Bin Ladens Halbbruder will Pilgerfahrt erleichtern
02.05.2008, 09:52 Uhr
Bab al-Mandeb: der Ort der geplanten Brücke (Karte: Google Earth/Nasa)Moses führte einst sein Volk durch das Rote Meer, indem er die Fluten teilte. Rund 3000 Jahre später will Tarek bin Laden nun vor allem Muslime über das Meer führen - indem er eine Brücke darüber baut. Die längste Hängebrücke der Welt ist ein Projekt wahrhaft biblischen Ausmaßes. Es ist das Projekt des Halbbruders des berüchtigten Terroristenführers Osama bin Laden.
Brücke über das "Tor der Tränen"
Die Idee ist so genial wie gigantisch: eine Brücke, die Afrika und die arabische Halbinsel miteinander verbindet. Millionen afrikanischer Moslems könnten so jedes Jahr auf direktem Wege in die Pilgerstadt Mekka gelangen. Statt umständlich über die Sinai-Halbinsel im Norden zu reisen, würden sie in Dschibuti auf der afrikanischen Westseite des Roten Meeres starten und über die Brücke zunächst in den Jemen an der Ostküste fahren, um von dort aus zur Heiligen Stätte in Saudi Arabien weiter zu pilgern. "Bab al-Mandeb" - Tor der Tränen - heißt die Meerenge zwischen Afrika und dem Jemen, die die Brücke überspannen soll.
Sollte das Projekt gelingen, wäre es ein Meilenstein der Bau- und Verkehrsgeschichte - vergleichbar mit dem Suezkanal nördlich des Roten Meeres, dem Eurotunnel unter dem Ärmelkanal oder dem Panama-Kanal in Südamerika. Insgesamt 28,5 Kilometer lang soll die Brücke werden - und sehr breit: Sechs Autobahnspuren sind geplant sowie vier Bahngleise. Die Kosten werden auf 14 Milliarden Euro geschätzt, die Bauzeit auf zehn Jahre, rund 100.000 Arbeitsplätze würden geschaffen.
Bin Laden plant Städte im Meer
Doch auf die Brücke allein will sich Tarek bin Laden, einer der reichsten Geschäftsmänner Saudi-Arabiens, nicht beschränken. Mittendrin, auf der Insel Perim, ist ein Zwischenstopp geplant. An beiden Enden will der Bauunternehmer neue Städte aus dem Boden stampfen. Eine von beiden, die "Stadt des Lichts", soll mit einer Fläche von 600 Quadratkilometern - der sechsfachen Größe von Paris - zum Knotenpunkt für Händler, Geschäftsreisende und Touristen werden.
Mit dem Bus von Afrika nach Mekka
Für sein Vorhaben hat Tarek bin Laden kräftig Lobbyarbeit bei den Regierungen in Dschibuti und im Jemen betrieben. Der dschibutische Ministerpräsident Dileita Mohammed Dileita betont, seine Regierung sei nicht direkt am Bau beteiligt. Stattdessen seien bereits jemenitische, französische und US-Firmen eingebunden worden. Und doch ist Dileita ganz offensichtlich angetan von der Brücke: "Der große Vorteil wäre, dass Millionen von afrikanischen Muslimen einfach mit dem Zug oder im Bus nach Mekka reisen könnten", sagt er. Sein Generalsekretär im Ministerium für Verkehr und Städteplanung, Abubakar Duale Waiss, macht ebenfalls mehr Vor- als Nachteile aus.
Tektonische Verschiebungen einkalkulieren
Doch einige Probleme gibt es bei dem Mammutprojekt. So spannt sich die Brücke über ein äußerst aktives Erdbebengebiet. Ein lösbares Problem, wie Waiss aus dem dschibutischen Verkehrsministerium findet. Tektonische Plattenverschiebungen träten ja nicht unerwartet auf, sagt er. "In der Regel sind sie vorhersehbar, also müssen die Architekten einfach Pläne entwerfen, die diese Bewegungen einkalkulieren."
Was wird aus Dschibuti?
Ein echtes Dilemma für Dschibuti ist, dass die Brücke dem eigenen großen Handelshafen Konkurrenz machen wird. Derzeit werden von hier aus mehr als 120.000 Fahrzeuge pro Jahr verschifft. Doch auch hier überwiegt bei der Regierung der Optimismus: "Die Brücke und der Hafen ergänzen sich", beteuert Ministeriumsvertreter Waiss. "In den Regionen hinter Dschibuti leben so viele Menschen - 80 Millionen allein in Äthiopien -, der Verkehr wird einfach zunehmen."