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Benedikt ist da: Sind wir noch Papst?

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Sind wir noch Papst? Streit und hohe Erwartungen vor Besuch Benedikts

22.09.2011, 08:28 Uhr

Bundespräsident Wulff und seine Frau empfangen Papst Benedikt XVI. auf Schloss Bellevue in Berlin (Quelle: dpa)

Bundespräsident Wulff und seine Frau empfangen Papst Benedikt XVI. auf Schloss Bellevue in Berlin (Quelle: dpa)

Der Papst ist da. Benedikt XVI. ist zu seinem Deutschland-Besuch in Berlin gelandet. Das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche beginnt am Donnerstagvormittag in Berlin seinen viertägigen Besuch. Ab 10.30 Uhr empfingen Bundespräsident Christian Wulff und Bundeskanzlerin Angela Merkel den Pontifex auf dem Flughafen Berlin-Tegel. Am Nachmittag hält der Papst eine Rede im Bundestag, die zahlreiche Abgeordnete boykottieren wollen. Am Abend feiert Benedikt einen Gottesdienst im Berliner Olympiastadion. Kritiker des Papstes haben Protestaktionen und Demonstrationen angekündigt. Für alle Besuchsziele gilt die höchste Sicherheitsstufe.

Der Papst selbst sieht die Proteste gegen seinen Deutschlandbesuch und die Boykottaufrufe gegen die Rede im Bundestag gelassen. "Das ist normal in einer freien Gesellschaft", sagte er am Donnerstag im Flieger auf dem Weg nach Berlin. Dagegen sei nichts zu sagen, wenn man es denn auf zivile Weise tue. "Ich komme freudig nach Deutschland", fügte er hinzu. "Ich bin in Deutschland geboren, die Wurzel kann und soll nicht abgeschnitten werden." Dies gelte auch, da er nun die oberste Verantwortung für die Weltkirche trägt.

Nach seiner Rede im Bundestag besucht der Papst das Schloss Bellevue, den Amtssitz des Bundespräsidenten, und kommt mit Kanzlerin Merkel zu einem Meinungsaustausch zusammen.

Video
Berlin: Papst Benedikt XVI. startet Deutschland-Besuch

Die viertägige Reise führt das katholische Kirchenoberhaupt auch nach Erfurt und Freiburg. zum Video

Am Freitag trifft sich der 84 Jahre alte Papst mit führenden Protestanten in Erfurt. Das ökumenische Gespräch findet im Augustinerkloster statt, wo der Reformator Martin Luther vor 500 Jahren als katholischer Mönch lebte. Außerdem besucht Benedikt XVI. einen Marienwallfahrtsort im thüringischen Eichsfeld und am Wochenende Freiburg.

Hohe Erwartungen an Papst-Rede

Viele Gläubige erwarten vom Papst Aussagen zur Ökumene und zu der Frage, ob Wiederverheiratete zur Kommunion gehen dürfen. Bundespräsident Christian Wulff hofft, dass die Kirche ihr Verhältnis zu geschiedenen und wiederverheirateten Katholiken ändert: "Die Millionen Menschen, die in konfessionsverschiedenen Ehen leben, und die Millionen wiederverheirateten Katholiken, aber auch viele andere Gruppen erwarten...befreiende Botschaften", sagte der geschiedene und wiederverheiratete Katholik Wulff der Wochenzeitung "Die Zeit". Die katholische Kirche verweigert bisher wiederverheirateten Geschiedenen die Teilnahme an der Kommunion.

