17.03.2010, 10:50 Uhr | dpa/apn
Kirchliche Prozession in Bottrop (Foto: dpa)
Der Trierer Bischof Stephan Ackermann hat die katholische Kirche im Missbrauchsskandal scharf kritisiert. Sie habe durch falsche Rücksichtnahmen verhindert, dass die Fälle von sexuellem Missbrauch wesentlich früher aufgeklärt wurden, sagte Ackermann der "Rhein-Zeitung". "Da wo kein wirklicher Aufklärungswille vorhanden war und Täter einfach nur versetzt wurden, müssen wir in einer ganzen Reihe von Fällen gestehen, dass vertuscht worden ist." Ackermann ist der Beauftragte der katholischen Kirche zur Aufklärung von sexuellem Missbrauch.
Die Schuldfrage sieht der Bischof dabei weniger bei der Kirche als Institution, sondern bei den Tätern und deren Vorgesetzten. Diese seien ihrer Verantwortung nicht gerecht geworden. Zugleich verteidigte Ackermann den Papst gegen die Kritik, bislang kein klares Wort zu den Missbrauchsfällen gefunden zu haben. "Man tut dem Papst Unrecht, wenn man den Eindruck erweckt, er wäre in dieser Frage nicht klar." Der Papst habe nach dem Gespräch mit dem Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, diesen in dem eingeschlagenen Weg der Aufklärung bestärkt.
Nach Ansicht des Kommissariats der deutschen Bischöfe will sich Papst Benedikt XVI. noch in dieser Woche an die Opfer von sexuellem Missbrauch durch katholische Geistliche in Deutschland wenden. Prälat Karl Jüsten sagte im ARD-"Morgenmagazin": "Es ist angekündigt, dass er sich in dieser Woche zu Irland äußern möchte, und es ist sicher nicht auszuschließen, dass er auch die Situation in Deutschland anspricht. Es ist ja sein Heimatland. Mit einer Stellungnahme ist sicher in dieser Woche zu rechnen." In Irland ist kirchlicher Kindesmissbrauch schon seit Jahren ein Thema.
In dem Interview mit der "Rhein-Zeitung" gab sich Ackermann zuversichtlich, dass die Missbrauchsfälle nun zügig aufgearbeitet würden. "Wir werden in diesem Jahr unsere Leitlinien überarbeitet und die Entschädigung geklärt haben." Neben einer finanziellen Unterstützung der Opfer muss aus seiner Sicht die Anerkennung des Unrechts diesen Menschen auch gerecht werden. "Wir wollen uns nicht durch bestimmte Summen freikaufen."
Unterdessen wurde bekannt, dass die Bundesregierung offenbar doch nur zu einem Runden Tisch zum Thema Missbrauch einladen will. Bislang waren zwei getrennten Runde Tische geplant - einer der Familien- und Bildungsministerinnen Kristina Schröder und Annette Schavan (beide CDU) und einen von Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP). Der Zeitung zufolge sollen bei dem Treffen Prävention, Aufklärung, Opferentschädigung und rechtspolitische Konsequenzen beraten werden.
In Deutschland kommen unterdessen immer mehr Fälle von Kindesmissbrauch in kirchlichen Einrichtungen ans Tageslicht. Beim Bistum Mainz meldeten sich bis Dienstag insgesamt 15 ehemalige Schüler des katholischen Konvikts im südhessischen Bensheim als Opfer. Auch die evangelische Kirche in Hessen und Rheinland-Pfalz ist betroffen. Angesichts der vielen Fälle will die katholische Kirche am 30. März eine Hotline einrichten, bei der sich Opfer und Täter melden können. Der Mainzer Bistumssprecher Alexander Matschak sagte, von den 15 Schülern seien drei nach eigenen Angaben Opfer sexuellen Missbrauchs geworden. Zwölf weitere seien durch Schläge misshandelt worden.
Eine Abschaffung des Zölibats als Reaktion auf die Missbrauchsfälle hält Bischof Ackermann jedoch für nicht förderlich. "Eine sexuelle Störung liegt früher fest. Sie wird nicht durch ein Versprechen ausgelöst, das ein erwachsener Mann ablegt." Dennoch sieht Ackermann der Zeitung zufolge in der Ehelosigkeit katholischer Priester auch keinen dogmatischen Glaubenssatz.
dpa/apn
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