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Barack Obama ein Jahr im Amt: Keine großen Patzer - aber der Lack ist ab

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Keine großen Patzer - aber der Lack ist ab

12.02.2010, 18:41 Uhr | Von Peer Meinert, dpa

Obama ein Jahr im Amt: Die Miene des US-Präsidenten ist ernster geworden, das strahlende Lächeln verschwunden (Foto: dpa) Ein Jahr im Amt: Obamas Miene ist ernster geworden, das strahlende Lächeln verschwunden (Foto: dpa)Der Zauber ist schnell verflogen: Ein Jahr ist neue Mann an der Spitze der USA im Amt, da hat die Realität Barack Obama längst eingeholt, der Alltag ihm Fesseln angelegt. Sogar die Gesichtszüge des Präsidenten haben sich verändert: Das strahlende Lächeln ist nicht mehr, die Lippen sind schmaler, die Miene ist ernster geworden. "Yes, we can" - schillernd und vage, vollmundig und scheinbar grenzenlos waren die Versprechungen, die den jungen Mann ins Weiße Haus brachten. Der erste schwarze US-Präsident, ein "zweiter Kennedy", ein Charismatiker, ein Menschenfänger - halb Amerika lag ihm zu Füßen, in Europa schäumte die Begeisterung noch höher.

RassismusAngst vorm schwarzen Mann im weißen Haus
AugenblickeEin Jahr Obama in Bildern

Selbst geschürt

Es sind diese himmelhohen Erwartungen, die er selbst schürte, die Obama heute unter Druck setzen, seine jetzt Popularität purzeln lassen. Dabei kann er durchaus Erfolge vorweisen, mit der Gesundheitsreform könnte ihm gar ein Triumph gelingen. Und vor allem: Ein wirklich großer Fehler, ein dicker Patzer ist Obama nicht unterlaufen - für das verflixte erste Jahr eines US-Präsidenten ist das eigentlich eine passable Bilanz.

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Der steilste Fall

Tief gespalten sind die Amerikaner heute, tief ist der Absturz des Präsidenten. Fast 70 Prozent der US-Bürger, so Umfragen, standen hinter ihm, als er am bitterkalten 20. Januar die Hand zum Amtseid hob. Heute gibt es Umfragen, wonach ihn nicht mal mehr jeder zweite Amerikaner unterstützt. Der steilste Fall, den je ein US-Präsident erlebt hat, behaupten manche. Bitter und verhärtet sind die Gegensätze in den USA, deutlich schärfer etwa als in Deutschland und Europa. Auch rassistische Zwischentöne sind dabei. Konservative Kommentatoren stellen gern die Frage, ob Obama eigentlich ein "echter Amerikaner" sei, schließlich wurde er auf Hawaii geboren.

Politischer Rückschlag

Zu allem Überfluss haben die Demokraten jetzt die Nachwahlen für den Senatorenposten im Bundesstaat Massachusetts verloren. Für den Präsidenten ist der Verlust des Senatssitzes ein schwerer politischer Rückschlag. Mit dem Sieg der Republikaner verliert Obama die strategische 60-Stimmen-Mehrheit im Senat. Die Republikaner haben jetzt die Möglichkeit, mit ihrer neuen Sperrminorität von 41 Stimmen jede Gesetzesinitiative Obamas zu blockieren.

Enthusiasmus stärker als die Angst

Ein verrücktes erstes Jahr: Als Obama auf den Stufen des Kapitols vereidigt wurde, kämpften Amerika und die Welt mit der schlimmsten Wirtschaftskrise seit der Großen Depression ab 1929. Doch die Welle des Enthusiasmus und des Optimismus, die das Land erfasste, schien stärker als jede Krisenangst.

Bescheidenheit sieht anders aus

Alles erschien möglich, und zwar sofort: die Schließung von Guantánamo, das Ende des Kriegs im Irak, Frieden mit dem Iran, mit Nordkorea und Kuba. Dem Klimawandel wollte nun auch endlich in den USA einen Riegel vorschieben - und natürlich sollte die überfällige Gesundheitsreform eingeleitet, die Bildung verbessert und mehr Jobs geschaffen werden. "We will change America and we will change the world!": Wir werden Amerika verändern, und wir werden die Welt verändern. Bescheidenheit war Obamas Sache nicht.

