12.10.2010, 16:35 Uhr
Die lange Zeit unter Tage hat die 33 Bergleute nachhaltig geprägt und wird auch ihr weiteres Leben bestimmen, sagen Psychologen (Foto: Reuters)
Der Countdown für die Rettung der 33 verschütteten Bergleute läuft: Die Tests mit der Kapsel "Phönix" an der Mine in Chile waren erfolgreich, der Termin für den Startschuss konnte jetzt sogar nach vorne verschoben werden: auf Mittwoch um ein Uhr unserer Zeit. Der Psychologe Sergio Gonzalez von der Universität in Santiago ist überzeugt: "Diese Leute, die vom Grund der Mine heraufkommen, sind andere Menschen geworden - und ihre Familien auch."
Über die Kumpel wird nach der Bergung alles auf einmal hereinbrechen: Die Wiedersehensfreude mit ihren Angehörigen, der Jubel über die Rettung, die Anteilnahme der gesamten Nation und internationalen Öffentlichkeit. Sie sind in den Präsidentenpalast eingeladen, bekommen Angebote, für viel Geld ihre Geschichte exklusiv für Medien, Bücher und Filme zu erzählen. "Ihr Leben wird sich völlig ändern", so Gonzalez. "Bevor sie Helden sind, sind sie erst einmal Opfer."
Laut Zeitplan soll die Rettungsaktion in der Nacht zum Mittwoch starten. Zunächst soll ein Sanitäter in die Tiefe abgelassen werden. Er und drei weitere Kollegen von der Marine sollten die Lage sondieren, letzte Details zur Reihenfolge klären und den Bergleuten die Kapsel erklären. Insgesamt 16 Männer hielten sich für diese Aufgabe bereit.
Die 33 Bergleute hätten zur Vorbereitung eine Diät mit erhöhtem Salzgehalt bekommen, damit sie mehr trinken und damit besser auf die Auffahrt vorbereitet seien, erklärte Gesundheitsminister Jaime Mañalich. Zu den möglichen Schwierigkeiten bei der Rettungsaktion gehört, dass ein Kumpel bei der schnellen Fahrt nach oben in der nur etwa schulterbreiten Kapsel kollabiert. Da für jeden Kumpel mit Einstieg, Fahrt, Ausstieg und erneutem Herablassen der Kapsel rund eine Stunde veranschlagt wird, soll es fast zwei Tage dauern, bis der letzte der 33 Kumpel gerettet ist.
"In einem Jahr werden sie ein zufriedeneres Leben führen als vor dem Grubenunglück am 5. August", sagte der Chefpsychologe des Rettungsteams, Alberto Iturra. "Sie haben dem Tod ins Auge geschaut und werden am Tag der Rettung so etwas wie eine Wiedergeburt erleben."
Er habe sich fast täglich über eine Sprechverbindung mit den Eingeschlossenen unterhalten. Am wichtigsten sei es, dass die Bergleute seit dem 5. August in der Tiefe die Erfahrung gemacht hätten, dass in Chile niemand aufgegeben werde und sie mit Hilfe rechnen konnten, so Iturra. Der Schlüssel zum Erfolg bei der Stabilisierung der anfangs deprimierten Kumpel sei es gewesen, die psychologische Notbetreuung in eine Art Beschäftigungstherapie umzuwandeln. "Für sie war es von da an einfach eine extrem lange Schicht".
Wichtig war dabei die Einführung und Befolgung einer Tagesroutine, die sich in Zeiten des Schlafens, der Arbeit und von Freizeit unterteilte. Ein Zeichen seelischer Gesundheit war dabei für Iturra, dass die Bergleute trotz der harten Lebensumstände unter Tage ihren Humor und ihre Höflichkeit bewahrt hätten. "Sie halten sich sauber und machen sich extra schick, wenn sie über das Bildtelefon mit ihren Frauen sprechen."
Es habe aber auch viele schwierige Augenblicke während der monatelangen Betreuung unter Tage gegeben. Die Sehnsucht nach ihren Kindern, Eltern und Frauen sowie komplizierte Liebesverhältnisse hätten den Eingeschlossenen und deren Angehörigen sehr zugesetzt.
Der erste Sanitäter werde voraussichtlich schon am Dienstag um 20 Uhr Ortszeit (Mittwoch 1 Uhr MESZ) zu den 33 Eingeschlossenen heruntergelassen, teilte die Regierung mit. Ursprünglich sollte die Aktion etwa um Mitternacht Ortszeit (5 Uhr MESZ) beginnen. Es handele sich aber immer noch um eine Schätzung, da der Beginn davon abhänge, ob der Beton des Fundaments für einen Kran ausreichend ausgehärtet sei. Der Kran soll die 33 Kumpel aus mehr als 600 Metern Tiefe in einer Stahlkapsel einzeln an die Oberfläche ziehen, sagte der Ingenieur René Aguilar.
Für die Rettung eines jeden Bergmanns sind etwa 55 Minuten veranschlagt. Die Rettungskapsel "Phönix" brauche etwa 20 Minuten, um nach unten gelassen zu werden. Dann würden etwa 20 Minuten für das Einsteigen erwartet und weitere 15 Minuten für das Hochziehen.
Der Sanitäter soll in der Tiefe den Zustand der Kumpel beurteilen und diese für die Bergung vorbereiten. Drei weitere Spezialisten werden ebenfalls nach unten gelassen. In die Kapsel nach oben steigt dann wiederum jeweils ein Kumpel.
Gleich nach ihrer Rettung sollen die Bergleute dann schon bei der Polizei antreten: Nach der medizinischen Erstversorgung sollen ihnen noch an der Mine die Fingerabdrücke abgenommen werden. "Es läuft ein Ermittlungsverfahren wegen eines möglichen Unglücks", sagte der Polizeipräfekt Luis Mardones. In diesem Zusammenhang würden die Fingerabdrücke zur Identifizierung benötigt, betonte der der Polizist.
Das Drama unter Tage hatte am 5. August begonnen. Mehr als zwei Wochen dauerte es, bis die Verschütteten nach dem Einsturz entdeckt und über Schächte versorgt wurden. Noch nie waren Menschen so lange Zeit in so großer Tiefe gefangen. Die Aktion zu ihrer Rettung ist die längste und aufwändigste, die je im Bergbau vorgenommen wurde.
Quelle: dpa , dapd
Momo schrieb:
am 12. Oktober 2010 um 19:40:15
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Bergleute von Chile
Ich kenne diese Menschen nicht,aber ich freue mich als wäre es mein eigener Bruder dem man das Leben rettet . Ein ganz
großes Danke an alle die geholfen haben und mögen sie bald wieder bei ihren Angehörigen sein ! :-)
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Badische Hausfrau schrieb:
am 12. Oktober 2010 um 18:21:19
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Kumpel in Chile
Das Wunder von Lengede wird sich in wenigen Stunden hoffentlich wiederholen. Ich denke an alle Bergleute und ihre Familien
und bete im Stillen für sie. Ich wünsche Ihnen alles erdenklich Gute und bestes Gelingen bei der Rettung.
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andy schrieb:
am 12. Oktober 2010 um 17:54:39
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wird zeit
GLÜCK AUF
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