19.04.2010, 15:23 Uhr | AFP, dpa, apn, t-online.de
Wieder steht der Flugverkehr nahezu still - diesmal bis mindestens Montagmorgen (Foto: dpa/Reuters)
Die Deutsche Flugsicherung (DFS) hat am Sonntagabend ein Flugverbot für alle internationalen Flughäfen bis mindestens 20 Uhr am Montag beschlossen. Ausnahme waren die beiden Berliner Flughäfen Berlin-Tegel und Berlin-Schönefeld, die am Sonntag noch bis 22 Uhr von einer am Nachmittag verkündeten Lockerung des Flugverbots profitieren sollten.
Am Sonntagnachmittag hatte die DFS zwischenzeitlich an sieben der 16 internationalen Airports den Flugbetrieb erlaubt, um Passagiere zumindest in diesem Zeitfenster befördern zu können. In Berlin-Schönefeld, Berlin-Tegel, Erfurt, Leipzig, Hannover sowie Frankfurt und Frankfurt-Hahn waren An- und Abflüge Richtung Osten bis Sonntagabend möglich. Nach Angaben des Deutschen Reiseverbands (DRV) konnten am Wochenende rund 150.000 deutsche Pauschalreisende weder nach Hause noch an ihre Ferienziele fliegen.
Grund für die teilweise Lockerung des Flugverbots waren dem deutschen Wetterdienst zufolge unterschiedliche Aschekonzentrationen am Himmel. "Man darf sich die Wolke nicht als statischen Block vorstellen", sagte DFS-Sprecherin Ute Otterbein t-online.de. "Diese Wolke wabert in verschiedene Richtungen." Aufgrund neuer Wetterinformationen würden daher auch Flüge in Richtung Osten bis auf weiteres wieder untersagt.
Die irische Fluggesellschaft Ryanair sagte alle Flüge in Deutschland und 13 anderen Staaten bis Mittwoch um 13 Uhr ab. Betroffen seien auch die Flüge in Großbritannien, Irland, Dänemark, Finnland, Norwegen, Schweden, Belgien, Holland, Frankreich, Deutschland, Polen und in den baltischen Staaten. Die Streichung bis Mittwochmittag solle Passagieren Zeit zum Umbuchen oder Stornieren geben, teilte die Airline am Sonntag in Dublin mit. Ryanair-Flüge von Spanien, den Kanaren und Balearen sowie Süditalien (Pisa, Rom, Sardinien und Sizilien), Malta und Nord-Afrika würden nur auf inländischen und südlichen Flugrouten planmäßig fortgesetzt
Deutschlands größter Reiseanbieter TUI hatte bis Sonntagmittag rund 1000 Gäste von Ferieninseln auf das europäische Festland gebracht, von wo aus sie mit Bussen nach Frankfurt am Main gefahren wurden. Schwerpunkt der Aktion war Mallorca, wo 2800 TUI-Gäste zeitweise festsaßen. TUI zahlte die Übernachtungskosten gestrandeter Gäste von Freitag bis Montag. Andere Anbieter zahlten Zimmer nur bis Sonntagabend. Danach müssen Reisende für Übernachtungen selbst aufkommen und die Hälfte der Mehrkosten für den Rücktransport bezahlen. Außenminister Guido Westerwelle (FDP) wies alle deutschen Botschaften an, Reisenden in individuellen Notlagen konsularische Hilfe zu leisten.
Auch in Spanien wurden mehrere Flughäfen im Norden und Osten des Landes, darunter Barcelona, nach einer vorübergehenden Schließung am Sonntag wieder geöffnet, wie eine Sprecherin der spanischen Luftfahrtbehörde Aena mitteilte. Dies bedeute aber nicht, dass der Flugverkehr ab sofort wieder normal verlaufe, da es einen erheblichen Rückstau gebe und in vielen Ländern Europas immer noch ein Flugverbot bestehe. In Südfrankreich wurden am Sonntagnachmittag die Flughäfen Bordeaux, Marseille und Nizza bis Montag 15.00 Uhr wieder freigegeben, wie die Generaldirektion der Zivilen Luftfahrtbehörde mitteilte. Die Freigabe gelte auch für Flughäfen im Südwesten Frankreichs wie Toulouse, Pau, Montpellier, Biarritz und Perpignan, die ursprünglich bis Montagfrüh hätten geschlossen bleiben sollen, sagte eine Sprecherin.
Die nordfranzösischen Flughäfen einschließlich Paris sollten hingegen bis mindestens Dienstagmorgen geschlossen bleiben. Man werde versuchen, möglichst viel Verkehr über die südfranzösischen Flughäfen abzuwickeln, teilte Premierminister François Fillon am Sonntag nach einer Sondersitzung des Kabinetts mit. Testflüge sollten klären, ob es möglich sei, dafür Flugzeuge ohne Passagiere von Paris nach Süden zu verlegen.
Großbritannien verlängerte das Flugverbot in seinem Luftraum bis Montagmorgen 8 Uhr mitteleuropäischer Sommerzeit. Die meteorologischen Bedingungen im Umfeld der Aschewolke des isländischen Vulkans blieben wechselhaft, teilte die britische Luftfahrtbehörde am Sonntagnachmittag mit. Gemeinsam mit der Regierung, den Flughäfen und Fluggesellschaften werde weiterhin nach einer Lösung gesucht.
Seit Donnerstag waren im Luftraum Europas fast 63.000 Flüge gestrichen worden. Wie die europäische Luftfahrtbehörde Eurocontrol am Sonntag mitteilte, fielen allein am Sonntag fast 20.000 Flüge aus. Eurocontrol koordiniert den Flugverkehr in 38 europäischen Staaten, darunter allen 27 EU-Staaten.
Die Deutsche Bahn will auch am Montag ihr Angebot aufstocken: "Wir fahren mit allem, was wir haben", versicherte ein Konzernsprecher am Sonntagabend. Zudem werde an den Bahnhöfen wie schon am Wochenende wieder mehr Personal eingesetzt als üblich. Weil der Flugverkehr über Deutschland wegen der Aschewolke aus Island seit Tagen lahm liegt, waren Bahnhöfe und Züge schon am Wochenende überfüllt. Reisenden, die ihre Fahrt nicht unbedingt am Montagmorgen antreten müssen, empfiehlt die Bahn ein Ausweichen auf die Mittagsstunden. Am Montagmorgen ist der Andrang bei der Bahn traditionell sehr groß.
Zu den Opfern des Flugverbots zählte auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Sie hatte auf der Rückreise aus den USA wegen der Aschewolke zunächst am Freitag in Lissabon und dann in Rom landen müssen. Von dort fuhr sie mit dem Auto am Sonntag nach Berlin. Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) fuhr Medienberichten zufolge im Auto von Istanbul, wohin er verletzte deutsche Soldaten begleitet hatte, zurück nach Deutschland.
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Quelle: dapd , dpa , AFP
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