20.07.2011, 13:09 Uhr | Von Jean-Louis Santini, AFP
Die "Atlantis" im Mai 2010. Am Donnerstag, 21. Juli, soll die Raumfähre bei ihrer allerletzten Landung in Cape Canaveral aufsetzen (Foto: Reuters)
'Aus der Traum': Das dürften sich zahlreiche Nachwuchs-Astronauten denken, wenn die amerikanische Raumfähre "Atlantis" heute nach der letzten Mission eines Space Shuttles überhaupt zur Erde zurückkehrt. Am Donnerstag, kurz bevor in Deutschland das Mittagsgeläut erschallt, also um 11.58 Uhr mitteleuropäischer Zeit, soll die "Atlantis" auf dem Weltraumbahnhof von Cape Canaveral in Florida landen. Dann geht nach gut 30 Jahren die Ära der Shuttle-Flüge in den USA zu Ende. Die Aussicht der Jüngeren, einmal ins Weltall fliegen zu können, ist dann deutlich eingeschränkt.
Künftig werden die Amerikaner ihre Astronauten mit den wesentlich kleineren russischen Sojus-Kapseln zur Internationalen Raumstation ISS schicken. Neben dem Piloten und einem Kosmonauten steht darin nur ein Platz zum Anmieten zur Verfügung. "Natürlich ist das hart, wir haben unser Leben schließlich dem Ziel gewidmet, ins All zu fliegen", sagt US-Astronaut Steve Robinson, der vier Shuttle-Missionen hinter sich hat. "Wir sind Astronauten, damit verdienen wir unseren Lebensunterhalt."
Doch in Zeiten klammer Kassen hat US-Präsident Barack Obama bei der Raumfahrt den Rotstift angesetzt und das teure Shuttle-Programm gestrichen. Seit dem Jungfernflug der "Columbia" am 12. April 1981 schickte die Raumfahrtbehörde NASA 135 Shuttle-Missionen ins All. Im Durchschnitt kostete jede Reise 450 Millionen Dollar.
Obama strich auch das von seinem Vorgänger George W. Bush gestartete "Constellation"-Programm, das auf die traditionelle Kombination aus Trägerrakete und Raumkapsel setzte und bemannte Flüge zu entfernteren Zielen wie Mond oder gar Mars ermöglichen sollte. Das Projekt sollte bis zum Jahr 2020 97 Milliarden Dollar verschlingen.
Mit der Rückkehr der Raumfähre von der ISS zur Erde endet eine 30 Jahre währende Ära. zum Video
Wehmütig, aber verständnisvoll, bewertet NASA-Astronautin Shannon Walker das Ende der Shuttle-Ära. "Es ist bedauerlich, aber ich weiß, dass es richtig ist", sagt sie. "Wenn wir andere Dinge tun wollen, brauchen wir ein anderes Raumschiff." Walker, die mit einer Sojus-Kapsel ins All flog, aber nie mit einem US-Shuttle, zieht historische Parallelen: Sie vergleicht die Lücke bis zum Start eines neuen Programms in vielleicht drei Jahren mit der Zeit nach dem Ende des Apollo-Programms.
Das Shuttle-Zeitalter folgte auf das Apollo-Programm, mit dem die USA 1969 den ersten Menschen auf den Mond gebracht hatten. Als US-Präsident Richard Nixon 1972 die Entwicklung eines wiederverwendbaren Raumfahrzeugs in Auftrag gab, war der Hauptgedanke, die Kosten für Reisen ins All deutlich zu senken. Außerdem hoffte die NASA, Missionen im Wochentakt vornehmen zu können. Doch beide Erwartungen konnten die Space Shuttles nicht erfüllen. Nun soll 2015 eine ganz neu entwickelte Raumfähre einsatzbereit sein, an der die NASA derzeit in Zusammenarbeit mit einer privaten Firma arbeitet.
Dass das goldene Zeitalter der US-Raumfahrt aber so oder so erst einmal vorbei ist, das zeigen allein die Zahlen der Raumfahrer. Waren im Jahr 2000 noch 149 Astronauten bei der NASA angestellt, sind es heute nur noch 61. Die Astronauten bräuchten sich aber nach dem Ende der Space-Shuttle-Missionen nicht über mangelnde Arbeit sorgen, meint Scott Pace, Ex-Astronaut und Leiter des Instituts für Weltraumpolitik in Washington. Als Hauptaufgabe sieht er die Unterstützung der ISS-Mission. Es seien immer mindestens zwei US-Astronauten auf der ISS, während sich andere auf die Mission vorbereiten, davon erholen oder am Boden mitarbeiten. Aber auch die Arbeit an neuen Plänen wie kommerziellen Weltraumflügen zählt Pace zu den wichtigen Zukunftsausgaben.
NASA-Chef Charles Bolden warb unlängst im zuständigen Ausschuss des US-Repräsentantenhauses für Raumflüge, die in Zukunft immer mehr kommerziellen Charakter bekommen sollen. "Wir geben die bemannte Raumfahrt nicht auf", sagte er. "Wir haben die große Aufgabe, den Betrieb der ISS mindestens in den kommenden neun Jahren aufrechtzuerhalten."
Astronautin Walker sorgt sich hauptsächlich um den Nachwuchs, der nun entmutigt nach anderen Berufen Ausschau halten könnte. "Wenn man in eine Schule geht und fragt, wer Astronaut werden will, gehen bisher alle Finger hoch", sagt sie. "Ich hoffe, die Kinder verstehen, dass es die Raumstation gibt und damit immer einen Ort. Der Traum, ins All zu fliegen, ist lebendig."
Quelle: AFP
Gord schrieb:
am 20. Juli 2011 um 12:47:08
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@Hansen
Die Menschheit entwickelt sich nicht zurück. Aus Erfahrung lernen wir und manche Wege, die beschritten wurden waren halt nicht die
Richtigen. Das heisst nicht, das es deswegen ein Rückschritt wäre sondern der Versuch, das gleiche auf andere Weise zu erreichen. Rohstoffe sind ja auch nicht unendlich viele da und unsere kurzsichtige Denkweise sollten wir auch einmal ablegen. Aber das ist ein anderes Problem.
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Hansen schrieb:
am 20. Juli 2011 um 12:32:17
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Raumfahrt
Wenn es die Amis finanziell nicht mehr schaffen, sollten wir Deutschen unser Geld nicht verschenken, sondern in ein eigenes
Raumfahrtprogramm investieren - das schafft Innovation und Arbeitsplätze. Schließlich waren wir Deutschen es, die mit der Entwicklung des Raketenantriebs die Grundlagen für die Raumfahrt gelegt haben - das sollte man nicht vergessen.
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Hansen schrieb:
am 20. Juli 2011 um 12:12:26
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Aus der Traum
Ende der Überschallverkehrsflüge - keine Weiterentwicklung; Ende der Atomkraftwerke - keine Weiterentwicklung - Rückkehr zu
mittelalterlichen Methoden; Ende der Shuttleflüge - keine Weiterentwicklung (ev. mal in 2015) - irgendwie habe ich den Eindruck, daß sich die Menschheit im 21. Jahrhundert technologisch zurückentwickelt. Das hätte in den 60er Jahren - in der Pionierzeit der Raumfahrt sicher niemand erwartet.
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