05.07.2011, 19:05 Uhr
Die EHEC-Epidemie in Deutschland ist nach Behördenaussagen aufgeklärt (Foto: Reuters)
Die Ursache für die außergewöhnliche EHEC-Epidemie in Deutschland ist nach Ansicht der Gesundheitsbehörden aufgeklärt. Bestimmte Lieferungen von aus Ägypten stammenden Bockshornkleesamen seien mit "hoher Wahrscheinlichkeit" für den Ausbruch verantwortlich, teilten die zuständigen Behörden mit. Diese sollen demnach auch Auslöser für die jüngst aufgetretenen EHEC-Fälle in Frankreich sein. Die EU verhängte ein Einfuhrverbot für sämtliche ägyptische Samen und Bohnen. Zudem sollen alle Lieferungen von diesen Samen aus der Zeit zwischen 2009 und 2011 vernichtet werden, wie die Kommission in Brüssel mitteilte.
Die aus Ägypten importierten Samen gingen den Angaben zufolge über Zwischenhändler zur Sprossenherstellung an den Betrieb im niedersächsischen Bienenbüttel, der als Ausgangspunkt für die EHEC-Erkrankungen in Deutschland gilt. Die im Jahr 2009 produzierte Charge ging ebenfalls nach Frankreich. Auch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) zeigte sich daher überzeugt, dass die Lieferung die "wahrscheinlichste" Verbindung zwischen den Fällen in den beiden Ländern sei.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), das Robert Koch-Institut (RKI) und das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) empfehlen weiterhin, Sprossen nicht roh zu verzehren. Verbraucher sollten noch vorhandene Sprossensamen und Samenmischungen in den Müll werfen. Es sei möglich, dass mit EHEC kontaminierte Sprossensamen noch im Umlauf seien.
Bockshornkleesamen werden auch als Gewürz oder als Heilmittel eingesetzt. Bisher gebe es keinen Hinweis darauf, dass außer Sprossen auch andere aus den Samen hergestellte Produkte EHEC-Infektionen verursacht hätten, erklärten die Behörden. Es könne aber derzeit nicht ausgeschlossen werden, dass vereinzelte Erreger unter bestimmten Bedingungen auch in oder auf den Samen überleben könnten.
Derweil hat die Staatsanwaltschaft Oldenburg die Ermittlungen gegen die Verantwortlichen des Biohofs im niedersächsischen Bienenbüttel wegen der mit EHEC-Keimen belasteten Sprossen eingestellt. "Für den Fall, dass die Sprossen aus dem Betrieb in Bienenbüttel tatsächlich Herd der EHEC-Infektionen waren, wäre den Verantwortlichen des Biohofs dies jedenfalls strafrechtlich nicht vorzuwerfen", teilte eine Sprecherin der Behörde mit.
Es hätten sich keinerlei Anhaltspunkte dafür ergeben, dass die Geschäftsführer frühzeitig Kenntnis von einer Verunreinigung erhalten und die Sprossen trotzdem weiter vertrieben hätten, hieß es weiter. Da die Verantwortlichen des Hofs die gesetzlichen Anforderungen im Lebensmittelbereich erfüllt hätten und es eine Verpflichtung zur Überprüfung auf EHEC-Erreger nicht gebe, sei ihnen weder vorsätzliches noch fahrlässiges Verhalten nachzuweisen. Angezeigt hatte die Betreiber ein Mann aus Münster, der selbst nicht an EHEC erkrankt ist.
Der Biohof in Bienenbüttel südlich von Lüneburg ist weiterhin gesperrt. "Erst wenn alle Untersuchungen in Niedersachsen abgeschlossen sind, werden wir den nächsten Schritt machen", erklärte eine Sprecherin des Landwirtschaftsministeriums in Hannover. Dann könnte die Sperrung unter bestimmten Auflagen wieder aufgehoben werden. Dazu gehöre eine gründliche Desinfektion der Anlage.
An dem lebensbedrohlichen Darmkeim EHEC waren in Deutschland in den vergangenen Wochen tausende Menschen erkrankt. Mindestens 48 Patienten starben nach einer Infektion. Es handelt sich den Behörden zufolge um den bisher größten EHEC-Ausbruch in Deutschland. Die Zahl der Neuerkrankungen ist allerdings rückläufig. Der Erkrankungsgipfel war den Behörden zufolge bereits Mitte Mai erreicht.
Quelle: dapd , dpa , AFP
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