Die Asiatische Tigermücke kommt bis nach Baden (Quelle: dpa)Am Rhein hat der alljährliche Kampf gegen die Schnaken wieder begonnen - die Experten haben es dieses Mal aber auch mit einem neuen Gegner zu tun. Die Asiatische Tigermücke, die gefährliche Krankheiten übertragen kann, hat es über die Alpen nach Deutschland geschafft. Vor einigen Monaten wurde sie im badischen Rastatt erstmals nachgewiesen. "Wie groß die Bestände sind, wird sich in den nächsten Wochen zeigen", sagte der Direktor der Kommunalen Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage, Norbert Becker zu T-Online.
Die Tigermücke ist aggressiv, sie attackiert besonders gerne Menschen, und ihre Stiche sind besonders schmerzhaft. Wo sie auftaucht, kann sie sich in wenigen Jahre zur Plage entwickeln. In ihrer Heimat, den Tropen, verbreiten die Blutsauger gefährliche Krankheiten wie das Dengue-Fieber oder Chikungunya, eine sehr schmerzhafte Virus-Erkrankung.
Vereinzelt auch Todesfälle
So war die Mückenart für die Chikungunya-Epidemie auf der französischen Insel La Réunion verantwortlich. Bis September 2006 wurden dort etwa 266.000 Menschen infiziert, es gab 248 Todesfälle. Auch bei dem ersten und bisher einzigen Chikungunya-Ausbruch auf dem europäischen Kontinent in der italienischen Provinz Ravenna im Sommer 2007 war die Asiatische Tigermücke der Überträger. Bei dieser Epidemie waren etwa 300 Menschen erkrankt, für einen 89-Jährigen verlief die Virus-Erkrankung tödlich.
Trittbrettfahrer im Frachtverkehr
Nach Deutschland sind die Mücken vermutlich über die Alpen gekommen - als blinde Passagiere mit Reisenden oder mit Frachtgut. Sie gehört damit zu den Tierarten, die von der Globalisierung profitieren und sich - als Trittbrettfahrer im modernen Güterverkehr - neue Lebensräume erschlossen haben.
Italien stöhnt bereits
Seit etwa 1990 ist die Tigermücke in Italien heimisch und hat sich über den gesamten Norden des Landes ausgebreitet. "Bis nach Rom ist sie inzwischen der größte Plagegeist", sagt Becker.
An die Kälte angepasst
Die ursprünglich in den Tropen beheimatete Tigermücke hat sich auf ihrem Zug um die Welt an das Klima in gemäßigten Breiten angepasst. Inzwischen nehmen die Zoologen an, dass das Insekt auch in Gegenden überwintern kann, in denen die Durchschnittstemperatur im Januar über dem Gefrierpunkt bleibt. In Deutschland ist das zum Beispiel am Rhein und den angrenzenden Flusstälern regelmäßig der Fall.
Mit Gift gegen die Larven
Die Experten von der Aktionsgemeinschaft zur Bekämpfung der Schnakenplage versuchen jetzt, sich mit Hilfe von Fallen einen Überblick über die Bestände zu verschaffen. Sie wollen der Mücke möglichst bereits im Larvenstadium den Garaus machen. Dazu wird in den feuchten Gebieten entlang des Rheins ein Granulat mit einem biologischen Fraßgift verteilt, das den Darm der Tiere zerstört. Diese Methode habe sich bei den heimischen Stechmücken bewährt und wirke auch bei dem Exoten, sagte Becker. Da die Tigermücke allerdings unter anderem auch in Baumhöhlen und alten Reifen brüte, sei sie schwieriger zu erwischen. "Da kann man auch mal was übersehen", weiß der Zoologe.