerin die mit schwerer Bleivergiftung in das Krankenhaus eingeliefert wird, dann folgt ein Paar mit der gleichen Diagnose. Die Ursache bleibt erst unbekannt, doch dann findet das Gesundheitsamt eine Gemeinsamkeit heraus: Alle kiffen regelmäßig, die Drogen müssen kontaminiert sein. Mittlerweile haben sich viele Leipziger freiwillig untersuchen lassen, 130 Personen sind mit Blei vergiftet.
HintergrundAnzeichen einer Bleivergiftung
"Vorsicht! Gepanschte Drogen"
Anfang November gibt die Leipziger Polizei die erste Warnmeldung heraus: "Vorsicht! Gepanschte Drogen (Marihuana) im Umlauf". Um das Marihuana schwerer zu machen, wurde es mit Blei zugesetzt. Denn die Droge wird nach Gewicht verkauft und Blei hat ein besonders hohes spezifisches Gewicht. Doch so schwer es ist, so giftig ist es auch. Es setzt sich im Körper in allen Zellen ab, vor allem in den Knochen. Die geben das Schwermetall dann jahrzehntelang langsam ins Blut und in die Weichteile ab.
Freiwillige Untersuchungen
Die Stadt reagiert mit freiwilligen Untersuchungen. So können Betroffene gegen eine Gebühr ihr Blut untersuchen lassen, das Ergebnis bleibt anonym. Die Kiffer sind alarmiert, noch heute kommen ständig Konsumenten zum Test ins Gesundheitsamt, manchmal 20 pro Tag. Fast die Hälfte der Blutproben ist kontaminiert.
"Neue Dimension der Gesundheitsgefährdung"
Glücklicherweise sind die Vergiftungen bislang nur im Raum Leipzig aufgetreten. Aus anderen Städten gibt es noch keine Fälle von Blei im Marihuana. Dort wird weiterhin mit den üblichen und trotzdem bizarren Mitteln gestreckt, wie Talkum, Sand und Flüssigplastik. "Ich weise bereits seit einiger Zeit auf mögliche Verunreinigungen von Cannabis hin", sagt die Bundes-Drogenbeauftragte Sabine Bätzing, doch "die aktuellen Fälle von mit Blei verunreinigtem Cannabis in Leipzig stellen eine neue Dimension der Gesundheitsgefährdung beim Konsum von Cannabis dar."
Akute Bauchschmerzen - blasse Hautfarbe
Die Vergiftung ist nicht gleich zu spüren, doch irgendwann treten akute Bauchschmerzen, blasse Hautfarbe und ähnliche Symptome zu Tage. Die Therapie kann dabei lange dauern, in Einzelfällen sogar über Jahre. Denn Blei ist nicht wasserlöslich und gelangt nur mit speziellen Medikamenten langsam aus dem Körper.
"Wir wollen die Hintermänner"
Das Landeskriminalamt in Dresden lässt derzeit alles sichergestelltes Gras der vergangenen Monate untersuchen. Die Polizei hofft auf Betroffene. "Wir wollen keine Konsumentenjagd, wir wollen die Hintermänner", sagt der Leiter des Rauschgiftsdezernats, Rainer Bock, gegenüber der "Taz". Die alarmierten User können ihr Marihuana auch selbst gegen eine Gebühr in der Apotheke testen. Die Ergebnisse werden anonym behandelt.
"Es sollen schon Dealer verprügelt worden sein"
Gefunden wurde bei zwei Proben Bleisulfid, 80 Milligramm pro Gramm Marihuana. Wer so etwas tut, dem sind die Kiffer egal oder er will ihnen sogar schaden. Marko Riegel, Mitarbeiter vom Leipziger Drogenaufklärungsverein Drug Scouts, berichtet der "Taz", wie die Szene sich durch das Gift verändert. "Vorher herrschte in der Szene ein Vertrauensverhältnis. Jetzt ist alles kaputt. Es sollen schon Dealer verprügelt worden sein. Viele von denen kiffen doch selbst."
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