09.05.2011, 11:04 Uhr | Can Merey
Aufgebrachte Pakistaner verbrennen nach der Bin-Laden-Tötung eine US-Flagge (Foto: Reuters) (Quelle: Reuters)
Ständige Terrorangriffe und Konflikte mit den Nachbarn, eine desolate Wirtschaftslage und eine ebenso unpopuläre wie ineffektive Regierung - bereits vor der Eliminierung von Osama bin Laden durch US-Truppen in Pakistan war die Lage im Land alles andere als rosig. Dass der Al-Kaida-Chef nun in Abbottabad - in der Nachbarschaft der übermächtigen Armee - aufgespürt wurde, hat die Atommacht in eine neue schwere Krise gestürzt. Ein westlicher Diplomat meint: "Das ist ein GAU für dieses Land."
Die von der eigenmächtigen US-Operation überrumpelte Regierung in Islamabad gerät innenpolitisch immer stärker unter Beschuss. In kaum einem Land sind die USA verhasster als in Pakistan. Selbst aus der eigenen Volkspartei PPP gibt es Rücktrittsforderungen an Präsident Asif Ali Zardari und Premierminister Yousuf Raza Gilani. Ex-Außenminister Shah Mehmood Qureshi warf dem Staats- und dem Regierungschef vor, sie könnten Land und Volk nicht verteidigen.
Der Fraktionschef der wichtigsten Oppositionspartei PML-N, Chaudhry Nisar Ali Khan, sagte: "Die Abbottabad-Operation war der Mord an unserer Ehre und zeigt, dass es keine Regierung in diesem Land mehr gibt." Ibrahim Khan von der islamistischen Jamat Islami (JI) forderte die Bestrafung all jener, die das Eindringen der Amerikaner nicht bemerkten - darunter auch die Armee- und Geheimdienstführung. Unter dem wachsenden Druck wollte Gilani sich an diesem Montag im Parlament zu der heiklen Causa Bin Laden äußern.
Jahrelang war spekuliert worden, der Al-Kaida-Chef sei in den unwegsamen Stammesgebieten an der afghanischen Grenze möglicherweise in einer Höhle untergetaucht. Bemerkenswert dicht an der Wahrheit lag im vergangenen Herbst der US-Sender CNN, der eine Nato-Quelle zitierte, wonach sich Bin Laden in einem Haus im Nordwesten Pakistans verstecke. "Niemand von Al-Kaida lebt in einer Höhle", sagte der ungenannte Nato-Vertreter damals. Bin Laden und sein Vize Aiman al-Sawahiri wohnten in relativem Komfort und würden von Teilen des Militärgeheimdienstes ISI geschützt.
Dieses Video zeigt Bilder vom Anwesen des Terroristenführers im pakistanischen Abottabad. Die Aufnahmen wurden kurz nach seiner Tötung gemacht. zum Video
Folgt man Bin Ladens Witwe Amal al-Sadah, über deren Verhöre die "New York Times" ("NYT") und die pakistanische Zeitung "Dawn" am Samstag berichteten, dann versteckte sich der meistgesuchte Mann der Welt bereits seit 2005 in dem großzügigen Anwesen in Abbottabad. Dass der ISI davon über all die Jahre nichts wusste, scheinen auch die Amerikaner nicht mehr zu glauben. Der ISI sei "im besten Fall bewusst blind" gewesen, zitierte die "NYT" den ehemaligen CIA-Agenten Art Keller, der vor Jahren an der Jagd nach dem Top-Terroristen beteiligt war. "Bewusste Blindheit ist in Pakistan ein Überlebensmechanismus."
Der Fall Bin Laden wirft die Frage auf, wo diese Blindheit noch überall zum Tragen kommt - wer also wer noch alles in Pakistan Unterschlupf erhält. Indien hat schlüssig dargelegt, warum es die Hintermänner der Terrorserie von Mumbai im Nachbarland vermutet. Augenzeugen berichteten in der Vergangenheit auch darüber, Bin-Laden-Vize Sawahiri in Trainingslagern von Extremisten in Pakistan gesehen zu haben. Als offenes Geheimnis gilt zudem, dass der Führungsrat der afghanischen Taliban von Pakistan heraus den Aufstand probt.
