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Atommüll soll aus Asse rausgeholt werden
12.02.2010, 19:14 Uhr
Das Atommüll-Lager Asse bei Remlingen: Abgesperrter Stollenbereich des Bergwerks (Foto: dpa)Die radioaktiven Abfälle im maroden Atommülllager Asse sollen wieder ans Tageslicht geholt werden. Die Kosten dafür werden sich auf mehr als zweieinhalb Milliarden Euro belaufen. Das geht aus einem Gutachten des Essener Ingenieur- und Consultingunternehmens DMT und des TÜV Nord hervor.
Dennoch: Die Rückholung der Abfälle sei die "beste Variante", sagte der Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz ((BfS), Wolfram König. Laut einem Gutachten könne nur so die Langzeitsicherheit gewährleistet werden. Das Endlager Asse bei Wolfenbüttel gilt wegen Einsturzgefahr und drohender Laugenzutritte als völlig unsicher.
Die Zeit drängt
"Der Zeitfaktor ist ganz wichtig", sagte König zur Gefahr von Laugenzutritten und der Einsturzgefahr des Bergwerks. Der BfS-Präsident schränkte aber auch ein, wenn der eingelagerte
Atommüll in einem deutlich schlechteren Zustand sein sollten als bislang zu erwarten und eine Bergung zu "einer unvertretbaren Strahlenbelastung" der Beschäftigten führe, "muss die Präferenz der Rückholung neu bewertet werden".
"Prekärer Zustand der Grube"
In dem Gutachten des Bundesamts für Strahlenschutz heißt es, die Rückholung stelle "die einzige sicher umsetzbare" Alternative dar. Es rate angesichts des "prekären Zustands der Grube" Asse zudem zur Eile. Mit den Arbeiten solle schnellstmöglich begonnen werden. Das Bundesamt rechnet mit einem Zeitaufwand von etwa zehn Jahren für die Rückholung.
GrafikSchacht Asse
Röttgen für eine Stilllegung von Asse
Umweltminister Norbert Röttgen begrüßte die Entscheidung, die 126.000 Atommüllfässer zu bergen: "Im Hinblick auf die Langzeitsicherheit erscheint die vollständige Rückholung als die bevorzugte Variante für die Stilllegung Asse", sagte Röttgen der "Braunschweiger Zeitung". Auch Umweltinitiativen begrüßten das geplante Vorgehen.
Wohin mit Atommüll?
Für ein Ausräumen der atomaren Altlast sprachen sich auch die Umweltorganisation Greenpeace und der Naturschutzbund Deutschland aus. "Nur die Rückholung bietet Langzeitsicherheit für Bevölkerung und Umwelt", erklärte Greenpeace. Bei einer Verfüllung der Grube oder einer Umlagerung verbleibe der Atommüll in einem absaufenden Bergwerk und verseuche früher oder später das Grundwasser. Bei einer Rückholung müssten eine Konditionierungsanlage zur Neuverpackung des Atommülls und ein Zwischenlager gebaut werden. Greenpeace sprach sich gegen eine spätere Endlagerung des Asse-Mülls im Schacht Konrad in Salzgitter aus. Auch der NABU erklärte: "Auch Schacht Konrad ist für den speziellen Asse-Müll nicht geprüft und genehmigt." Wo die Asse-Abfälle dann auf Dauer gelagert werden könnten, sei wissenschaftlich zu erforschen. Auch der Salzstock Gorleben komme dafür nicht infrage.
GrafikMögliche Endlager-Standorte
Umlagerung keine Alternative
Das BfS als Betreiber der Anlage hatte ein 225-seitiges Gutachten erstellen und verschiedene Varianten prüfen lassen. Untersucht worden war dabei auch, ob die 126.000 Fässer mit schwach- und mittelaktivem Müll an ihrem jetzigen Standort in rund 500 bis 700 Metern Tiefe in dem ehemaligen Salzbergwerk sicher einbetoniert werden könnten oder ob eine Umlagerung in deutlich tiefere Schichten von rund 1000 Metern Langzeitsicherheit gewährleisten würde.
Grube droht abzusaufen
Die Asse war 1965 als Forschungsbergwerk von der Bundesrepublik gekauft worden. Zwischen 1967 und 1978 diente sie zudem als damals einziges deutsches Endlager für Abfälle der kerntechnischen Industrie, der Krankenhäuser und kerntechnischen Forschung. Seit 1988 gibt es einen täglichen Laugenzutritt von rund elf Kubikmetern. Das BfS kann nach eigenen Angaben nicht ausschließen, dass sich dieser Zutritt so steigert, dass die Grube absäuft. Das einsturzgefährdete Grubengebäude soll nun stabilisiert werden.
Quelle: AFP
, dapd