13.04.2011, 16:48 Uhr
Wie könnte die neue Heimat für die aus Fukushima evakuierten Menschen aussehen? (Foto: AP) (Quelle: AP)
Mit dem Bau einer Öko-Stadt nach dem Vorbild der deutschen Gartenstädte will die japanische Regierung den evakuierten Menschen eine neue Heimat in der Präfektur Fukushima ermöglichen. Aus der Sicht von Kenichi Matsumoto, Sonderberater der japanischen Regierung, könnte die umweltfreundliche Stadt Wohnraum für bis zu 100.000 Menschen bieten. Ministerpräsident Naoto Kan habe einen möglichen Ort bereits im Kopf, meldete die Nachrichtenagentur Kyodo. Die Rettungsarbeiten am Katastrophen-Atomkraftwerk Fukushima gehen unterdessen ungeachtet der Erdbeben weiter.
Für Verwirrung sorgte die angeblich Aussage Kans, die 20 Kilometer große Evakuierungszone rund um die Atomruine bleibe für die nächsten zehn bis 20 Jahre unbewohnbar. Sowohl Kan als auch Matsumoto dementierten dies später, berichtete Kyodo.
Gartenstädte wurden in Deutschland erstmals Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet. Ziel war es, die Lebensbedingungen der Menschen durch weiträumige und niedrige Bauweisen zu verbessern sowie Mieterhöhungen zu vermeiden. In Japan will sich der Rat zum Wiederaufbau der Städte voraussichtlich in seiner ersten Sitzung am Donnerstag mit dem Thema beschäftigen.
Für eine Aufnahme in den Notunterkünften für Tsunami-Opfer in Japan müssen Bewohner aus der Umgebung des havarierten Atomkraftwerks neuerdings nachweisen, dass sie nicht radioaktiv verstrahlt sind. Können sie die amtliche Bescheinigung nicht vorlegen, werden sie abgewiesen.
Die Wiedereröffnung des Flughafens macht es nun für Helfer aus Tokio und aller Welt leichter, in die Unglücksregion zu gelangen. zum Video
Die Angst vor einer "radioaktiven Ansteckung" geht inzwischen so weit, dass ein Krankenhaus in Fukushima die Behandlung eines achtjährigen Mädchens aus Minamisoma verweigerte, nur weil es keinen Unbedenklichkeits-Schein hatte. "Das war ein Schock", sagte ihr Vater Takayuki Okamura der Zeitung "Mainichi": "Als hätten wir mit unserem neuen Leben als Evakuierte nicht schon genug Sorgen". Die Kleine hatte demnach bereits einen Termin für die Haut-Behandlung.
Ausgestellt werden die Bescheinigungen von den Behörden der Präfektur Fukushima. Ziel der Initiative sei es eigentlich gewesen, den Menschen in den Auffangzentren die Panik vor ihren Schicksalsgenossen aus der Evakuierungszone um Fukushima zu nehmen, sagte ein Vertreter der Gesundheitsdienste, Kosuke Yamagishi.
Neue Amateurbilder zeigen den Moment, als der gewaltige Tsunami auf Fukushima trifft. zum Video
Ungeachtet mehrerer schwerer Nachbeben gingen unterdessen die Rettungsarbeiten an den von Erdbeben, Tsunami und Wasserstoffexplosionen zerstörten Reaktoren von Fukushima weiter: Arbeiter begannen in der Nacht zum Mittwoch, hochgradig radioaktives Wasser aus dem zerstörten Reaktor 2 abzupumpen. Laut Betreiber Tepco sollen in den kommenden vier bis fünf Tagen insgesamt 700 Tonnen des Wassers, das sich dort in einem Tunnelschacht angesammelt hat, in einen Verdampfungsbehälter geleitet werden. Mit ferngesteuertem schweren Räumgerät entfernten die Arbeiter zudem radioaktiv verstrahlte Trümmer vom Kraftwerksgelände.
Das Abpumpen der hochradioaktiven Brühe sowie von 60.000 weiteren Tonnen schwach verseuchten Kühlwassers ist ein wichtiger Schritt beim Versuch, den Meiler so weit zu reparieren, dass keine weitere Radioaktivität in die Umwelt gelangt. Erst wenn das Wasser aus den Kellern, der Kanalisation und den Turbinengehäusen der Reaktorblöcke entfernt ist, können sich die Arbeiter an die Reparatur der zerstörten Kühlsysteme machen. Rund 10.000 Tonnen des schwach verseuchten Wassers wurden bereits ins Meer geleitet.
Zudem sucht der Betreiber nach einer endgültigen Lösung für das beschädigte Abklingbecken für verbrauchte Brennstäbe von Reaktor 4. Nach Angaben eines Tepco-Sprechers entnahmen die Arbeiter mit Hilfe eines an einem 62 Meter langen Pumpenarm befestigten Behälters eine Wasserprobe: Sie soll Aufschluss geben über den Zustand der 1331 Brennstäbe in dem Becken - erst dann lässt sich einschätzen, ob sie sich herausholen und sicher versiegeln lassen.
Quelle: dpa , AFP
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