07.09.2011, 14:54 Uhr | Von Anja Sokolow
Klaus Seiler in seinem Keller in Berlin-Rudow: "Die Pumpe läuft die ganze Zeit." (Quelle: dpa)
Wird Berlin bald Bad Berlin? Das Grundwasser ist für die Hauptstädter Fluch und Segen zugleich: Die Metropole kann sich fast vollständig mit Trinkwasser aus dem eigenen Stadtgebiet versorgen. Doch weil die Berliner seit Anfang der 1990er Jahre immer weniger Wasser verbrauchen, steigt das Grundwasser teilweise wieder auf das vorindustrielle Niveau an - und überschwemmt hunderte von Kellern.
Als Klaus Seiler aus dem Urlaub heimkehrte, war der Schock groß. "Obwohl die Pumpe im Keller die ganze Zeit lang gelaufen war, stand das Wasser 15 Zentimeter hoch", erzählt der 69-Jährige. Seiler lebt in Berlin-Rudow, in einem Urstromtal, das quer durch Berlin läuft. Hier steht das Grundwasser besonders hoch, etwa drei Meter unter der Erdoberfläche. In Feuchtgebieten gibt es sogar nur noch 50 Zentimeter Abstand.
Jahrzehntelang war das Grundwasser für Seiler kein Problem, denn das benachbarte Wasserwerk Johannisthal sorgte für einen niedrigen Spiegel. Doch seit es nicht mehr mit voller Leistung arbeitet, steht bei Seiler und den Nachbarn das Wasser immer wieder im Keller. Schadenersatzklagen gegen das Land blieben erfolglos. Als Notmaßnahme hat die Verwaltung Brunnen in die Siedlung gebaut, damit nicht alle Häuser absaufen. Den Steuerzahler kostet das jährlich 300.000 Euro.
Die Siemens AG greift seit Jahren zur Selbsthilfe. Das Wasserwerk Jungfernheide wurde 2001 stillgelegt, was sich schnell im Industrie- und Gewerbegebiet Siemensstadt bemerkbar machte. Auf eigene Kosten lässt das Unternehmen nun das Wasserwerk bei Bedarf weiter arbeiten. Die Verwaltung hat den Bau eines eigenen Wasserwerks genehmigt. Das sei für das Unternehmen günstiger, erklärt der Geologe Alexander Limberg von der Umweltverwaltung.
"Berlin ist dicht am Wasser gebaut. Das Ganze hier war einmal eine Sumpflandschaft", sagt Limberg. Von seinem Büro aus schaut er auf die Spree, die etwa drei Meter tiefer verläuft als die Straße. "So hoch steht auch das Grundwasser im Zentrum", erklärt er. "Der Kurfürsten- oder der Siemensdamm wurden einst als Dämme errichtet, damit man überhaupt trockenen Fußes durch die Stadt kam."
Während Berlin wuchs und die Industrie boomte, trocknete die Sumpflandschaft immer mehr aus. Jahrzehntelang wurde großflächig der Grundwasserspiegel gesenkt, bevor gebaut wurde. Anfang der 1980er musste das Grundwasser sogar mit Wasser aus Havel und Spree künstlich wieder angereichert werden, damit die Baumstämme, auf denen viele Häuser stehen, nicht verrotten.
Die Wende kam Anfang der 1990er Jahre mit der Schließung vieler Industriebetriebe und dem deutlich sparsameren Umgang mit Wasser. Wurden 1989 in Berlin noch 378 Millionen Kubikmeter Wasser gefördert, waren es 2010 nur noch 207 Millionen Kubikmeter. "Wir verkaufen Jahr für Jahr Millionen Kubikmeter Wasser weniger", sagt der Sprecher der Berliner Wasserbetriebe, Stephan Natz. Die Talsohle ist noch nicht erreicht, da sind sich die Experten einig.
Die Wasserbetriebe dürfen nur so viel Wasser fördern, wie sie verkaufen - das macht sich bemerkbar. Das Grundwasser stieg allein von 1989 bis 2002 in weiten Teilen der Stadt um einen halben Meter, in der Nähe von Wasserwerken sogar um drei Meter. Starke Regenfälle tun ihr Übriges.
Die Wasserbetriebe lassen derzeit neun Wasserwerke arbeiten, um die Stadt einigermaßen trocken zu halten, sagt Natz. Eigentlich würden drei Werke reichen. "Wir können das Problem aber nicht lösen. Da wird sich die Stadt was einfallen lassen müssen", erklärt er. Unternehmen der Wohnungswirtschaft sprechen momentan von rund 900 Gebäuden, die jetzt schon unter zu hohem Grundwasser leiden.
Natz hat schon eine Idee: Man könne neue Kanäle und Brunnen anlegen und Grundwasser hinein pumpen und es in die Flüsse zu leiten. "Wir sind Bad Berlin, wir müssen es nur erkennen." Aus Limbergs Sicht ist diese Idee "unrealistisch" und wegen des bestehenden Wassergesetzes unmöglich. "Man muss einfach sicher bauen", sagt er.
Ratgeber: Keller entfeuchten
Quelle: dpa
contra schrieb:
am 1. September 2011 um 20:24:39
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Sumpf-Berlin
Ist die deuitsche Hauptstadt nicht schon immer ein einziger großer Sumpf?
Wie viele Sumpfblüten hat dieser Sumpf in den
letzten fünfzig Jahren den nicht schon getrieben?? Die alle aufzuzählen , würde den Rahmen eines Forums sprengen.
Trotzdem fühle sich in diesem Sumpf einige Sumpfblüten ganz besonders wohl, Namen nennen ist wohl überflüssig. Jeder kennt sie, keiner mag sie und
trotzdem werden sie wieder gewählt, die Sumpfblüten.
Wenn Berlin absäuft, sitzen sie dann auf einem trockenen Plätzchen
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N. ter Beil schrieb:
am 1. September 2011 um 20:09:18
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(2)
Berlin
Unter diesen Umständen ist eine Gefahrenzulage für den Dienst in Berlin zwangsläufig fällig und zwar alternativlos.
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goldfisch schrieb:
am 1. September 2011 um 19:56:04
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berlin
schade für die bürger doch ich glaube kaum es würde jemand etwas ausmachen,wenn unser politker mit versinken würden.
wäre mal
schön zu sehen wie den das wasser bis zur nasenspitze steht,
vieleicht kämen sie dann wieder zurück in realität.
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