"Gerechter Krieg", der begeistert

Doch es wurde noch verrückter, Purzelbäume und Ironie gehören bekanntlich zur Trickkiste der Geschichte: So bekam Obama, kaum elf Monate im Amt, den Friedensnobelpreis überreicht, obwohl er ein paar Tage zuvor eine massive Eskalation des Afghanistan-Krieges befohlen hatte. In seiner Rede in Oslo sprach Obama dann nicht so sehr über den Frieden, sondern über den "gerechten Krieg" - das Publikum war trotzdem begeistert.

Ende der Cowboy-Politik

Dennoch, die Nobel-Jury traf einen Nerv. Der Präsident erhalte den Preis "für seine außergewöhnlichen Bemühungen, die internationale Diplomatie und die Zusammenarbeit zwischen den Völkern zu stärken", begründete sie ihren Coup. Ob in Amerika oder in Europa, es war die Erleichterung über das Ende der Bush-Ära, die der Hoffnung Flügel wachsen ließ. Ende der Cowboy-Politik, der militärischen Alleingänge, der verklemmten Schwarz-Weiß-Malerei - das Aufatmen in den Regierungskanzleien im alten Europa war unüberhörbar. "Obama spürte ganz richtig, dass viele Menschen in der Welt einen anderen Stil in der Führung Amerikas wollten", meint der liberale Publizist Charles Lane.

Der Gegner schäumte

Neuer Ton, neuer Stil, neues Vokabular: Bestimmte Formulierungen kommen bei Obama schlichtweg nicht mehr vor: "Krieg gegen den Terrorismus", "Achse des Bösen", "Schurkenstaat". Die Zeit der rhetorischen Bush-Aggressivität ist vorbei. Mitunter sprach Obama schon brav von der "Islamischen Republik Iran" - die Republikaner schäumten.

Große Gesten - aber kein Lohn

Überhaupt: große Gesten, große Reden, große Auftritte. Obama bietet an, sich ohne Vorbedingungen mit den Führern Irans und Kubas zusammenzusetzen, er reist eigens nach Kairo und hält eine Rede an die muslimische Welt, streckt die Hand aus zum großen Friedensschluss. Viele in der Welt applaudieren - nur die Iraner nicht. Und die Konservativen zu Hause rümpfen die Nase.

Zu wenig Supermacht

Vielen Amerikanern ist das zu wenig Härte, zu wenig Supermacht. Als Obama vor dem japanischen Kaiser eine Vorbeugung machte, ätzten Kritiker, der Bückling sei viel zu tief ausgefallen. Tagelang tobte die Debatte über die Petitesse, knallhart und unerbittlich. Dann ist da die angeblich allzu weiche Haltung Obamas gegenüber China. "Statt zu versuchen, die amerikanische Vorherrschaft zu festigen, versuchen sie, den ihrer Meinung nach unaufhaltbaren amerikanischen Niedergang gegenüber anderen Supermächten zu managen", wettert der neokonservative Autor Robert Kagan über Obama und seine Leute.

Der Welt ändert sich

Doch die Obama-Strategie ist anders. Der Präsident ist sich bewusst, dass sein Mandat in eine Zeitenwende fällt. Es ist vor allem der Aufstieg Chinas und Indiens, der die globalen Kräfte grundlegend verschiebt. Eingefleischte Menschenrechtler bemängeln, dass sich Obama unlängst weigerte, den Dalai Lama zu empfangen, nur um Peking nicht zu verärgern. Doch Obama weiß, er braucht Partner.

Dicke Brocken kommen noch

Denn die dicken Brocken liegen noch vor ihm. Bisher zeigen die Machthaber in Teheran Obama die kalte Schulter, ohne den Beistand aus Moskau, Peking und Europa ist auch der vermeintlich mächtigste Mann der Welt machtlos. Unilateral ist nicht mehr, auch in Sachen Wirtschaft ist heute die Mitarbeit aller angesagt. Die Welt hat sich verändert: Aus dem G7-Club, dem einst exklusiven Kreis der Europäer, Nordamerikaner plus Japan ist die G20-Runde geworden, neben den Alten sitzen jetzt China, Indien, Brasilien und Südafrika mit im Boot. "Yes we can" gilt immer noch - aber "wir" sind längst nicht mehr die Amerikaner allein.


Von Peer Meinert, dpa  

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