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"Unsere blöde Schlange hat das Baby erwürgt"
02.07.2009, 15:28 Uhr | Von Mike Schneider, AP
Der Täter, ein Python, wird aus dem Haus getragen, in dem das Tier das Kleinkind erwürgt hatte (Foto: AP)
"Das Baby ist tot": Dieser Notruf, der am Mittwochabend beim Rettungsdienst in Florida eingeht, ist vor lauter Schreien und Schluchzen fast nicht zu hören: "Unsere blöde Schlange ist mitten in der Nacht ausgebrochen und hat das Baby erwürgt." Als der Rettungsdienst eintrifft, ist es längst zu spät: Tot liegt die zwei Jahre alte Shalunna in ihrem Gitterbettchen - erwürgt von einem zweieinhalb Meter langen Tigerpython.
Die Polizei hat den Tathergang in dem kleinen Ort Oxford rekonstruiert: Die Riesenschlange, die dem Lebensgefährten von Shalunas Mutter gehört, brach am Mittwochabend aus ihrem Terrarium aus und kroch unbeobachtet ins Kinderzimmer. Als der 32-Jährige das Fehlen der Schlange bemerkt, macht er sich auf die Suche und findet dann im Kinderzimmer die grausame Szene vor. Am Kopf des Kindes sind noch Bissabdrücke zu sehen. Charles Jason D. sticht auf die Schlange ein, bis er ihr das tote Mädchen entwinden kann.
Keine Lizenz
Eine Lizenz, dass er Schlangen halten darf, besitzt der Mann nicht, hat die Polizei herausgefunden. Noch wurde gegen den Mann keine Anklage erhoben, die Behörden ermitteln aber, ob neben dem offensichtlichen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz auch eine Vernachlässigung des Kindes oder andere Straftatbestände bestehen. Von wem der Notruf stammte, sagte die Polizei nicht.
Bedroht oder hungrig
Der Python habe das Kind erwürgt, weil er sich möglicherweise bedroht gefühlt habe, erklärt der Reptilienexperte George Van Horn. Es könne aber auch sein, dass die Schlange das kleine Mädchen schlicht für Nahrung gehalten habe. Der Python wird, solange die Ermittlungen laufen, bei einem Schlangenfreund mit den erforderlichen Papieren untergebracht.
In der Fremde ausgebreitet
Tigerpythons stammen zwar eigentlich aus Südostasien, werden aber in den USA, vor allem in Florida, immer mehr zum Problem. "Die Leute kaufen die Tiere, wenn sie klein sind. Und wenn sie dann wachsen, können sie sie entweder nicht mehr unter Kontrolle halten oder sie setzen sie einfach aus", berichtet Jorge Pino von der staatlichen Wildkommission. Seit 1980 wurden in den USA zwölf Fälle bekannt, in denen als Haustiere gehaltene Pythons einen Menschen getötet haben, teilte die Tierschutzorganisation HSUS mit - darunter fünf Kinder.
Durch Hurrikan begünstigt
Wissenschaftler vermuten zudem, dass etliche Tigerpythons 1992 bei den Verwüstungen durch Hurrikan "Andrew" aus einer zerstörten Tierhandlung in Florida entkommen konnten. Und die nicht-heimische Schlangenart kommt mit den Umweltbedingungen in dem oft schwülwarmen Bundesstaat offenkundig blendend zurecht und vermehrt sich schnell. Die Folge: In den Everglades, dem weltberühmten tropischen Marschland im Süden, gibt es inzwischen eine richtige Tigerpython-Population.
Berühmtes Bild vom Duell der Giganten: 2005 versuchte ein Python einen Alligator zu fressen (Foto: dpa)
Duell der Giganten
Mit einer Länge von acht Metern und einem Gewicht über 90 Kilo gehört der Tigerpython zu den größten Schlangen der Welt. In den Everglades versuchte eine dieser Schlangen einmal, einen mächtigen Alligator zu verschlingen. Die Gefräßigkeit endete 2005 tödlich für beide Reptilien: Der Python platzte beim Versuch, den Alligator hinunterzuwürgen. Ein berühmtes Foto dokumentiert dieses Duell der Giganten.
Von Mike Schneider, AP