Der Massenmörder Hitler als Unterhaltungsattraktion. (Quelle: ddp)Darf Hitler im deutschen Wachsfigurenkabinett von Madame Tussauds stehen? Diese Frage hat in den vergangenen Wochen für politischen Wirbel gesorgt. Die Veranstalter sagen Ja und haben sich für den Diktator eine besondere Szenerie ausgedacht: Mit finsterem Blick sitzt er im Bunker hinter seinem Schreibtisch.
An der Wand prangt eine Europakarte, die das Näherrücken der Roten Armee aus dem Osten und der alliierten Streitkräfte aus dem Westen dokumentiert. Die Besucher, die von diesem Samstag an in großer Zahl in der neuen Touristenattraktion unweit des Brandenburger Tors in Berlin erwartet werden, sollen in der Figur einen gebrochenen alten Mann erkennen.
Hitler-Figur auch in London
"Ich glaube, wir präsentieren ihn in angemessener Weise", meint die Berliner Managerin der Show, Susanne Keller. Bei Madame Tussauds in London steht bereits seit Mitte der 1930er Jahre ein Hitler in brauner Uniform. Als monströse Kuriosität wird er oft fotografiert. Doch als Pläne bekannt wurden, einen Hitler auch in der dritten europäischen Niederlassung von Madame Tussauds in Berlin zu zeigen, regte sich sofort Protest.
Faschismus als "bloße Unterhaltung"
"Ich halte es für überflüssig und geschmacklos, Hitler in einem Wachsfigurenkabinett zu zeigen", kritisierte etwa der Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Johannes Tuchel. "Was Hitler für die deutsche Geschichte bedeutet, kann man hier nicht zeigen." Und die Publizistin Lea Rosh, Vorsitzende des Förderkreises Denkmal für die ermordeten Juden Europas, warnte davor, die Auseinandersetzung mit deutscher Geschichte zur bloßen Unterhaltung werden zu lassen. Auch Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit bat um Sensibilität. Der Zentralrat der Juden in Deutschland verlangte ergänzende Kommentierungen zu den Verbrechen Hitlers.
Inszenierung im Kriegsbunker
All diesen Bedenken zum Trotz zeigen die Verantwortlichen von Tussaud den Diktator nun in gruselig-schaurigem Ambiente. Die Hitler-Figur sei in ihrer Show wichtiger historischer Persönlichkeiten unverzichtbar. Immerhin gibt es auch einige erläuternde Tafeln zum geschichtlichen Hintergrund. Und bevor der Besucher vor Hitler steht, trifft er auf eine Figur der Münchner Studentin und Widerstandsikone Sophie Scholl, eines der unzähligen Opfer des Diktators.
Kult von Rechtsradikalen befürchtet
Auch den Berliner Hitler selbst hält man bei Madame Tussauds für gelungen. "In seinem Gesichtsausdruck ist zu sehen, dass er kurz vor dem Ende ist", sagt Stefan Wessels. Der 32-Jährige verantwortet die Figurenpflege und die Ausstellungstechnik im Berliner Kabinett. Mangelnde Sensibilität wollen sich die Veranstalter keinesfalls nachsagen lassen. So herrscht striktes Fotografierverbot. "Aus Respekt vor den Millionen Opfern Hitlers", sagt die Verantwortliche für das Marketing, Natalie Ruoß. Und vielleicht auch, damit sich nicht Rechtsradikale mit der Hitler-Figur ablichten lassen. Zudem wachen Mitarbeiter darüber, dass niemand der Figur zu nahe tritt.