Startseite Jetzt online bestellen und 10% Rabatt sichern

Sie sind hier: Home > Nachrichten > Ausland >

Bin-Laden-Nachfolger ernannt: Dr. Aiman übernimmt das Kommando

...

Dr. Aiman übernimmt das Kommando

16.06.2011, 16:33 Uhr | Von Yassin Musharbash

Der Ägypter Al Sawahri ist Nachfolger des von einem US-Kommando getöteten Osama bin Laden.

Nüchterner geht es nicht: "Die allgemeine Führung der Organisation Al-Kaida verkündet hiermit, dass - nach Abschluss der internen Beratungen - Aiman al-Sawahiri die Führung der Organisation übernommen hat." Anderthalb Monate nach dem Tod Osama Bin Ladens hat das Terrornetzwerk damit wieder einen offiziellen "Amir" oder Anführer.

Die formale Ernennung des um 1952 geborenen Chirurgen aus Ägypten ist alles andere als eine Überraschung: Er war seit der Gründung Al-Kaidas der Stellvertreter Bin Ladens, und die internen Statuten sahen stets vor, dass der Vize bei Tod oder Gefangennahme des Chefs übernimmt. Einzige Hürde ist eine Abstimmung unter den Mitgliedern der "allgemeinen Führung".

Dass die mutmaßlich rund zehn Personen, die dieses exklusive Gremium bilden, sich persönlich getroffen haben, um Sawahiri auf den Schild zu heben, ist unwahrscheinlich; wahrscheinlich stimmten sie entweder im Internet ab oder ließen ihre Kuriere einander treffen. Dieses Gremium meldet sich nur selten zu Wort. Nun verkündete es erst Bin Ladens Tod und dann seinen Nachfolger - die "allgemeine Führung" hat damit ihre zentrale Rolle innerhalb des Netzwerks für alle sichtbar bekräftigt; unter Bin Laden war diese weniger deutlich erkennbar.

Es verbirgt sich hier ein Hinweis darauf, dass Al-Kaida weniger zerrüttet ist, als es von Außen den Anschein hat.

In jedem Fall beendet der am Donnerstagmorgen verkündete Beschluss die Debatte um die Bin-Laden-Nachfolge. Das insgesamt dreiseitige Dokument, das Spiegel Online vorliegt, ist aller Wahrscheinlichkeit nach echt. Es erschien auf den handverlesenen, von Al-Kaida autorisierten Web-Seiten; der Inhalt, die Sprache und die Form geben keinen Anlass zum Zweifel.

Interessanter als die Ernennung an sich ist die Frage, was sie bedeutet. Wird Al-Kaida sich unter Aiman al-Sawahiri neu ausrichten? Und wird ihm als neuem Amir derselbe Grad an Gehorsam entgegengebracht werden wie seinem Vorgänger?

Respekt - aber keine Verehrung

Aiman al-Sawahiri genießt innerhalb von Al-Kaida und im erweiterten Kreis der Ehrenamtlichen und aktiven Sympathisanten großen Respekt - vor allem, weil er einfach schon so lange dabei ist. Er radikalisierte sich bereits als Jugendlicher, er geriet in den Sog militanter Organisationen, die die ägyptische Regierung stürzen wollten, und formte angeblich bereits als 16-Jähriger seine erste eigene Zelle. Zeitweise war er in Ägypten inhaftiert.

Genau wie Bin Laden brachte ihn der Kampf der Afghanen gegen die sowjetischen Invasoren an den Hindukusch, genau wie der Saudi-Araber ging er danach nicht wieder dauerhaft in sein Heimatland zurück, sondern verfolgte gemeinsam mit ihm ein neues Projekt, das auf einer neuen Idee beruhte: Al-Kaida, ein Zusammenschluss von Dschihadisten aus zahlreichen Ländern, sollte den Kampf gegen die Ungläubigen und vom Glauben Abgefallenen in alle Welt tragen. Nicht länger sollten Ägypter alleine gegen das übermächtige ägyptische Regime kämpfen, die Libyer gegen das libysche, die Syrer gegen das syrische - stattdessen sollte die vermeintliche Schutzmacht der "gottlosen" Präsidenten und Könige attackiert werden - die USA. Und zwar wo auch immer es möglich war, und egal mit welchen Methoden.

