19.02.2010, 12:03 Uhr
Braune Haut, braune Augen, Tendenz zur Glatze: Phantomzeichnung eines 4000 Jahre alten Grönländers (Zeichnung: Nuka Godfredsen)In Grönland entdeckte Haare eines Steinzeitmenschen haben die bisherigen Theorien über die Besiedlung der Eisinsel am Nordpolarmeer über den Haufen geworfen. Wie Forscher im britischen Wissenschaftsblatt "Nature" berichteten, stammen die 4000 Jahre alten Haare von einem Mann, der ein unmittelbarer Nachfahre von Menschen aus Sibirien war.
Damit sei die These nicht mehr haltbar, nach der Grönland als erstes von Eskimo-Volksgruppen oder nordamerikanischen Ureinwohnern besiedelt wurde.
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Forscher um Eske Willerslev von der Universität in Kopenhagen hatten die einzigen bekannten Überreste der rätselhaften Saqqaq-Kultur im Westen Grönlands untersucht. Diese entwickelte sich ab 2400 vor unserer Zeitrechnung, ihre Spur verlor sich dann aber dem Jahr 800 nach Christus.
Aus einem menschlichen Haarbüschel und vier Knochenstücken isolierten die Wissenschaftler fast 80 Prozent des Gencodes des Frühmenschen und stießen dabei auch auf DNA-Veränderungen, die typisch für bestimmte Körpermerkmale sind.
"Wir können sehen, dass der Mann höchst wahrscheinlich braune Augen und braune Haut hatte", sagte Willerslev in einer Telefonkonferenz. "Und wir können erkennen, dass er genetisch an das Leben in kalten Temperaturen angepasst war." Die Überraschung kam demnach aber, als das Genom mit heute lebenden Menschen verglichen wurde. Es habe sich herausgestellt, dass der Mann am stärksten mit Menschen aus Ostsibirien aus den Gruppen der Tschuktschen, Korjaken und Nganasanen verwandt ist.
Anthropologen vermuten schon lange, dass die ersten Siedler in Nordamerika aus Russland kamen, indem sie die Beringstraße überquerten. Sie wanderten dann nach Süden, und ihre Nachfahren erreichten rund tausend Jahre später die südliche Spitze Südamerikas. Bisher war die Meinung verbreitet, dass Grönland von Menschen besiedelt wurde, die schon lange in Nordamerika oder der Arktis lebten.
Seine Entdeckung weise aber darauf hin, dass es vor 5500 Jahren "eine unabhängige Wanderungsbewegung" Richtung Grönland gegeben habe, sagte Willerslev. Warum es die Einwanderer ausgerechnet in diese kalte Gegend gezogen habe, können sich die Wissenschaftler nicht erklären. Es könne sein, dass angenehmere Landstriche bereits von Rivalen besetzt waren oder dass diesen Menschen das arktische Klima einfach lag. "Darauf gibt es keine klare Antwort", sagte der Forscher.
Quelle: AFP
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