Die Ansammlung von Terroristen in Pakistan führt den Krieg im benachbarten Afghanistan nach Ansicht von Beobachtern zumindest in Teilen ad absurdum. Primäres Ziel des Einmarsches war zu verhindern, dass Afghanistan nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wieder zu einem Zufluchtsort von internationalen Terroristen werden würde. Doch diese Rolle hat, wenn auch oft unfreiwillig, längst Pakistan übernommen - jenes Land, in das bei Anschlägen und Anschlagversuchen im Westen immer wieder Spuren hinführen.
Er sei sich "sicher", dass zumindest Teile des ISI wüssten, wo sich Taliban-Chef Mullah Mohammad Omar aufhalte, sagt der eingangs zitierte westliche Diplomat. Er glaube nicht, dass die Regierung in Islamabad Kenntnis darüber gehabt habe, dass sich Bin Laden im Land versteckt hatte. "Für die Zivilregierung war das ein Schock. Aber bestimmte Kreise im Militär müssen es gewusst haben."
Nur die Besten werden in die Elitetruppe berufen. Spezialaufträge wie die Operation Bin Laden führt die Marine-Einheit zuverlässig aus. zum Video
Ihr ramponiertes Image könnten die Pakistaner nach Ansicht von Experten zumindest wieder etwas aufpolieren, indem sie der Welt demonstrierten, dass sie Terroristen bekämpfen, statt sie zu decken: Die Festnahme eines Top-Terroristen durch einheimische Sicherheitskräfte in der nächsten Zeit könnte ein solcher Befreiungsschlag sein.
Diesem Mechanismus folgte Pakistan schon unter dem 2008 zum Rücktritt gezwungenen Militärmachthaber Pervez Musharraf. Wurden internationale Vorwürfe zu übermächtig, Pakistan gehe nicht gegen Terroristen vor, präsentierten die Sicherheitskräfte oft überraschende Erfolge. Festgenommene verschwanden, von Prozessen wurde kaum je etwas bekannt. Manche der Extremisten tauchten dann wieder auf - etwa auf der Seite der Taliban in Afghanistan.
Quelle: dpa
Jürgen schrieb:
am 8. Mai 2011 um 18:36:13
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Bin Laden stüzt Pakistan in Krise
Wie kann es sein, dass ein Land, das nach dem 11. September dem Terror dem Kampf angesagt hat, Terroristen
(inoffiziell?) Unterschlupf gewährt.Welche sonst unterbezahlten Beamten leben denn seit 6 Jahren über ihre Verhältnisse. Ich weiß dass in diesen Ländern nichts ohne Bakschisch geht, aber die Bestechung in diesem Fall dürfe enorm gewesen sein. Die Pakistani haben ihre Ehre schon verkauft bevor sie "ermordet " wurde.
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SteDe schrieb:
am 8. Mai 2011 um 18:27:09
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Bin Laden
Bin Laden hat Wind gesät und Sturm geerntet.Wer kein Mitgefühl und kein Mitleid kennt,darf auch selbst auf keines von beiden
hoffen.Wer die Religionen anderer Menschen nicht toleriert,darf auch nicht auf Toleranz hoffen.Toleranz ist keine Einbahnstrasse.Wer Menschen (Zivilisten)das Recht zu Leben nimmt (9/11,Djerba,Bali,London) nur weil sie einen anderen Glauben haben,darf selbst nicht auf sein Recht zu Leben pochen.Ich würde auf Bin Ladens Grab pinkeln,wenn es eins geben würde.
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heinz06 schrieb:
am 8. Mai 2011 um 18:17:04
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Pakistan
Das herumeiern Pakistans in Fragen der Terroristenbekämpfung ist logisch. Die pakistanische Regierung wurde von den USA stark unter
Druck gesetzt. Sie muss jetzt einerseits die US-Wünsche befriedigen und auf der anderen Seite dem enormen Druck aus starken Kreisen in der eigenen Bevölkerung gerecht werden. Hier bieten sich Verhaltensweisen als Lösung an welche in Kollonialzeiten gegen die englischen Besatzer erprobt wurden. Die Schlüssel für aktuelles Verhalten liegen häufig in der Geschichte.
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