13.01.2011, 13:52 Uhr
Obama hat in Tucson in einem flammenden Appell die Amerikaner zu mehr Toleranz aufgefordert (Foto: dpa) (Quelle: dpa)
Nach dem Anschlag von Tucson und dem nachfolgenden Streit zwischen den politischen Lagern hat US-Präsident Barack Obama seine Landsleute zur Einheit und einem "zivileren Umgang" miteinander aufgerufen. In einer Zeit des polarisierten Redens sei es wichtig, innezuhalten und sicherzugehen, dass "wir auf eine Weise miteinander sprechen, die heilt, nicht verletzt", sagte Obama bei einer Trauerfeier in Tucson im US-Bundesstaat Arizona. Zuvor hatte er die Verletzten im Krankenhaus besucht und mit den Hinterbliebenen der Toten gesprochen.
Obama betonte in seiner Rede, niemand könne genau sagen, was die Ursachen des Attentats seien, und warnte vor "einfachen Erklärungen". "Statt mit dem Finger aufeinander zu zeigen oder Schuldzuweisungen zu machen", sollten die Menschen diesen Anlass daher nutzen, einander besser zuzuhören.
Nur ein "zivilerer und ehrlicherer" öffentlicher Diskurs könne den Amerikanern helfen, ihre Probleme anzugehen, sagte Obama in seiner hochemotionalen rund halbstündigen Rede, die auch im nationalen Fernsehen übertragen wurde. "Wir sind alle Amerikaner, und wir können die Ideen der anderen diskutieren, ohne ihre Liebe für ihr Land in Frage zu stellen", fügte der Präsident hinzu. "Wir sind vielleicht nicht in der Lage, alles Böse in der Welt zu stoppen, aber ich weiß, dass es ganz an uns selbst liegt, wie wir miteinander umgehen."
In seiner Rede würdigte der US-Präsident besonders das neunjährige Mädchen Christina Taylor Green, das bei dem Anschlag getötet worden war. "In Christina sehen wir alle unsere Kinder. So neugierig, so vertrauensvoll, so energiegeladen und voller Magie", sagte Obama, der selber zwei junge Töchter hat.
Bei dem Attentat am Samstag im Bundesstaat Arizona hatte der mutmaßliche Täter Jared Loughner sechs Menschen erschossen. 14 Menschen wurden verletzt, darunter die demokratische Abgeordnete Gabrielle Giffords.
Rund 14.000 Zuhörer in der Uni-Sporthalle von Tucson bedachten Obamas Appelle immer wieder mit Applaus und stehenden Ovationen. Der gedämpfte Ton der Trauerfeier wich nach und nach, an seine Stelle traten Jubelrufe. Diese fielen besonders laut aus bei Obamas Mitteilung, dass Giffords am Mittwoch erstmals ihre Augen geöffnet habe: "Sie weiß, dass wir heute hier sind, sie weiß, dass wir sie lieben." Obama hatte die Parteifreundin und andere Verletzte vor der Rede im Krankenhaus besucht.
Das Attentat vom vergangenen Wochenende hatte die USA schwer erschüttert. In vielen Medien wurde die Bluttat auch mit der aggressiven Rhetorik in der amerikanischen Politik in Verbindung gebracht. Die besonders scharf kritisierte Republikanerin Sarah Palin setzte sich am Mittwoch in einem Internetvideo gegen den Vorwurf der politischen Hetze zur Wehr. In der achtminütigen Ansprache erklärte die ehemalige Vizepräsidentschaftskandidatin, "hitzige Debatten" seien in den USA ein fester Bestandteil der politischen Tradition.
Quelle: dpa , AFP , dapd
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