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Atomkatastrophe in Japan: Merkel bietet deutsche Roboter an

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Merkel bietet Japan deutsche Roboter an

31.03.2011, 09:25 Uhr

Erste scharfe Bilder der Katastrophe: Eine Drohne hat diese Fotos vom Katastrophen-AKW Fukushima 1 gemacht (Foto: Air Photo Service/HO/AFP)

Erste scharfe Bilder der Katastrophe: Eine Drohne hat diese Fotos vom Katastrophen-AKW Fukushima 1 gemacht (Foto: Air Photo Service/HO/AFP)

Deutsche Hilfe im Kampf gegen den Super-GAU: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat mit dem japanischen Ministerpräsidenten Naoto Kan telefoniert und ihm angeboten, funkgesteuertes Spezialgerät aus Deutschland zur Verfügung zu stellen. Die Roboter sollen bei den Reparaturarbeiten an Reaktoren eingesetzt werden. Die japanische Regierung will dieses Angebot nun prüfen.

Kan informierte die Bundeskanzlerin insbesondere über den Zustand des havarierten Atomkraftwerks Fukushima 1 und die Bemühungen der Techniker, die Lage unter Kontrolle zu bringen. Merkel drückte ihre Anteilnahme an dem schweren Leid aus, das Japan in Folge des Erdbebens und des Tsunamis durchmacht. Kan dankte den Deutschen für ihre Solidarität und Hilfsangebote, wie Merkels Sprecher Steffen Seibert mitteilte.

Zuvor hatte der deutsche Pumpenhersteller Putzmeister angekündigt, vier zusätzliche Spezialmaschinen nach Japan zu schicken. Die erste Pumpe werde voraussichtlich bereits am Donnerstag mit einem Großraumflugzeug von Stuttgart aus nach Japan gebracht, teilte das Unternehmen mit. Eine erste Pumpe des Unternehmens hilft bereits seit mehr als einer Woche bei der Kühlung von Fukushima 1. Die neuen Geräte sollen zunächst zur Kühlung verwendet werden, später werden sie eventuell für Beton-Arbeiten gebraucht. Dank der bis zu 70 Meter langen Arme kann Wasser von oben in die kaputten Reaktoren gepumpt werden. Die Geräte sind bis zu 80 Tonnen schwer.

Partikel am Boden "festkleben"

Um die Ausbreitung der Radioaktivität einzudämmen, will Tepco eigenen Angaben zufolge den Boden rund um die schwer beschädigten Reaktoren mit Kunstharz besprühen. Die Methode solle am Donnerstag zunächst in einem Teilbereich getestet werden, sagte Behördensprecher Hidehiko Nishiyama. Die Idee dahinter sei, die radioaktiven Partikel am Erdboden "festzukleben". Die Behörden überlegen den Angaben zufolge außerdem, einige der Reaktoren mit Zelttuch zu überdecken. Auf diese Weise könnten sich Arbeiter möglicherweise jeweils für einen längeren Zeitraum im Gefahrenbereich aufhalten.

Ein weiteres Projekt sieht demnach vor, ein Tankschiff im Pazifik vor dem AKW ankern zu lassen, um stark radioaktiv verseuchtes Wasser aus einem Turbinengebäude und einem Tunnel in der Nähe des Reaktors 2 abzupumpen. Bisher fehlt es vor Ort an Tanks. Der französische Atomkonzern Areva will fünf Nuklear-Experten ins Krisengebiet schicken. Sie sollen die japanischen Arbeiter dabei unterstützen, das radioaktiv verseuchte Kühlwasser aus den teilweise zerstörten Reaktorblöcken herauszupumpen.

