09.09.2007, 14:21 Uhr | Von Carola Frentzen und Christian Fürst, dpa
Als Reise mit jubelnden Menschenmengen und begeistertem Massenandrang wird die Österreich-Visite von Benedikt XVI. nicht in die Geschichte eingehen. Und das ist auch, aber sicher nicht vorwiegend auf den ungemütlichen Dauerregen in der Alpenrepublik zurückzuführen. Politische Themen wie Abtreibung, Sterbehilfe und die christlichen Wurzeln Europas standen im Mittelpunkt des dreitägigen Besuchs: Der Papst gab sich als überzeugter Missionar, der gekommen war, um die Katholiken in der säkularen Welt zu bestärken. Was vielen resignierten Gläubigen dabei aber fehlte, waren aufmunternde, mitreißende Worte und Gesten.
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Pompöser Empfang
Irgendwie wollte keine rechte Stimmung aufkommen - obwohl Österreich keine Kosten und Mühen gescheut hatte, um dem Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche einen pompösen Empfang zu bereiten. In der Wiener Innenstadt waren überall Mega-Leinwände aufgebaut, auf denen die wichtigen Events live übertragen wurden und an allen Ecken und Enden prangten das Wappen und die Farben des Vatikans. Dennoch: "Das Talent der Kirche, große Events um einen Papst zu inszenieren, wie es zu Zeiten des charismatischen Vorgängers üblich war, scheint verloren gegangen zu sein", kommentierte die Sonntagszeitung "Österreich".
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Begeisterung kam nicht auf
Immerhin ging es in der Alpenrepublik bunt zu: Nicht nur die Gläubigen im Wallfahrtsort Mariazell und in Wien waren bei den Großereignissen in leuchtende Plastik-Regenmäntel gehüllt, auch Benedikt selbst präsentierte sich in sehr auffallenden, eigens für den Besuch angefertigten Messgewändern. Die Farbenpracht konnte freilich nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Grundstimmung eher nüchtern war und ein echtes Papstfieber einfach nicht aufkommen wollte. In Mariazell wurden die Pilger gar auf Video-Wänden dazu aufgerufen, lautstarke Benedetto-Rufe anzustimmen - spontanen Enthusiasmus gab es wenig.
"Echt cool"
"Wir dürfen nicht mehr den Erfolg einer Papst-Reise an den großen Massen messen, wie es zu Zeiten von Johannes Paul II. geschah. Karol Wojtyla bewegte große Menschenmengen, Benedikt XVI. nicht", zitierte die österreichische Nachrichtenagentur APA einen Journalisten der katholischen Zeitschrift "Famiglia Cristiana". Und so kamen am Samstag auch nur 30.000 Menschen nach Mariazell, um den Papst zu sehen. Immerhin bezeichneten aber mehrere junge Wienerinnen, die am Sonntag vor dem Stephansdom ausgeharrt hatten, den Papst als "echt cool".
Widerstand aus der Politik
Ursprünglich hatte Benedikt XVI. seinen Österreich-Besuch als reine Pilgerreise deklariert. Stattdessen gab er sich jedoch sehr politisch und packte viele heiße Eisen an. "In präziser Abstimmung mit den österreichischen Bischöfen setzte der Papst auch politische Markierungen für die Position der Kirche im Staat", meinte die Zeitung "Kurier". Dies wiederum stieß bei Politikern im Land teilweise auf starken Widerstand, seine Worte zum Thema Abtreibung lösten Ärger und heftige Diskussionen aus.
Erfolg der Reise eher fraglich
Ob die Reise dazu beitragen konnte, die vielen kirchenmüden Österreicher wieder für den Katholizismus zu begeistern, ist fraglich. Der Religionswissenschaftler Heinz Nussbauer sagte: "Was die Kirche braucht, ist das Wort an die vielen, die christlich geprägt sind, aber der Kirche als Institution fernstehen." Dazu aber habe die Papstreise sicher nur bedingt beitragen können, meinte ein Beobachter in Wien.
Quelle: t-online.de
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