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Schavan hält angeblich brisante Atomstudie zurück
16.09.2009, 17:44 Uhr
Die Atomkraft hat viele Kritiker - doch eine Reihe deutscher Forscher hat sich in dem Gutachten für den Neubau von Atommeilern ausgesprochen (Foto: dpa)
Bundesforschungsministerin Annette Schavan hält laut einem Zeitungsbericht seit zwölf Wochen ein brisantes Gutachten zur Atomenergie unter Verschluss, das die CDU-Politikerin selbst in Auftrag gegeben hatte. Nach Angaben der "Financial Times Deutschland" regen in der Studie rund hundert Forscher unter anderem den Neubau von Atomkraftwerken in Deutschland an.
Außerdem werben sie dafür, an anderen Standorten als
Gorleben nach atomaren Endlagern zu suchen. Schavan seien die Atom-Empfehlungen offenbar zu heikel. Obwohl sie die Studie mit dem Titel "Konzept für ein integriertes Energieforschungsprogramm für Deutschland" bereits im Juni erhalten habe, solle diese erst im Oktober vorgestellt werden - nach der Bundestagswahl.
Forscher sind für AKW-Neubau
In der Studie plädieren die Forscher laut "FTD" ziemlich unverhohlen für neue Meiler: "Abhängig von politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen könnte sich Deutschland aber in der Zukunft wieder an der Entwicklung und dem Bau von neuen Kernkraftwerken beteiligen, um einen erheblichen Teil des Energiebedarfs mit Kernenergie zu decken." Trotz unbestreitbarer Risiken biete die Kernkraft "eine kostengünstige und konsensfähige Grundlast-Stromversorgung ohne CO2-Ausstoß".
Die Forschungsministerin wollte das brisante Atom-Gutachten offenbar erst nach der Wahl an die Öffentlichkeit bringen (Foto: dpa)
Schavan will Endlager nicht in ihrer Heimat haben
In der Endlagerfrage erklären die Autoren des Gutachtens: "Für ein Endlager in Tongestein liegen umfangreiche wissenschaftliche Erkenntnisse aus Frankreich, Belgien und der Schweiz vor." Unerwähnt bleibt im Gutachten allerdings eine Tatsache, die Schavans geringes Interesse an dieser Alternative erklären könnte: Die meisten Tonformationen liegen in
Baden-Württemberg - Schavans politischer Heimat. Schavan hatte sich wiederholt für den Salzstock Gorleben als Endlager ausgesprochen.
Studie als Munition für den Wahlkampf
Die Forschungsministerin will
SPD und
Grünen mit der Studie offenbar keine weitere Munition liefern. Die Union tritt wie die FDP für längere Laufzeiten von Atomkraftwerken ein. Jedoch wirbt sie im Wahlkampf nicht offensiv dafür. Mit Kernkraft lassen sich kaum Wählerstimmen gewinnen. Seit Monaten versucht vor allem SPD-Umweltminister
Sigmar Gabriel, Stimmung gegen die Atompläne von Schwarz-Gelb zu machen.
Vier deutsche Wissenschaftsorganisationen beteiligt
In einem Brief an die Autoren der Studie schreibt das Präsidiumsmitglied der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften (Acatech), Ortwin Renn, eine Kurzfassung des Konzepts sei "am 24. Juni 2009 an Frau Schavan übergeben worden". Neben Acatech waren drei weitere deutsche Wissenschaftsorganisationen beteiligt.
Konzept sollte erst nach der Wahl an die Öffentlichkeit
"Allerdings haben sich die Präsidien der Akademien und das Bundesforschungsministerium darauf verständigt, das Konzept erst nach der Bundestagswahl der Öffentlichkeit vorzustellen, da sonst die Gefahr bestände, dass es im Wahlkampf untergeht oder zerredet wird", heißt es in dem Brief, der der "FTD" ebenso wie Teile des Gutachtens vorliegt. Das Ministerium wollte sich laut "FTD" zum Inhalt der Studie nicht äußern.
Quelle: AFP