Video
Japan: Neue Luftaufnahmen vom zerstörten AKW

Auf einem vom Verteidigungsministerium veröffentlichten Video sieht man die Zerstörung von Fukushima I. zum Video

Derweil stieg am Kernkraftwerk Fukushima 2 etwa eine Stunde lang schwarzer Rauch auf. Das meldete die Nachrichtenagentur Kyodo unter Berufung auf die Betreiberfirma Tepco. Der Rauch kam laut Tepco von einer Stromverteiler-Einheit in einem Turbinenraum im ersten Stock. Er sei dann wieder verschwunden. Genaue Angaben zur Ursache des Rauchs gibt es bislang nicht. Fukushima 2 befindet sich etwa zehn Kilometer vom stärker beschädigten Krisen-AKW Fukushima 1 entfernt.

Tausendfache Konzentration von radioaktivem Jod

Greenpeace-Experten hatten eine erhöhte Radioaktivität nördlich von Fukushima festgestellt. Im Meerwasser vor dem Unglücksreaktor wurde eine sehr hohe Konzentration von radioaktivem Jod entdeckt. Die Radioaktivität habe das 3355-Fache des zulässigen Wertes erreicht, meldete die Nachrichtenagentur Kyodo.

Foto-Serie: Satellitenbilder von Japan
6 Bilder von 8

Das Jod kann vor allem über Algen in die Fische und damit in die Nahrung gelangen. Die Radioaktivität wird sich nach Ansicht von Simon Boxall vom Ozeanografischen Zentrum an der südenglischen Universität Southampton durch die Meeresströmung und die Gezeiten verbreiten, allerdings stark abgeschwächt. "Sie wird in die Nahrungskette gelangen, aber nur in der Nachbarschaft", sagt Boxall voraus. Seiner Ansicht nach ist das Jod 131 sowieso nicht so problematisch, da es eine Halbwertszeit von acht Tagen hat. Viel gefährlicher sind die radioaktiven Schwermetalle Cäsium und Plutonium, die eine Halbwertszeit von bis zu 30 Jahren beziehungsweise sogar 24.000 Jahre haben.

Arbeiter geschwächt

Die Arbeiter in Fukushima sind zunehmend ausgebrannt und ihre Angst vor dauerhaften Gesundheitsschäden wächst. Das sagte ein Manager einer Vertragsfirma des Betreibers Tepco der Zeitung "Asahi Shinbun". Zwar gingen die Einsatzkräfte immer wieder in die zerstörten Reaktorblöcke, um die Reaktoren zu kühlen und einen Super-GAU zu verhindern, doch seien die Arbeiter angesichts der endlosen Schwierigkeiten zunehmend nervöser. Man achte darauf, dass Tepco die Spezialisten nicht zu hohen Risiken aussetze, sagte der Manager.

Drei Arbeitern, die im havarierten Atomkraftwerk mit radioaktivem Wasser in Kontakt gekommen sind, geht es offenbar gut. "Wir haben sie untersucht und keine Strahlung messen können", sagte ein Sprecher der Atomsicherheitsbehörde. "Den Arbeitern geht es gut, und sie mussten nicht ins Krankenhaus." Die Techniker hatten am Dienstag versucht, eine Pumpe außerhalb von Reaktor 3 anzuschließen. Dabei ergoss sich radioaktives Wasser auf die Arbeiter und durchnässte ihre angeblich wasserdichten Anzüge bis auf die Unterwäsche. In der vergangenen Woche waren zwei Arbeiter mit Verbrennungen in ein Krankenhaus gebracht worden, nachdem sie durch radioaktives Wasser gelaufen waren.

Greenpeace fordert weitere Evakuierungen

Greenpeace-Messungen zeigten in dem 7000-Einwohner-Ort Iitate, 40 Kilometer nordwestlich des Kraftwerks, eine Strahlenbelastung von bis zu zehn Microsievert in der Stunde. Um Tsushima seien sogar 100 Mikrosievert pro Stunde gemessen worden. Das teilte die Organisation auf einer Pressekonferenz in Tokio mit. Durch die Strahlenbelastung erreichten die Menschen in der Region die jährliche Höchstdosis von 1000 Mikrosievert innerhalb von zehn Stunden.

