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BBC: Journalisten in Libyen festgehalten und gefoltert

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BBC: Journalisten in Libyen festgehalten und gefoltert

10.03.2011, 19:58 Uhr

BBC-Kameramann Goktay Koraltan berichtet von Misshandlung in libyschem Gewahrsam (Foto: Reuters)

BBC-Kameramann Goktay Koraltan berichtet von Misshandlung in libyschem Gewahrsam (Foto: Reuters)

Libysche Soldaten haben drei Journalisten der britischen BBC stundenlang festgehalten und brutal misshandelt. Wie der Sender mitteilte, wurden die Männer geschlagen und einer Scheinhinrichtung ausgesetzt, bevor sie freikamen. Auch ein brasilianischer Kollege ist wieder aufgetaucht. Ein Journalist des britischen "Guardian" wird dagegen noch immer vermisst.

Die drei BBC-Reporter - ein Palästinenser, ein Brite und ein Türke - wurden dem Sender zufolge am Montag an einem Kontrollposten zehn Kilometer südlich der umkämpften Stadt Sawija von libyschen Soldaten festgenommen. Anschließend wurden sie zu einer Kaserne gebracht und dort von Soldaten des libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi und Mitgliedern der Geheimpolizei misshandelt.

Geschlagen und getreten

Der Palästinenser Feras Killani sagte laut BBC, er sei mit einem Plastikschlauch und einem Stock geschlagen worden. Die Männer hätten ihn auch mit ihren Armeestiefeln getreten und mit den Knien attackiert. "Nachdem sie mich geschlagen hatten, haben sie mir eine Kapuze übers Gesicht gezogen und mit Klebeband fixiert", sagte Killani.

Sein britischer Kollege Chris Cobb-Smith berichtete in der BBC, er und seine Kollegen seien dann in einer Reihe an die Wand gestellt worden, um eine Hinrichtung zu simulieren. "Da stand ein Mann in Zivil mit einer Maschinenpistole und hat die Waffe an unsere Nacken gehalten." Dann habe er zwei Mal nahe an seinem Kopf vorbeigeschossen. "Die Kugeln sind an meinem Ohr vorbeigezischt. Die Soldaten haben nur gelacht." Der Türke Goktay Koraltan sagte, er habe geglaubt, die Soldaten wollten ihn und seine Kollegen töten und die Tat den Rebellen oder dem Terrornetzwerk Al-Kaida zuschieben. Er habe "große Angst" gehabt.

Frei nach 21 Stunden

Als alles vorbei war, hätten die Soldaten eine "regelrechte Charme-Offensive" gestartet und den Journalisten Zigaretten, Kaffee und Tee sowie Essen angeboten, sagte Cobb-Smith. Nach 21 Stunden in Gewahrsam kamen die Reporter laut BBC frei, alle hätten Libyen verlassen. Nach Angaben der Reporter wurden in der Kaserne auch andere Gefangene misshandelt.

Die BBC verurteilte das Vorgehen gegen ihre Journalisten und forderte die libysche Regierung auf, eine freie Berichterstattung für alle Medien zu gewährleisten. Das britische Außenministerium verurteilte die "abscheuliche Behandlung" des BBC-Teams.

Die UN-Menschenrechskommissarin Navi Pillay erklärte, die Behandlung der Journalisten komme Folter gleich. Dies sei "völlig inakzeptabel" und eine "ernsthafte Verletzung des Völkerrechts". Der Fall der Reporter zeige, welche Menschenrechtsverletzungen sich in Libyen abspielten.

Ein Journalist wird noch vermisst

Die Zeitung "The Guardian" teilte mit, ihr irakischer Reporter Ghaith Abdul-Ahad sei im Westen des Landes verschwunden. Am Sonntag habe es den letzten Kontakt zu Abdul-Ahad gegeben, der zusammen mit seinem brasilianischen Kollegen Andrei Netto von der Zeitung "O Estado de São Paulo" unterwegs gewesen sei. Dem Vernehmen nach wurde Abdul-Ahad festgenommen, weil er illegal nach Libyen eingereist sei.

Die Zeitung "O Estado de São Paulo" teilte inzwischen mit, ihr nach Libyen entsandter Frankreich-Korrespondent Netto sei wieder auf freiem Fuß. Er sei am Donnerstag aus der Gefangenschaft entlassen worden. Netto sei acht Tage lang in der Stadt Sabratha 60 Kilometer von der libyschen Hauptstadt Tripolis entfernt festgehalten worden, nachdem regierungstreue Truppen ihn festgenommen hatten. Er sei in guter Verfassung und befinde sich in der Residenz des brasilianischen Botschafters in Tripolis.


Quelle: AFP

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