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Berlusconi träumt von G8-Gipfel auf Kreuzfahrtschiff
01.08.2008, 15:36 Uhr | Von Hanns-Jochen Kaffsack, dpa
Politiker und Kreuzfahrtfachmann: Der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi (Archivbild aus dem Jahr 2000) (Quelle: dpa)Silvio Berlusconi hat einen richtig schönen Sommernachtstraum. Nach den Vorstellungen des italienischen Ministerpräsidenten und Gastgebers des nächsten G8-Gipfels sollen die Mächtigen der Welt im Juli 2009 auf einem Kreuzfahrtschiff tagen.
Die Teilnehmer des Gipfels schippern - so der Wunsch Berlusconis - von der Nordostspitze Sardiniens an der ebenso bezaubernden wie sündhaft teuren Costa Smeralda vorbei nach Neapel. Ja, Neapel. Denn der Regierungschef möchte der Welt zeigen, wie schön die kampanische Metropole ist, nachdem er es geschafft hat, das Müllchaos in den Griff zu bekommen. Ein schöner Plan, doch es gibt auch eine Reihe von Fragezeichen. Und Krach mit den Sarden, die diesen Gipfel eigentlich ausrichten sollen, wäre programmiert.
Tolle Werbung für das Land
Aber Berlusconi ist ein optimistischer Mann und zum Träumen aufgelegt. "Wir werden den Großen dieser Welt damit ein neues Bild von Neapel und Italien zeigen", sagt der Mailänder. Er verspricht sich von den Tagen des Gipfels Anfang Juli 2009 eine tolle Werbung für jenes Land, das unter den weltweiten Schlagzeilen über Mafia, Müll und Machenschaften leidet.
1000 Kabinen, acht Restaurants
Der Kreuzfahrtfachmann Berlusconi weiß schon, wie sein Traumschiff aussehen soll, mit dem er dann auch den neuen starken Mann im Weißen Haus in Washington beeindrucken will, berichtet die römische Tageszeitung "Il Messaggero": 1000 Kabinen, 250 davon mit Luxusausstattung, und acht Restaurants. Kostenpunkt: Zwei Millionen Euro. "Ich kann dafür sorgen, dass es 50 Prozent Ermäßigung gibt", erläutert er seinen Ministern - auch da ganz Silvio Berlusconi.
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Entscheidung bis September
Wie kommt der 71-jährige Multiunternehmer auf diese Idee, die manche für eine Schnapsidee halten? Der G8-Gipfel auf der hübschen Insel La Maddalena vor der sardischen Nordostküste ist seit langem geplant, die Vorarbeiten sind allerdings im Verzug. 200 Millionen Euro hat der Regionalpräsident von Sardinien, Renato Soru, gerade für die umfangreichen Arbeiten auf der Insel zugestanden bekommen. Und die stolzen Sarden sähen es wirklich nicht gern, sollte ihnen die Chance flöten gehen, ihre Insel hübsch aufzupolieren und werbewirksam vorzuzeigen. Eine definitive Entscheidung darüber, wo der Klub der Industriestaaten nun tagt, soll bis September fallen.
Der Ministerpräsident am Klavier
"Il Cavaliere" erinnert sich gern daran, dass Neapel schon 1994 den Bilderbuch-Hintergrund eines solchen Gipfels, damals ein G7 und ohne Müll, abgegeben hat. Bei aller Schönheit spräche in Berlusconis Augen gegen La Maddalena der Wunsch, der Welt das Italien der Kultur und der Monumente zu zeigen. An Bord des Luxusliners könnte er zudem die Kollegen am Klavier unterhalten, hat er doch schon als Student für Gäste auf hoher See die Tasten bedient. Seitdem liebt er Schiffe.
Der Zeitplan steht schon
Zum Ablauf des Gipfels hat Berlusconi bereits konkrete Vorstellungen: Zunächst kommen die acht Staats- und Regierungschefs zu Eröffnungssitzungen auf La Maddalena zusammen, dann entern sie das Kreuzfahrtschiff. Nach dem Anlegen in Neapel stoßen die Mächtigen der Schwellenländer und Afrikas hinzu.
Noch viele Fragen offen
Aber es gibt noch einen ganzen Haufen Fragen, vor allem logistischer Natur. Wie bringt man einen Tross von 7000 bis 8000 Menschen an einem Tag von Sardinien nach Kampanien? Ist das überhaupt machbar? Vielleicht sind es auch 20.000, mit Medien- und Sicherheitsleuten. Und wie stellt man bei einem Gipfel an gleich drei Orten den Schutz der hohen Gäste sicher? Wer bezahlt das alles?
Vielleicht doch nur ein Traum
Eine Seefahrt, die ist lustig, eine Seefahrt, die ist schön. Aber wenn Sardinien damit droht, im nächsten Wahlkampf gegen Rom Sturm zu laufen, sollte der Gipfel vielleicht doch besser auf La Maddalena stattfinden. Alles das lässt Berlusconi derzeit abwägen - vielleicht bleibt es doch nur ein Sommernachtstraum.
Quelle: dpa