Drucken
Mit gottlosen Sprüchen quer durch Deutschland touren
22.05.2009, 12:54 Uhr
Eine Gruppe von Atheisten will mit gottlosen Sprüchen mit dem Bus quer durch Deutschland touren (Foto: dpa)
"Ein erfülltes Leben braucht keinen Glauben." Mit gottlosen Sprüchen wie diesem will eine Gruppe von Atheisten aus Berlin mit einer Buskampagne quer durch die Republik touren. Nichtgläubige hätten genug davon, absichtsvoll übersehen oder ausgegrenzt zu werden, sagt ein Sprecher der Gruppe.
"Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott" soll weiter in großen Lettern an dem extra angemieteten Gefährt prangen. Wie sehr Atheisten auch im aufgeklärten 21. Jahrhundert noch diskriminiert werden, zeigt sich nach Ansicht des Sprechers der Gruppe, Philipp Möllers, auch daran, dass das ursprüngliche Vorhaben der Privatinitiative kläglich scheiterte.
Umstrittene BuswerbungExistiert Gott - oder nicht?
Immer informiertDer Newsticker von t-online.de
Mehr aktuelleNachrichten
40.000 Euro Spenden
Ihre gottlosen Botschaften hatten sie eigentlich auf Bussen der städtischen Verkehrbetriebe platzieren und so unter das Volk bringen wollen. Bislang sind dafür per Internet-Aufruf rund 40.000 Euro an Spenden zusammengekommen. Doch die Gruppe handelte sich mit ihrem Werbevorstoß eine Absage nach der anderen ein. "Mit so einer breiten Ablehnungsfront haben wir wirklich nicht gerechnet", sagt Möller.
Boykott-Aufruf in Essen
In Essen war die Enttäuschung besonders groß. Nachdem der Verkehrsbetrieb Evag Ende April erst eine Zusage erteilt hatte, nahm er diese Anfang Mai plötzlich wieder zurück: "Wir hatten hier massive Beschwerden, als unsere Zusage öffentlich wurde, das war unglaublich", sagt Olaf Frei, stellvertretender Sprecher der Verkehrs AG. Kunden hätten gedroht, ihr Abo zu kündigen und auch andere zum Boykott der Evag aufzurufen. "Als kommunales Nahverkehrsunternehmen in einer Stadt mit Nothaushalt können wir mögliche Umsatzeinbußen einfach nicht in Kauf nehmen," erklärt Frei.
Christen bevorzugt?
Die Atheisten-Initiative hat für solch einen vorauseilenden Gehorsam kein Verständnis - vor allem weil das Unternehmen zuvor bereits jahrelang Aufkleber mit Sprüchen wie "Jesus liebt dich" in seinen Bussen quer durch das Stadtgebiet gefahren hat. Auch die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) mussten sich mit dem Vorwurf auseinandersetzen, Christen zu bevorzugen. Denn während die BVG den Initiatoren des inzwischen gescheiterten Berliner Volksbegehrens Pro Reli erlaubte, in der U-Bahn ihre Werbematerialien zu verteilen, lehnte sie die atheistische Werbekampagne ab. "Wir halten uns da in Zukunft komplett raus und lassen gar keine religiöse oder weltanschauliche Werbung mehr zu", sagt eine Sprecherin.
Nicht-religiöse Weltsicht als Option
Der bekennende Atheist Möller kann die Aufregung um den Werbevorstoß der Initiative, die durch ähnliche Aktionen aus Großbritannien inspiriert ist, nicht verstehen. "Wir wollen niemanden vom Glauben abbringen oder bekehren, sondern lediglich zeigen, dass eine nicht-religiöse Weltsicht auch eine Option ist", sagt er. Rund 35 Prozent der Deutschen gehören laut der Forschungsgruppe Weltanschauungen keiner bestimmten Glaubensrichtung an. An all diese wolle man sich mit der nun geplanten Buskampagne durch rund 25 Städte richten, um mutiger zu werden und sich in die öffentlichen Debatten einzumischen, sagt Möller. Relativ unberührt zeigen sich die Kirchen bislang von dem gottlosen Werbevorhaben.
Quelle: dapd