Dieser ideologische Schirm stellte sich als tragfähig heraus, und vom ersten spektakulären Qaida-Anschlag auf US-Botschaften in Afrika 1998 bis zum 11. September 2001 ließen sich der Aufstieg der Idee und der dahinterstehenden Organisationen nachverfolgen. Aiman al-Sawahiri war von Anfang an dabei - als der zweite Mann hinter Bin Laden. Er brachte dabei auch Opfer. Seine Ehefrau Azza etwa starb kurz nach dem 11. September 2001 bei einem US-Luftangriff.

Doch Respekt ist eine Sache, Verehrung eine andere: Sawahiri, meistens "Scheich Doktor Aiman" genannt, ist ein schlechter Redner, er ist streitsüchtig und besserwisserisch, er hat, anders als Bin Laden, keinerlei Ausstrahlung.

Will Al-Kaida mehr Einzeltäter statt Zellen?

Die Frage wird nun sein, wie die Mitglieder und Anhänger sich mit dem neuen "Amir" arrangieren werden. Niemand wird ihm die Führung streitig machen. Aber es ist denkbar, dass zum Beispiel die Qaida-Filiale auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) ein distanzierteres Verhältnis zu ihm pflegen wird als zu Bin Laden. Es bestehen langjährige Animositäten zwischen dem ägyptischen Kontingent Al-Kaidas und den Kadern aus Saudi-Arabien und dem Jemen. Eine Meuterei wird es nicht geben; vielleicht aber eine weniger bereitwillige Umsetzung von Direktiven aus der Zentrale.

Die zweite Frage freilich ist: Wie könnten denn die Direktiven Sawahiris aussehen? Wird er versuchen, Al-Kaida neu auszurichten?

Grundsätzlich folgt Sawahiri derselben Strategie wie Osama Bin Laden. Allerdings gibt es vage Anzeichen dafür, dass das Terrornetzwerk eine neue Strategie erproben möchte. Diese Indizien fallen mit der Machtübernahme Sawahiris zusammen, sie müssen aber nicht alleine auf seiner Entscheidung beruhen.

Auffallend ist jedoch, dass sich sowohl in dem aktuellen Qaida-Kommuniqué der allgemeinen Führung als auch in einem opulenten Qaida-Propagandavideo von vor einigen Wochen Aufforderungen an Nicht-Mitglieder finden, als Einzeltäter Terrorakte zu begehen.

Al-Kaida und die arabische Revolte

In dem Video beispielsweise, das fast zwei Stunden dauert, werden den Zuschauern Dutzende Beispiele von solchen Einzeltätern vorgeführt, teilweise aus dem 19. Jahrhundert. Ein Mann, ein Anschlag: Das war bisher nicht Al-Kaidas offizielle Linie. Das Terrornetzwerk begrüßte zwar die Kooperation mit Freiwilligen und ehrenamtlichen Helfern aller Art, bestand aber stets auf eine Art terroristisches Reinheitsgebot: Nur wo auch Al-Kaida drin war, sollte Al-Kaida draufstehen.

Die neuen Publikationen aber können auch so verstanden werden, dass Al-Kaida den Segen erteilt, in ihrem Namen als Einzeltäter tätig zu werden. Generell sei es zwar besser, den Kontakt zu Al-Kaida herzustellen, sagt in dem Propagandafilm etwa der Chefideologe Abu Jahja al-Libi, aber wenn das nicht möglich sei, sei Eigeninitiative gefragt. Einzeltäter statt Zellen: Es ist womöglich die Sorge, dass Gruppen leichter zu entdecken sind, die hinter dieser Idee steht.

In dem am Donnerstag veröffentlichten Dokument gibt es eine Passage, die dazu passt: Al-Kaida strecke die Hand all jenen gegenüber aus, die ebenfalls "für den Sieg des Islams arbeiteten" - im Qaida-Sprech bedeutet das: Terroranschläge planen. Es sei egal, ob sie dies "innerhalb oder außerhalb bestehender Organisationen" täten.

