09.12.2010, 08:51 Uhr
Blauwale nehmen mit einem Schluck 480.000 Kilokalorien auf (Foto: dpa)
Das nennt man eine effektive Energiebilanz: Wenn Blauwale Krill filtern, schlucken sie pro Maul bis zu 480.000 Kilokalorien. Bei jedem Tauchgang sammeln sie damit 90 Mal mehr Energie als sie verbrauchen, wie kanadische Forscher im "Journal of Experimental Biology" berechnen.
Mit einer Länge von etwa 30 Metern und einer Masse bis zu 200 Tonnen ist der Blauwal das größte Tier, das je auf der Erde lebte. Im Gegensatz zu den kleineren Pottwalen, die weit über eine Stunde unter Wasser bleiben, tauchen die Walriesen aber kaum länger als 15 Minuten. Auf diesen Tauchgängen schlürfen sie sich gerade in den antarktischen Gewässern durch die dort reichlich vorhandenen Schwärme von Kleinkrebsen. Von diesem extrem nahrhaften Krill verleiben sich Blauwale pro Tauchgang bis zu sechs Happen ein.
Die Energiebilanz dieses Mahls kalkulierte ein Forscherteam um den Meeresbiologen Bob Shadwick von der Universität von British Columbia. Sie maßen die Tauchgeschwindigkeit der Wale und berechneten das Volumen des etwa sechs Meter langen Mauls, das sich beim Umschließen des Krills ausdehnt wie eine Ziehharmonika. Schließlich ermittelten sie die in den Gewässern enthaltene Krebsdichte.
Resultat: Mit jeder Vorwärtsbewegung verbrauchen Blauwale maximal 2000 Kilokalorien. Aber pro Maulfüllung Krill erbeuten sie bis zu 480.000 Kilokalorien - also die 240-fache Menge. Berücksichtigten die Forscher den Aufwand für den gesamten Tauchvorgang, übertraf die Energieausbeute den Verbrauch noch immer um das 90-fache. "Wir haben die Zahlen mehrmals geprüft", sagt Shadwick. "Aber mit einem derart großen Volumen können die Wale so viel Nahrung verschlingen, dass es sich wirklich lohnt."
Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Wale für das Schwimmen unter Wasser diese große Energiemenge benötigen, wenn sie die gigantischen Mengen an krillhaltigem Wasser einsaugen und sich dabei vorwärtsbewegen. Dabei wirkt das weit geöffnete Maul wie ein Fallschirm - es erhöht den Widerstand, den die Meeressäuger beim Schwimmen überwinden müssen. Vermutlich sei das die Ursache für den hohen Energiebedarf bei den Beutezügen.
Quelle: dapd
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