Video
Niederschlag in Japan

Ständig aktuell: Das wetter.info-Video zeigt den möglichen Niederschlag, der Radioaktivität auf das Festland oder ins Meer tragen könnte, rund um Fukushima. zum Video

Jan van de Putte, Strahlenexperte von Greenpeace sagte: "Es ist für die Menschen eindeutig nicht sicher, in Iitate zu bleiben, vor allem für Kinder und schwangere Frauen. Sie könnten die maximal zulässige jährliche Strahlendosis in nur wenigen Tagen abbekommen." Die japanische Regierung hat bisher eine 20 Kilometer-Evakuierungszone um das Atomkraftwerk errichtet. Greenpeace fordert, die Sicherheitszone auf 40 Kilometer auszuweiten. Außerhalb der 20-Kilometer-Zone seien die Strahlungswerte zum Teil höher als in dem Evakuierungsgebiet. Auch die IAEA rät Japan zur Evakuierung von Iitate. Teams der Atombehörde hätten ebenfalls höchste Strahlungswerte gemessen, sagte der IAEA-Experte für nukleare Sicherheit, Denis Flory.

Drehender Wind bereitet Sorgen

Sorgen bereitet den Japanern auch das Wetter. Ab Mittwoch könnten radioaktive Partikel wieder Richtung Tokio wehen: "Der Wind dreht auf Nordost", sagte Lars Dahlstrom von der Meteomedia Unwetterzentrale im Gespräch mit wetter.info. Diese Windrichtung hält den ganzen Mittwoch über an. Erst mit Ankunft eines neuen Tiefs am Donnerstag dreht der Wind dann wieder auf Nord-Nordwest, so dass er vom Land weg weht. Für Tokio bedeutet das erst einmal Entwarnung. Das Tief verlagert sich aber am Donnerstagabend, und der Wind dreht wieder nach Norden. "Das kann erneut problematisch für den Großraum Tokio werden", erklärte der Meteorologe.

Für Europa besteht bisher noch keine unmittelbare Bedrohung. Zwar sind in Island bereits erhöhte Strahlenwerte gemessen worden, die Belastung ist aber offenbar außerordentlich gering. Die Bundesregierung erwartet die ersten Schiffe aus Japan, die möglicherweise mit Radioaktivität belastet sind, erst Mitte April in Deutschland. Eine Sprecherin von Umweltminister Norbert Röttgen betonte, man beobachte die Lage genau und sei im Gespräch mit den zuständigen Behörden. Hamburg als Stadt mit dem größten deutschen Hafen forderte europaweite Grenzwerte für die radioaktive Belastung von Schiffen und Containern. In China war jüngst ein aus Japan kommendes Schiff mit einer erhöhten Strahlenbelastung aufgefallen.

Tepco-Chef im Krankenhaus

Der Chef des japanischen Atom-Konzerns Tepco, Masataka Shimizu, musste derweil in ein Krankenhaus gebracht werden. Tepco betreibt das Unglückskraftwerk Fukushima. Nach Angaben von Kyodo vom Mittwoch leidet Shimizu an Bluthochdruck und Schwindelgefühlen. Shimizu war bereits seit einigen Tagen nicht mehr in der Öffentlichkeit erschienen. Deshalb wurde schon über seinen Gesundheitszustand spekuliert.

Tepco kündigte inzwischen an, die vier am schwersten beschädigten Reaktoren des Katastrophen-Kraftwerks in Fukushima endgültig stillzulegen. "Wir haben keine andere Möglichkeit, als sie auszurangieren", sagte der kommissarische Chef der Betreiberfirma, Tsunehisa Katsumata. Die Reaktorblöcke 1 bis 4 seien durch das Erdbeben vom 11. März so stark beschädigt, dass sie für die Stromerzeugung unbrauchbar seien. Insgesamt stehen in Fukushima 1 sechs Meiler. Die zwei anderen Reaktoren seien noch operationsfähig, hieß es.


Quelle: dapd , dpa , AFP , t-online.de

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