Bayern: Gebeutelte CSU sehnt sich nach Edmund Stoiber
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Die CSU sehnt sich nach Edmund Stoiber
31.03.2008, 17:18 Uhr | Von Max Hägler, AFP
Imagewandel: Die CSU sehnt sicht wieder nach ihrem Ex-Parteichef (Quelle: ddp)Vom neuerdings unbeschwerten Skifahren schwärmte Edmund Stoiber jüngst in einem Interview. Und von James-Bond-Filmen, für die er jetzt - als pensionierter bayerischer Ministerpräsident - mehr Zeit hat. Doch Stoiber kommt nicht zur Ruhe. Besser gesagt: Die CSU lässt Stoiber nicht zur Ruhe kommen. Immer mehr Parteifreunde wollen den im vergangenen Herbst abgetretenen Parteichef und Landesvater, der 14 Jahre lang die Geschicke Bayerns lenkte, aus seinem Pensionärs-Dasein holen. Denn die Christsozialen sind unter Führung ihres neuen Tandems aus Parteichef Erwin Huber und Ministerpräsident Günther Beckstein in eine tiefe Krise gerutscht.
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"So schnell wie möglich"
Selbst die Schwesterpartei CDU ließ in Person des baden-württembergischen Landesgruppenchefs Georg Brunnhuber ausrichten, "jeden Tag zu beten", auf dass die CSU "so schnell wie möglich wieder zu ihrer alten Stärke findet". Und der ehemalige CSU-Generalsekretär und jetzige bayerische Europaminister Markus Söder analysiert im "Münchner Merkur", die Partei sei "verunsichert": "Es zahlt sich nicht aus, dem Zeitgeist hinterher zu laufen oder Entscheidungen aus einer Emotion heraus zu treffen." Es brauche "Erkennbarkeit statt Allerlei".
Zurück gerudert
Es ist klar, dass Söder - einst einer der engsten Stoiber-Vertrauten - damit direkt die Politik Hubers und Becksteins kritisiert, die eigentlich auch seine Chefs sind. In Windeseile hatten die beiden Neuen nach dem schlechten Kommunalwahlergebnis vom März etwa das scharfe Rauchergesetz entschärft und Änderungen in der Bildungspolitik angekündigt. An Ostern hatte Huber zudem völlig unerwartet die Wiedereinführung der Pendlerpauschale verlangt, die eigentlich auch von der CSU beerdigt worden war.
Nicht vom Himmel gefallen
Am kommenden Mittwoch will Stoiber höchstselbst an der Sitzung der CSU-Landtagsfraktion teilnehmen - auf der Tagesordnung steht unter anderem eine Aussprache zu den Kommunalwahlergebnissen. "Ich gehe davon aus, dass Stoiber kommt und sich natürlich einmischt, es gibt ja eine Schieflage bei uns", bestätigte der CSU-Landtagsabgeordnete Max Strehle. Allerdings könne Stoiber nicht als alleiniger Retter angesehen werden. "Die Landesbankgeschichten sind nicht plötzlich unter Beckstein vom Himmel gefallen und den Transrapid hat er uns auch eingebrockt", sagt Strehle.
In ihm rumort es
Es ist aber anzunehmen, dass der zum Ende seiner Amtszeit heftig kritisierte Stoiber einiges zu sagen hat. Er sei "in Sorge über das Erscheinungsbild der CSU", zitiert die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" eine Äußerung des Politpensionärs bei einer Vorstandssitzung des Parteibezirks Oberbayern. Unter anderem beklagte Stoiber demnach eine fehlende Linie der CSU. Sechs Monate vor der Landtagswahl sei es höchste Zeit, dass die CSU deutlich mache, für welche Ziele sie in der nächsten Legislaturperiode eintreten wolle. Und auch an der Klausur des Parteivorstands am Freitag wird Stoiber teilnehmen. Medienberichten zufolge folgt er damit Wünschen aus der Partei.
Völliger Rückzug?
Viele Aufgaben für den 66-jährigen Edmund Stoiber, der eigentlich nur noch CSU-Ehrenvorsitzender ist und sich derzeit - ebenfalls im Ehrenamt - um den Bürokratieabbau in der EU kümmert. Und vor allem sind es viele Aufgaben für einen Politiker, der sich nach der bayerischen Landtagswahl im September eigentlich völlig zurückziehen will. Am Freitag hatte Stoiber angekündigt, ab Herbst nicht einmal mehr als Landtagsabgeordneter zur Verfügung stehen zu wollen.
Er will ins Kino
Die Nachricht verschreckte viele in der sowieso schon angeschlagenen CSU noch mehr, gilt Stoiber doch als wichtigstes Zugpferd im Wahlkampf. Der oberbayerische CSU-Chef Siegfried Schneider kündigte denn auch an, Stoiber doch noch einmal zu einem Antritt überreden zu wollen. Doch der gibt sich zugeknöpft. Kein Wunder, würde Stoiber doch nach 40 Jahren gerne wieder einmal ganz privat ins Kino gehen, wie er jüngst dem "SZ-Magazin" verriet. "Kirschblüten - Hanami" mit Elmar Wepper soll es dann sein.