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Berlin: Türken empören sich über Thilo Sarrazin

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Türken empören sich über Sarrazin

01.10.2009, 17:37 Uhr

Berlins ehemaliger Finanzsenator Thilo Sarrazin ließ kein gutes Haar an seiner früheren Wirkungsstätte (Foto: dpa) Berlins ehemaliger Finanzsenator Thilo Sarrazin ließ kein gutes Haar an seiner früheren Wirkungsstätte (Foto: dpa)

Die türkische Gemeinde in Berlin hat sich empört gezeigt über Aussagen des ehemaligen Berliner Finanzsenators Thilo Sarrazin (SPD) zu Einwanderern. "Das ist unerhört", sagte der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Kenan Kolat: "Sarrazin schießt häufig über das Ziel hinaus und macht sich keine Gedanken über die Auswirkungen seiner Aussagen".

Auch der Vorstandsvorsitzende der Türkisch-Deutschen Unternehmervereinigung (TDU), Hüsnü Özkanli, und der Sprecher des Türkischen Bunds Berlin-Brandenburg, Safter Çinar, reagierten entrüstet. Sarrazin hatte unter anderem gesagt, große Teile der türkisch- und arabischstämmigen Bevölkerung in Berlin seien "weder integrationswillig noch integrationsfähig."

"Gibt auch eine erfolgreiche Seite"

Çinar sagte, die Aussagen Sarrazins seien völlig einseitig und unüberlegt. "Das ist absolut unter der Gürtellinie und inhaltlich völliger Quatsch." Es gebe auch eine andere, erfolgreiche Seite. "Migranten mit höherer Bildung sind Politiker im Abgeordnetenhaus. Es gibt 80 türkischstämmige Ärzte, die in Berlin eine Praxis haben, und 70 türkische Anwälte."

"Was sollen wir sonst noch machen?"

Özkanli betonte: "Wir tragen zum deutschen Wirtschaftssystem bei, indem wir Ausbildungs- und Arbeitsplätze schaffen, unsere Jugend studiert", sagte er. "Was sollen wir sonst noch machen, um unseren Integrationswillen zu demonstrieren? Uns die Haare blond färben?"

Kritik an Türken

Sarrazin hatte in einem Interview mit dem Kulturmagazin "Lettre International" gesagt, 70 Prozent der türkischen und 90 Prozent der arabischen Bevölkerung würden den deutschen Staat ablehnen und nicht vernünftig für die Ausbildung ihrer Kinder sorgen. "Die Lösung dieses Problems kann nur heißen: kein Zuzug mehr, und wer heiraten will, sollte dies im Ausland tun." Sarrazin, der inzwischen im Vorstand der Bundesbank sitzt, fügte hinzu: "Viele von ihnen wollen keine Integration, sondern ihren Stiefel leben."

Entschuldigung von Sarrazin

Inzwischen hat sich Sarrazin für seine Äußerungen entschuldigt. "Die Reaktionen, die mein Interview in 'Lettre International' verursacht hat, zeigen mir, dass nicht jede Formulierung in diesem Interview gelungen war", schrieb der frühere Berliner Finanzsenator in einer "persönlichen Mitteilung". Sein Anliegen sei es gewesen, die Probleme und Perspektiven der Stadt Berlin anschaulich zu beschreiben, nicht aber einzelne Volksgruppen zu diskreditieren. "Sollte dieser Eindruck entstanden sein, bedauere ich dies sehr und entschuldige mich dafür." Zuvor hatte sich die Bundesbank "entschieden in Inhalt und Form von den diskriminierenden Äußerungen von Dr. Thilo Sarrazin" distanziert.

Ermittlungsverfahren eingeleitet

Die Berliner Justiz leitete derweil ein Ermittlungsverfahren gegen Sarrazin ein. Es werde der Anfangsverdacht der Volksverhetzung geprüft, sagte ein Sprecher der Berliner Polizei und bestätigte damit einen Bericht der Berliner "Morgenpost".




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Quelle: dpa , AFP

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