Noch in einem zweiten Punkt hat Al-Kaida eine Positionsbestimmung vorgenommen: Anfangs hatte das Terrornetzwerk zu den Revolten in den arabischen Ländern wenig Stimmiges zu sagen; es hinkte hinterher, die Mitteilungen waren überholt und klangen geradezu verzweifelt angesichts der Abwesenheit jedweder islamistischer Agitationen auf den Plätzen von Kairo, Tunis oder Damaskus.

Sawahiri braucht einen spektakulären Anschlag

Als aber Sawahiri in der vergangene Woche - noch ohne sich als "Amir" zu bezeichnen - ein eigenes Video veröffentlichte, stellte er das erste Mal den Versuch einer Strategie im Angesicht der Aufstände vor: Al-Kaida unterstütze das Aufbegehren gegen die "gottlosen" Regime; aber diese Gesellschaften müssten anschließend in gottgefällige Gemeinwesen transformiert werden.

In dem Kommuniqué vom Donnerstag gibt es ein Echo dieser Position: Die Revolutionen seien unvollständig, wenn anschließend nicht die Scharia, die islamische Rechtsordnung, eingeführt werde.

Sawahiri übernimmt die Führung in jedem Fall zu einem schwierigen Zeitpunkt: Der Verfolgungsdruck ist enorm, CIA-Drohnen surren nicht mehr nur über Pakistan, sondern auch über dem Jemen, um Qaida-Kader auszuschalten. Seit Jahren ist dem Netzwerk kein spektakulärer Anschlag im Westen mehr gelungen, stattdessen wurden etliche Kader getötet oder festgenommen.

Ehemalige Kampfgefährten halten Sawahiri für intelligenter und strategischer als Bin Laden. Auch Geheimdienste vermuten, dass Sawahiri schon in den vergangenen Jahren die entscheidende Figur war. Um sein Standing zu verbessern, wird er versuchen, einen solchen Anschlag zum Erfolg zu führen - sicher nicht um jeden Preis, dafür ist er zu vorsichtig; aber gewiss so bald wie möglich.

Über Sawahiris Aufenthaltsort ist derweil nichts bekannt. Wie bei Bin Laden wurde bisher vermutet, er halte sich im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet auf, wie bei Bin Laden könnte sich das als Fehlannahme herausstellen. Nur dass er in einer Höhle lebt, galt stets als unwahrscheinlich - in einem Video ist beispielsweise seine arabischsprachige medizinische Fachbibliothek in einem Wandregal zu erkennen.


Quelle: Spiegel Online

Inhalt versenden Versenden
Leserbrief An die Redaktion
Leserbrief schreiben

Für Kritik oder Anregungen füllen Sie bitte die nachfolgenden Felder aus.
Damit wir antworten können, geben Sie bitte Ihre Adresse an.

Name
E-Mail
Betreff
Nachricht

Wählen Sie aus dem Pull-Down-Menü Ihren gewünschten Ansprechpartner aus. Vielen Dank für Ihre Mitteilung.

Diese Mail an
mailing-ifrarr
Artikel versenden
Empfänger
Absender
Name
Name
E-Mail
E-Mail
Nachricht
 

"Bin-Laden-Nachfolger ernannt: Dr. Aiman übernimmt das Kommando" verlinken

Verlinken Sie uns, wenn Ihnen der Artikel "Bin-Laden-Nachfolger ernannt: Dr. Aiman übernimmt das Kommando" gefallen hat.

 
schließen

Kommentare (12)

zum Forum

Thema: "Bin-Laden-Nachfolger ernannt: Dr. Aiman übernimmt das Kommando"

Rose schrieb: am 16. Juni 2011 um 20:47:41
(0) (0) @ anna
Wenn es Rosa und andere mutige Frauen nicht gegeben hätte , würden die deutschen Frauen noch Heute , genauso wie die Saudischen Frauen leben .

Kommentar melden

MIBA schrieb: am 16. Juni 2011 um 20:13:10
(0) (0) Dr. Aiman
Da sollte man doch sofort den Dr. Titel überprüfen, vielleicht hat er abgekupfert, dann kann man ihn zum Rücktritt mobben.

