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Atomkompromiss: Wohin mit dem Müll?

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Nach dem Atomkompromiss: Wohin mit dem Müll?

08.09.2010, 13:50 Uhr

Mit der Entscheidung zur Laufzeitverlängerung wird auch die Menge an Atommüll weiter steigen (Foto: ddp)

Mit der Entscheidung zur Laufzeitverlängerung wird auch die Menge an Atommüll weiter steigen (Foto: ddp) (Quelle: ddp)

Nach der Entscheidung über die Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke ist die Frage der Lagerung des radioaktiven Mülls erneut in den Vordergrund getreten. Laut Umweltminister Norbert Röttgen (CDU) soll die Erkundung des möglichen Endlagers im niedersächsischen Gorleben in Kürze wieder aufgenommen werden. Dort regt sich bereits Widerstand. Die Opposition hält Gorleben ohnehin für ungeeignet.

Deshalb hatte Rot-Grün vor zehn Jahren einen Erkundungsstopp in Gorleben beschlossen. Bisher war mit 17.200 Tonnen strahlendem Atommüll in Deutschland gerechnet worden. Mit der Laufzeitverlängerung würde laut Bundesamt für Strahlenschutz die Atommüllmenge jetzt sogar auf rund 21.600 Tonnen steigen - und der muss irgendwo hin.

Björn Thümler, der Fraktionschef der CDU in Niedersachsen, will sich dabei nicht auf Gorleben als einzige Option beschränken. Auch die süddeutschen Länder sollten sich auf ihrem Gebiet nach Endlager-Standorten umsehen.

"Es kann nicht sein, dass die Süddeutschen sagen: Niedersachsen ist die atomare Endlager-Stätte Deutschlands, und der Rest der Republik hat damit nichts zu tun", sagte Thümler. Es müsse verhindert werden, dass es keine Alternativen zum Standort Gorleben gebe, sollte sich der Salzstock im Wendland als ungeeignet herausstellen.

"Gewinne im Süden, Atommüll im Norden"

In die gleiche Richtung argumentiert SPD-Chef Sigmar Gabriel. "Röttgen lässt zu, dass Gorleben auf der Grundlage jahrzehntealter Konzepte zusammengebastelt wird, nur um den Bayern und Baden-Württembergern die Standorterkundung zu ersparen", so Gabriel. "Die Gewinne im Süden, den Atommüll nach Norden - das ist das energiepolitische Konzept von CDU und CSU."

Laut Atomgesetz muss der Bund bis 2030 für ein Atom-Endlager sorgen. International ist es Konsens, Endlager in tiefen geologischen Schichten zu errichten. Deutschland setzt wie bei Gorleben auf Salz, andere Länder auf Ton.

Weltweit gibt es bisher aber nur in Finnland einen konkreten Endlagerbeschluss. In der Nähe des Atomkraftwerkes Olkiluoto am Bottnischen Meerbusen wird eine Lagerstätte gebaut, in der ab 2020 hochradioaktiver Müll eingelagert werden soll.

Müll immer noch in Zwischenlagern

In Deutschland wird der Müll seit 1996 in Castor-Behältern in Zwischenlagern abgestellt - die meisten davon befinden sich direkt bei den Atomkraftwerken sowie in Ahaus und Gorleben. Dort wurde schon 1982 mit dem Bau eines oberirdischen Zwischenlagers begonnen.

1983 hatte dann die damalige schwarz-gelbe Bundesregierung unter Kanzler Helmut Kohl (CDU) die Erkundungsarbeiten in dem hunderte Meter tiefen Salzstock mit einem Gutachten begründet, dessen Unabhängigkeit heute in Zweifel steht. Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt, eine Vorläuferbehörde des heutigen Bundesamts für Strahlenschutz, hatte Gorleben in ihrem Gutachten für geeignet befunden.

Inwieweit die Beurteilung wissenschaftlich unabhängig war, ist auch Gegenstand eines Untersuchungsausschusses im Bundestag. Ein Gutachter berichtete Anfang Juli vor dem Gremium, eine Weisung von Vertretern der damaligen Bundesregierung habe dazu geführt, dass sein Vorschlag nach einer Suche weiterer möglicher Standorte nicht im Abschlussbericht der PTB aufgetaucht sei.

Zweifel an der Tauglichkeit

Die Wahl auf Gorleben als Endlager fiel seinerzeit auch, weil Steinsalz nach Ansicht vieler Experten als äußerst sichere Umhüllung eingestuft wird. Viele Geologen zweifeln indes an der grundsätzlichen Tauglichkeit von Salzstöcken.

Diese Skepsis schien sich zu bestätigen, als Ende der 90er Jahre erstmals das Ausmaß der Schäden im maroden Atommülllager Asse bei Wolfenbüttel bekannt wurde. Seit den 80er Jahren läuft Wasser in das Bergwerk, in das bis 1978 rund 126.000 Fässer mit schwach- und mittelradioaktivem Abfall eingelagert wurden. Es gilt inzwischen sogar als einsturzgefährdet und soll geräumt werden.


Quelle: dpa , AFP

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