20.05.2009, 17:47 Uhr | Von Elmar Stephan und Sigrun Stock, dpa
In Nordhorn hat ein Notarzt eine 89-Jährige irrtümlich für tot erklärt (Foto: imago)
Ein Notarzt hat eine 89-jährige Frau im niedersächsischen Nordhorn fälschlicherweise für tot erklärt. Der Irrtum fiel erst eine Stunde später dem Bestatter auf, der die Frau in einen Sarg betten wollte und sie lebend vorfand. Die alte Dame sei dann vier Tage später in einer Klinik in Nordhorn gestorben, berichtete ein Sprecher der Staatsanwaltschaft.
Gegen den 33 Jahre alten Notarzt wird nun ermittelt. Die Staatsanwaltschaft geht aber davon aus, dass die Frau auch ohne den Fehler des Notarztes nicht hätte gerettet werden können.
Derartige Fälle selten in Deutschland
Lebend begraben werden ist eine der Urängste des Menschen - in Deutschland werden Lebende aber nur äußerst selten irrtümlich für tot erklärt. In der Regel ist eine Verkettung unglücklicher Umstände schuld, so wohl auch in dem Fall in Nordhorn. Die Seniorin war Ende April in ihrem Badezimmer gestürzt. Nachbarn betreuten die Frau, schauten jeden Tag nach ihr. Als morgens die Jalousien noch heruntergelassen waren, schlugen sie Alarm.
Der junge Notarzt fand die 89-Jährige nach Angaben der Staatsanwaltschaft leblos. Er fasste sie an und stellte fest, dass sie sich kalt und starr anfühlte. Allerdings wusste er nicht, dass sie ein steifes Bein hatte - eventuell irrte er sich deswegen. Die gesetzlich vorgeschriebene Leichenschau wollte der 33 Jahre alte Notarzt erst nachmittags im Bestattungsinstitut vornehmen. Dabei muss der nackte Körper nicht nur oberflächlich, sondern von allen Seiten genau betrachtet werden.
Bestatter bemerkte Atemzüge
Der Arzt benachrichtigte die Angehörigen, die einen Bestatter bestellten. Dieser war eine Stunde später da. Als der Bestatter die Frau in den Sarg legte, bemerkte er ein leichtes Atmen - und alarmierte wiederum den geschockten Notarzt, der die Frau diesmal umgehend ins Nordhorner Klinikum bringen ließ.
"Verkettung unglücklicher Umstände"
Eine Computertomographie am Tag des Vorfalls habe gezeigt, dass die 89-Jährige schwere Hirnblutungen gehabt habe, die sie auch bei sofortiger medizinischer Hilfe nicht überlebt hätte, berichtete der ärztliche Direktor der Euregio-Klinik, Hermann Thole. Ob der Notarzt einen Fehler gemacht habe, müssten die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zeigen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft Osnabrück haben die Angehörigen bisher auf eine Anzeige verzichtet.