09.11.2010, 17:44 Uhr
Der Castor-Tansport auf dem Verladebahnhof Dannenberg - ähnliche Transporte könnten bald nach Russland gehen. (Foto: dapd)
Die Bundesregierung plant nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" drei Castor-Atomtransporte aus dem nordrhein-westfälischen Zwischenlager Ahaus nach Russland. Der atomare Abfall stammt ursprünglich aus dem DDR-Atomforschungszentrum Dresden-Rossendorf und lagert seit 2005 in Ahaus. Das deutsch-russische Abkommen sei unterschriftsreif verhandelt, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Regierungskreise. Doch es gibt massive Sicherheitsbedenken.
Wann der Transport ablaufen soll, sei bislang offen. Nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz sollen 951 Brennelemente in die russische Atomanlage gebracht werden, aufgeteilt auf drei Transporte. Ziel sei es, "die Menge an hoch angereichertem Uran so weit wie möglich zu reduzieren", heißt es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Grünen im Bundestag. Eine Entsorgung und Endlagerung hierzulande sei "wegen des in naher Zukunft nicht verfügbaren Endlagers für bestrahlte Brennelemente keine gangbare Option".
Die Brennelemente sollen im Atomlager Majak so behandelt werden, dass sie in Kernkraftwerken verwendet werden könnten. Danach sollen sie an einem anderen Ort in Russland endgelagert werden.
Grundlage für den Transport ist dem Bericht zufolge ein Abkommen zwischen Russland, den USA und der Internationalen Atombehörde über die Rückholung von Brennelementen aus Forschungsreaktoren, die einst von der Sowjetunion bestückt worden waren. Damit soll waffenfähiges Uran eingesammelt werden, um es vor dem Zugriff etwa durch Terroristen zu schützen.
Nach Angaben der Zeitung steht die Ausfuhrgenehmigung des Bundesamtes für Strahlenschutz noch aus. Die Transportgenehmigung zu einem deutschen Seehafen habe das Amt bereits erteilt, allerdings nicht kritiklos. Die Behörde habe bei der Entscheidung "keinen Ermessensspielraum gehabt" und "die Handhabung im Zielland liege nicht in ihrer Kompetenz", schreibt die "SZ". "Aus Sicht des Bundesamtes wirft der geplante Transport nach Russland jedoch Fragen auf, die den Strahlenschutz grundsätzlich betreffen", zitiert die Zeitung einen Behördensprecher. Wladimir Sliwjak von der russischen Umweltlobby Ecodefense warnte der Zeitung zufolge, Majak sei nicht sicher genug. So sei die Anlage vor Flugzeugabstürzen nur unzureichend geschützt.
Umweltschützer und die Opposition im Bundestag kritisierten den Plan scharf. "Billig vor sicher, nur darum geht es hier", sagte die atompolitische Sprecherin der Grünen, Sylvia Kotting-Uhl. Schwarz-Gelb habe offensichtlich eine hochgefährliche Fracht vor, und dagegen müsse man ein Stoppsignal setzen, forderte Grünen-Fraktionschefin Renate Künast. "Dass jetzt aus Ahaus Material nach Russland geschickt werden soll, ist für uns nicht akzeptabel", sagte sie. Die SPD sprach von einem "Akt der politischen Feigheit". Parteichef Sigmar Gabriel sagte: "Es ist die Aufgabe eines jeden Landes, den eigenen Atommüll selbst zu entsorgen."
Der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Rainer Baake, nannte die Pläne unverantwortlich. Im Deutschlandradio Kultur wies er darauf hin, dass die Brennelemente ursprünglich in Deutschland bleiben sollten, bis es ein Endlager gebe. "Jetzt wählt man offenkundig die Billigvariante und bringt sie nach Russland", kritisierte Baake.
Majak liegt etwa 1500 Kilometer östlich von Moskau im Südural. Im Jahr 1957 explodierte in der Atomanlage ein Betontank mit hochradioaktivem Atommüll. Dabei wurde Medienberichten zufolge mehr Radioaktivität freigesetzt als bei der Katastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986. Noch heute sind weite Teile der Umgebung radioaktiv verstrahlt, laut Greenpeace seien Krebsraten und Fehlgeburten höher als normalerweise.
Quelle: t-online.de , dapd , AFP
Die Lastwagen mit den elf Atommüllbehältern erreichen das Zwischenlager. zum Video
Die Mexikanerin Natalia Juarez will mit dem Plakat aufrütteln. zum Video