Video
Aktionsbündnis gegen den Papst geht in Stellung

In der Berliner Zentrale des Schwulen- und Lesbenverbandes laufen die Vorbereitungen für die Anti-Papst-Demo auf Hochtouren. zum Video

Papst-Boykott im Parlament

Gegner des Papstbesuchs protestieren gegen die Ausgrenzung Homosexueller durch den Vatikan und die Rede des Kirchenoberhaupts im Parlament. Der geplante Boykott durch etwa 100 der 620 Parlamentarier stößt bei Spitzenpolitikern von SPD und CDU auf Unverständnis. Die katholische SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles sagte der "Neuen Westfälischen", die Abgeordneten hätten schon vielen anderen Gastrednern zugehört, "etwa Wladimir Putin und George W. Bush". Diesen Respekt "sollten wir auch dem Papst zollen".

"Religiöse Neutralität" gefährdet

Inhaltlich wünscht sich Nahles, dass der Papst zur Finanzkrise, zu den Kapitalmärkten und der "hemmungslosen Profitgier" kritische Worte finde. Der Rede des Papstes wollen Abgeordnete von SPD, Grünen und Linken fernbleiben, weil sie seinen Auftritt für unvereinbar mit der religiösen Neutralität des Staates halten.

T-Online Panel
Der Papst besucht seine alte Heimat
 (Quelle: dpa)

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Auch der Grünen-Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele lehnt den Auftritt des Papstes im Parlament ab. "Der Papst hat keine besonderen Verdienste, dass er von den Vertretern des deutschen Volkes geehrt werden sollte." Ohnehin hätten Kirchenführer im Parlament nichts verloren, sagte er der "Mitteldeutschen Zeitung".

Sein Verhalten während der Rede des Papstes will Ströbele auch von dessen Kleidung abhängig machen. "Ich werde mir das angucken - wie der Papst gekleidet ist, ob er eine Mitra aufhat oder was auch immer. Es gibt Grenzen dessen, was ich mir zumute." Die Mitra ist die Kopfbedeckung der Bischöfe.

Grüner Özdemir ist gegen Papst-Boykott

Grünen-Chef Cem Özdemir forderte dagegen die Abgeordneten zu einem respektvollen Umgang mit dem Papst auf und stellte sich damit gegen Boykottaufrufe. "Ich freue mich auf die Rede des Papstes im Bundestag und werde sie gespannt verfolgen", sagte Özdemir der "Stuttgarter Zeitung". "Der Bundestag hat den Papst eingeladen, und man sollte ihm in der Tradition guter Gastfreundschaft freundlich und höflich begegnen."

Merkel würdigt Bedeutung der Kirche in Gesellschaft

Die Kanzlerin hob kurz vor dem Papstbesuch die Bedeutung der beiden christlichen Kirchen hervor. Ohne die Kirche würde Deutschland nicht nur "spirituell verarmen, sondern wäre auch sozial kälter", sagte Merkel am Mittwoch bei einem Empfang in der CDU-Parteizentrale in Berlin. Die christlichen Kirchen seien "sinnstiftend und bedrohen nicht den säkularen Staat". Sie erhoffe sich vom Besuch des Papstes "Orientierung in diesen gewiss nicht leichten Zeiten", sagte Merkel.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, nannte die beiden christlichen Kirchen "Pfeiler der Gesellschaft". Wer die Rede des Papstes im Bundestag nicht hören wolle, solle doch "gleichwohl prüfen, ob die Kirche nicht doch zum gesellschaftlichen Zusammenhalt beitrage".

Manche Vorwürfe der Demonstranten gegen den Papst-Besuch kämen ihm "überzogen und kurzschlüssig" vor, sagte Zollitsch. Er erwarte, dass auch die Kritik an dem Besuch "des Gastes würdig ist, für den unzählige Menschen in aller Welt Verehrung und Zuneigung empfinden".

Meisner: Papst-Boykott ist "engstirnig"

Zuvor hatten bereits mehrere deutsche Bischöfe den von etwa hundert Oppositionsabgeordneten geplanten Boykott der Papst-Rede als ungehörig und blamabel kritisiert. "Das ist so kleinkariert, und das ist so engstirnig, dass man nur darüber lachen oder weinen kann", sagte der Kölner Erzbischof Joachim Meisner. "Und dass die im Bundestag sitzen, ist kein Qualitätsmerkmal für diese hehre Vertretung unseres Volkes." Das Christentum sei die Wurzel der europäischen Kultur und kein Störenfried.

