Ex-Finanzsenator Sarrazin hat sich für seine Äußerungen entschuldigt - die türkische Gemeinde sieht die Sache damit als erledigt an (Foto: ddp)
Berlins früherer SPD-Finanzsenator Thilo Sarrazin, der heute im Vorstand der Bundesbank sitzt, hat sich für seine umstrittenen Äußerungen zu türkischstämmigen Einwanderern in Deutschland entschuldigt. "Die Reaktionen, die mein Interview in "Lettre International" verursacht hat, zeigen mir, dass nicht jede Formulierung in diesem Interview gelungen war", schrieb er in einer persönlichen Mitteilung.
Es sei sein Anliegen gewesen, die Probleme und Perspektiven der Stadt Berlin anschaulich zu beschreiben, nicht aber einzelne Volksgruppen zu diskreditieren. "Sollte dieser Eindruck entstanden sein, bedauere ich dies sehr und entschuldige mich dafür."
Türkische Gemeinde akzeptiert Entschuldigung
Die Türkische Gemeinde in Deutschland (TGD) sieht die Debatte damit als erledigt an. "Sarrazin hat sich entschuldigt und eingeräumt, dass seine Aussagen missverständlich waren", sagte der TGD-Vorsitzende Kenan Kolat. "Wir sollten jetzt zur Tagesordnung übergehen", so Kolat. Die Türkische Gemeinde in Deutschland sei jedoch zu einer Diskussion über die von Sarrazin angesprochenen Probleme bereit.
"Weder integrationswillig noch integrationsfähig"
Sarrazin hatte sich in einem Interview äußerst kritisch zur sozialen und politischen Lage in Berlin geäußert. Besonders hart war Sarrazin mit türkischen und arabischen Einwanderern ins Gericht gegangen. Große Teile von ihnen seien "weder integrationswillig noch integrationsfähig", sagte Sarrazin. Sie hätten "keine produktive Funktion, außer für den Obst- und Gemüsehandel".
Verdacht auf Volksverhetzung
Kolat hatte daraufhin eine Entschuldigung von Sarrazin gefordert. Auch die Bundesbank hatte sich "entschieden in Inhalt und Form von den diskriminierenden Äußerungen" distanziert. Die Berliner Staatsanwaltschaft hatte zudem am Donnerstag bekannt gegeben, den Anfangsverdacht auf Volksverhetzung zu prüfen.