21.07.2011, 12:22 Uhr | Von Caroline Bock
Die Berliner CDU setzt im Wahlkampf auf Bodenständigkeit, was bei ihrer Stammklientel 50 plus gut ankommt (Foto: dpa) (Quelle: dpa)
Die Wahlen in Hamburg und Bremen waren für die Union ein Debakel. In Berlin droht der CDU im September erstmals der dritte Platz beim Kampf um das Rote Rathaus. Kriegen die Konservativen ihr Problem mit der Großstadt-Klientel in den Griff?
Es gibt Bratwurst und Gemüsesticks, am Wahlkampf-Bus der Berliner CDU zischt das Gas in die Luftballons. Als Show-Einlage: Standardtänzer mit eingefrorenem Profi-Lächeln. "Berlin verwahrlost!" und "Wie sieht's denn aus mit unseren Kleingärten?", skandieren die Politiker auf der kleinen Bühne. Vielleicht 200 Menschen sitzen beim Wahlkampfauftakt von Spitzenkandidat Frank Henkel auf den Bierbänken.
Im Rücken das Europa-Center und die Gedächtniskirche: Mehr West-Berlin geht nicht. Das Publikum ist eher 50 plus und erinnert an einen Ausflugsdampfer oder an das Klubhaus eines Tennisvereins. Was dieser Abend signalisiert: Die Berliner CDU bleibt bodenständig und bei ihrer Stammklientel. Sie versucht gar nicht erst, sich bei der kreativen Szene anzubiedern, etwa, indem sie ihre Kampagne in einer Strandbar starten würde.
Stattdessen versucht die CDU, sich bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 18. September als Law-and-Order-Partei zu positionieren. Henkel will aufräumen. Er verkauft sein Wahlprogramm für 50 Cent am Kiosk. Dafür wurden Bürger im Internet befragt, was die Probleme der Stadt sind. Sicherheit ist für Henkel ein großes Thema. Für den rot-roten Senat allerdings auch.
Schon oft wurde den Konservativen angelastet, dass sie in den Großstädten zu wenig Fuß fassen. Bei der Wahl in Bremen landete die CDU dieses Jahr auf Platz drei. Auch in Hamburg erging es der Partei mit Christoph Ahlhaus nicht viel besser, nachdem Bürgermeister Ole von Beust beschlossen hatte, dass er künftig lieber privatisieren will.
Henkel ist gebürtiger Ost-Berliner und "ein sympathischer Herr mit dezenter Brille", so die "Zeit". In der über Jahre von Intrigen gebeutelten Hauptstadt-CDU gilt der 47-Jährige als ehrliche Haut. Er ist aber nicht besonders bekannt. Bis zur Wahl in zwei Monaten hat Henkel nicht mehr viel Zeit, den Rückstand zu Regierungschef Klaus Wowereit (SPD) und Grünen-Kandidatin Renate Künast aufzuholen.
Das Schlangengruben-Image hat die Berliner CDU mühsam abgestreift. Aber was ihr weiter das Leben schwer macht: In Kreuzberg, Mitte und Prenzlauer Berg leben viele Neu-Berliner, die die Provinz hinter sich gelassen haben und sich gerne als coole Großstädter fühlen. Ob die Laptop-Boheme dieselbe Partei wählt wie ihre Eltern in Paderborn oder Pinneberg, ist fraglich.
"Welt"-Autor Ulf Poschardt stellt bei der Union gar eine "ästhetische Verstaubtheit" fest, "die sie wie einen düsteren Schatten konservativen Selbsthasses seit den Umbrüchen der Studentenrebellion mit sich herumträgt".
Der Parteienforscher Gero Neugebauer von der Freien Universität Berlin verweist darauf, dass sich in der Hauptstadt, auch durch die Zugezogenen, seit 1990 die Hälfte der Wahlberechtigten ausgetauscht hat. Und viele verbänden mit der hiesigen CDU nicht Henkel, sondern noch immer Klaus Landowsky, eine Schlüsselfigur der Bankenaffäre von 2001, die das Ende der Diepgen-CDU brachte. Seine allgemeine Diagnose: "Die CDU ist keine Großstadtpartei."
CDU-Spitzenkandidat Henkel sieht das naturgemäß anders. Er räumt zugleich ein, "dass wir nicht in allen Milieus gleich gut verankert sind". Es sei aber ein Klischee, dass der CDU die Verbindung zur Kultur- und Kreativszene fehle. Als Gegenbeispiele aus der Union gelten Konzertveranstalter Peter Schwenkow, Ex-Senator Christoph Stölzl, die Kulturpolitikerin Monika Grütters und der Werber Thomas Heilmann, der Vize-Landeschef ist.
Die CDU ist unbestritten auch in der Szene unterwegs. Längst mischt die Partei beim Christopher Street Day mit, der Parade der Schwulen und Lesben. "Wir haben schon genügend coole Kandidaten", findet Stefan Evers, der für Wilmersdorf ins Berliner Parlament einziehen will. Der 31 Jahre alte Jurist macht Wahlkampf auf der Straße. Er fühlt sich manchmal an die Kino-Doku "Herr Wichmann von der CDU" erinnert. In seinem Kiez leben statt der sprichwörtlichen "Wilmersdorfer Witwen" mittlerweile viele grün wählende Besserverdienende. Kein leichtes Terrain für einen CDU-Mann.
Quelle: dpa
Hartmann schrieb:
am 21. Juli 2011 um 19:37:45
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Berliner CDU zwischen Bratwurst und grünen Yuppies"
Glaubt ihr im Ernst wir Rentner lassen uns kaufen ,da haben wir in den letzten
Jahren viel sehr viel gelernt wir nehmen alles was nicht's kostet und machen danach doch was WIR wollen ,ganz genau wie die POLITIKER denn genau das haben wir von diesen Leuten gelernt !
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Matze schrieb:
am 21. Juli 2011 um 18:10:24
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Berliner CDU
Die Zukunft ist nunmal die 50+ Generation. Die Jüngeren sind eine Randgruppe der Gesellschaft geworden. Wirkliche Parteien gibt
es doch nur die CDU und SPD alle anderen erwecken den Eindruck Verfassungsfeinde zu sein.
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Icke schrieb:
am 21. Juli 2011 um 16:36:00
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@max100
Von Berliner Verhältnissen hast du ersichtlich keine Ahnung. Wir Berliner haben die Schnauze voll von rot/rot
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