Lammert bleibt gelassen

Bundestagspräsident Norbert Lammert sieht den Boykott dagegen gelassen. Dies gehöre zu einer freiheitlichen Gesellschaft und einem frei gewählten Parlament, sagte er dem Internetportal "katholisch.de". Und: "Ich habe keinen Anlass daran zu zweifeln, das der Deutsche Bundestag bei der Rede des Papstes nicht nur gut gefüllt, sondern überfüllt sein wird, und stelle mit einem gewissen Amüsement fest, dass die Zahl der Beteiligungswünsche bei diesem Ereignis die Zahl der kritischen Einwände um ein vielfaches überbietet."

Höchste Sicherheitsstufe beim Papst-Besuch

Für den Papst-Besuch gelten höchste Sicherheitsvorkehrungen. So muss sich ein einstiger Terrorhelfer der islamistischen Sauerland-Gruppe von Benedikt XVI. fernhalten und deshalb seinen Wohnort Freiburg verlassen. Das hat das Düsseldorfer Oberlandesgericht angeordnet, gab ein Gerichtssprecher bekanntgab. Der 26-Jährige war als erster und bislang einziger Verurteilter im vergangenen Juli unter Bewährungsauflagen aus der Haft entlassen worden.

Wenn der Papst ins Berliner Olympiastadion fährt, darf auch nicht aus Fenstern von Wohnungen entlang der gesperrten Strecke gewunken werden. "Aus Sicherheitsgründen", sagte ein Sprecher der Berliner Polizei. "Sollten Fenster offen stehen, werden wir hingehen und bitten, sie zu schließen." Die Berliner Polizei sei mit einem Großaufgebot beim Besuch von Papst Benedikt XVI. in der Hauptstadt im Einsatz. Genaue Zahlen wurden aber nicht genannt.


Quelle: dpa

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Kommentare (725)

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Thema: "Benedikt ist da: Sind wir noch Papst?"

Gewissen schrieb: am 22. September 2011 um 14:06:44
(63) (28) Vatikan
Wer ein wenig Geschichte kennt, weiß, dass der Vatikan kein Staat von Gottes Gnaden, sondern von Mussolinis Gnaden ist. Und wer das
Neue Testament gelesen hat, weiß, dass im Vatikan sich alle Antichristen versammelt haben.
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papstfan schrieb: am 22. September 2011 um 14:02:41
(76) (79) papstbesuch
Die protestierenden Abgeordneten sollte man rausschmeißen und die Partei schon gar nicht mehr wählen. Wo steht Deutschland
eigentlich? Mädchen, die Gesangwettbewerbe gewinnen, Sportler etc. werden von höchsten Politiken empfangen, in Deutschland bejubelt. Diktatoren finden Gehör, aber ein Papst, aus DEUTSCHLAND! wird krisitiert. Er muss nicht jedem gefallen, verdient aber Respekt und die Möglichkeit, Menschenwürde zu vertreten. Unmoral, hier Thema kann ja auch pro und kontra diskutiert werden!
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Wider dem Zeitgeist schrieb: am 22. September 2011 um 14:01:44
(34) (55) Sind wir noch Papst?
Einem Großteil der Kommentatoren ist leider weder der Intellekt in die Wiege noch der Respekt gegenüber den
Weltreligionen aller Coleur gelehrt worden. Stattdessen irrlichtern diese in ihrem geistig-moralisch armseligen Dasein umher und/oder streben in manischer Weise ihre psychosoziale Selbstbefriedigung in Form des pseudo-aufgeklärten Gutmenschendünkels an. Aber sei' s drum - die Weltreligionen werden auch das Zeitalter des Dumpfbackentums unbeschadet überdauern.
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