Kommentar melden

dekamama60 schrieb: am 16. Juni 2011 um 20:08:01
(0) (0) Bin laden Nachfolger
Vor Obama und Konsorten warnt keiner .Komisch!

Kommentar melden

alle Kommentare
Seite:

Kommentar schreiben

Name
Betreff
Kommentar: (Maximal 500 Zeichen)

Bitte füllen Sie alle Felder aus.

Haken

Vielen Dank. Ihr Kommentar wurde versendet!

Kommentar schreiben



Zu diesem Artikel/Thema können keine weiteren Kommentare mehr abgegeben werden.

Kommentar melden

Sie sind der Meinung, dass dieser Kommentar anstößige Inhalte enthält.

 

Haken

Vielen Dank! Ihr Hinweis wurde von der Redaktion entgegengenommen.
mailing-ifrarr

Shopping

Einkaufswelt
Premium-Freizeitmode
BRAX - Premium-Mode vom Passformspezialisten

Attraktive und sportive Mode für Sie und Ihn: kompromisslose Qualität, die überzeugt. zum Special

Einkaufswelt
Gabor bei Siemes.de
Gabor-Schuhe bei siemes.de

Entdecken Sie die neuen Kollektionen zu Top-Preisen: jetzt online bestellen! zu den Angeboten

Einkaufswelt
Fußball-EM 2012
Perfekt ausgestatten für die Fußball-EM 2012 mit GINGAR.de

Zeigen Sie Flagge - alles für die per- fekte EM-Party in Schwarz-Rot-Gold.
von GINGAR.de

Einkaufswelt
14,95 €-Gutschein sichern
Gutschein-Aktion bei KLiNGEL.de

Damenmode in den schönsten Sommerfarben - online bestellen und sparen. bei KLiNGEL.de


Downloads & Shops

Minus 29%: CutOut PRO
CutOut PRO (Quelle: Softwareload)

Der Meister für feinste Freistellungen und präzise Montagen. mehr

Historische Traktoren
Agrar Simulator: Historische Landmaschinen (Quelle: Koch Media)

Landmaschinen der 50er bis 70er Jahre fahren. Spiel jetzt kaufen

Badeurlaub in Kroatien ab 572,- €/P.
Last Minute bei t-online.de Reisen (Quelle: t-online.de)

1 Woche im 4-Sterne- Hotel mit AI und Flug.


Aus anderen Bereichen

Offenbar Käufer für Schlecker gefunden
Offenbar Investor an Schlecker interessiert (Quelle: dapd)

Der mögliche Retter ist kein Unbekannter. mehr

"Würde nie etwas tun, was Fortuna schadet"
Der Elfmeterdieb von Düsseldorf klaut noch vor Abpfiff des Spiels ein Stück Rasen. (Quelle: imago)

Der Rasenräuber mel- det sich zu Wort. mehr


Anzeigen

Anzeige
Anzeige
Einkaufswelt
Restposten-Verkauf
Sensation des Tages: Mode, Technik und vieles mehr zu sensationellen Tiefstpreisen bei neckermann.de

Lagerräumung mit bis zu 80% Rabatt. bei neckermann.de

Augenblicke
Fotos des Tages
 Bei den 65. Filmfestspielen im südfranzösischen Cannes stellt eine Schlangenfrau auf dem roten Teppich ihre Biegsamkeit zur Schau. (Quelle: AFP\Anne-Christine Poujoulat)

Eine Schlangenfrau verbiegt sich auf dem Roten Teppich. mehr

Special
Die neuen Kriege
US-Soldaten beim Einsatz in Afghanistan (Quelle: Reuters)

Moderne Kriegsführung und moderne Waffen. mehr

Aus dem All
Satellitenbild der Woche

Wie Außerirdische die Erde sehen würden. zur Foto-Serie

Quiz
Rätseln Sie sich schlau!
(Montage: t-online.de)

Quiz bei t-online.de: Testen Sie Ihr Wissen. zur Quiz-Seite

Anzeige

Zur breiten Ansicht
© Deutsche Telekom AG 2012

Anzeige