06.12.2011, 19:39 Uhr
Kein Stern dreht sich schneller als "VFTS102" - zumindest keiner der bislang bekannten Himmelskörper. Er rotiert am Äquator mit einer enormen Geschwindigkeit von über zwei Millionen Kilometern pro Stunde um seine eigene Achse - mehr als die 300-fache Geschwindigkeit unserer Sonne. Astronomen entdeckten den rasanten Riesenstern in der Großen Magellanschen Wolke, einer Nachbargalaxie der Milchstraße, in rund 160.000 Lichtjahren Entfernung.
Die Forscher fanden zudem heraus, dass sich die Geschwindigkeit des Sterns, der etwa die 25-fache Sonnenmasse hat und rund hundertmal heller als die Sonne ist, deutlich von den Geschwindigkeit der Sterne in seiner näheren Umgebung unterscheidet. Ihre Schlussfolgerung: Der Stern ist demnach kurz davor, durch starke Zentrifugalkräfte zerrissen zu werden - "VFTS102" zerstört sich durch die hohe Geschwindigkeit selbst.
"Die auffällig hohe Rotationsgeschwindigkeit und die ungewöhnliche Bewegung - verglichen mit seiner Umgebung - haben uns aufmerken lassen. Wir wurden argwöhnisch und haben uns gefragt, ob der Stern eventuell eine besondere Vorgeschichte hatte", erklärt Philip Dufton von der Queen’s University in Belfast.
Einer unter vielen: Der weiße Pfeil markiert den Riesenstern "VFTS102" (Quelle: ESO/M.-R. Cioni/VISTA)Und damit lagen die Forscher richtig: Vermutlich befand sich "VFTS102" ursprünglich in einem Doppelsternsystem und wurde herausgeschleudert, als sein Partner-Stern als Supernova explodierte. So ließe sich die extrem hohe Rotationsgeschwindigkeit von "VFTS102" erklären. Überreste des früheren Partners fanden sich ganz in der Nähe. Nach der Supernova blieb ein heißer Gasnebel sowie ein Pulsar - ein Neutronenstern - zurück.
Die Astronomen können nicht sicher sein, dass sich alles wirklich so abgespielt hat. "Dieses Szenario würde sehr gut zu all den ungewöhnlichen Eigenschaften des Sterns und seiner Umgebung passen. Auf jeden Fall zeigen unsere Beobachtungen uns auch die unerwartete Seite des kurzen, aber dramatischen Lebens der massereichsten Sterne", sagt Dufton.
Beobachtet wurde der Sternenkrimi durch das Paranal-Observatorium der Europäische Südsternwarte ESO. Das riesige Weltraumteleskop befindet sich in der abgelegen Atacamawüste in Chile.
Quelle: bew , t-online.de
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