20.03.2011, 08:24 Uhr
Die Gefahr einer nuklearen Katastrophe in Japan ist noch nicht gebannt. Während weiter mit Hochdruck versucht wird, die Kühlung in den von Erdbeben und Tsunami beschädigten Reaktoren im Atomkraftwerk Fukushima I wiederherzustellen, tritt weiter radioaktive Strahlung aus. Außerdem warnt die japanische Atomenergiekommission, vor radioaktivem Regen im Nordosten des Landes am Sonntag und Montag. Dann soll sich nämlich die Windrichtung ändern, so dass die Strahlenwolke Richtung Großraum Tokio ziehen könnte. Nach Einschätzung russischer Experten könnte Japan im Kampf gegen die Verstrahlung aber von den Erfahrungen nach der Tschernobyl-Katastrophe vor 25 Jahren profitieren.
"Die Erfahrung von Tschernobyl sollte genutzt werden", sagte der russische Strahlenbiologe und frühere Umweltberater von Ex-Präsident Boris Jelzin, Alexej Jablokow. Zwar sei es unwahrscheinlich, dass die Katastrophe das Ausmaß von Tschernobyl erreiche, der Schaden könne aber durch das Abregnen von Wolken und der Rekultivierung landwirtschaftlicher Flächen begrenzt werden. Vor allem in der ersten Phase nach dem Atomunfall sei es wichtig, die Ausbreitung radioaktiven Materials über die Atmosphäre zu kontrollieren. So könne sichergestellt werden, dass dieses nicht über großen Städten niedergehe.
Hätte die damalige Sowjet-Regierung nicht künstlich die Wolken beeinflusst und damit das Wetter verändert, hätten die Auswirkungen für Moskau und andere Großstädte dem Experten zufolge weitaus schlimmer sein können. "Es war ein Geheimprogramm und ethisch fraglich", sagte Jablokow. "Moskau wurde auf Kosten kleinerer Städte von radioaktivem Regen verschont." Die Wolken, die in Richtung Moskau zogen, seien mit Chemikalien versetzt worden, so dass der Regen über außerhalb gelegenen Regionen niedergegangen sei. Radioaktive Wolken aus Fukushima könnten demnach dazu gebracht werden, sich über dem Pazifik statt über bewohnten Gegenden abzuregnen.
Moskau bediente sich regelmäßig der Wetterkontrolle, um einen blauen Himmel zu garantieren. Der frühere Bürgermeister Juri Luschkow etwa wurde dafür kritisiert, an Feiertagen in der Hauptstadt Regen in der Umgebung herbeizuführen. "Flugzeuge mit Ladungen an Reagenzien wie Silberjodid sollten bereitgestellt werden", sagte Jablokow zur Lage in Japan. Sogar Zementpulver könnte dazu benutzt werden, Regen über dem Meer anstatt über Großstädten herbeizuführen, wo dieser eine enorme Gesundheitsgefährdung zur Folge hätte.
Damit das funktioniere, seien aber genaue Angaben zur Menge des ausgetretenen Strahlenmaterials nötig, sagt der Wetterexperte der Universität Moskau, Alexander Kislow. Tschernobyl habe gezeigt, dass radioaktiver Niederschlag "fleckenartig" auftrete - einige Stellen seien dann stärker verseucht als andere. "Um den Niederschlag berechnen zu können, muss man die Menge des Austritts aus dem Kraftwerk kennen", sagte Kislow. Diese Daten würde Japan aber nicht in ausreichendem Maße liefern.
Experten gehen nicht davon aus, dass aus Fukushima so viel Radioaktivität wie in Tschernobyl abgegeben wird. Damals war die Radioaktivität durch verbranntes Graphit aus dem Reaktor in höhere Luftschichten gelangt und über einem großflächigen Gebiet niedergegangen. In Japan bestehen aber andere Risiken wie durch Plutonium in den Brennelementen. Dies soll in Reaktorblock 3 der Fall sein. "Plutonium ist 150-mal gefährlicher als herkömmlicher Kernbrennstoff", sagte der russische Greenpeace-Energieexperte Wladimir Tschuprow. "Das ist ein Teufel, mit dem wir es zum ersten Mal zu tun haben."
Die japanische Küstenwache hat dieses Video der beiden Riesenwellen veröffentlicht. Die Besatzung des Schiffs kam mit dem Schrecken davon. zum Video
Neben der Manipulation von Wolken haben Russland, die Ukraine und Weißrussland nach Angaben von Experten zudem Methoden entwickelt, radioaktiv verseuchten Boden wieder zu kultivieren. So gebe es bestimmte Düngemittel und Pflanzen, mit denen die Radioaktivität reduziert werden könne, sagt Tschuprow. "Die Abwehrmechanismen sind bereits gut erprobt."
Quelle: dpa , AFP
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